20-jähriger Syrer hat langes Vorstrafenregister

Tödliche Messerattacke auf Touristen: Haftbefehl gegen islamistischen Gefährder

Angriff auf Touristen in Dresden ist laut Staatsanwaltschaft wohl islamistisch motiviert
© dpa, Roland Halkasch, roland halkasch dna

21. Oktober 2020 - 16:46 Uhr

Mann griff Touristen in Dresdner Innenstadt an

Der Messerangriff auf zwei Touristen mitten in der Dresdner Innenstadt hat offenbar einen extremistischen Hintergrund. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden hat die Ermittlungen gegen einen 20 Jahre alten Syrer übernommen, der am Dienstagabend gefasst worden war. Es stehe eine islamistisch motivierte Tat im Raum, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Verdächtiger hat langes Vorstrafenregister

Gegen den Verdächtigen wurde inzwischen Haftbefehl wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erlassen. Der seit 2015 in Deutschland geduldete Mann ist nach Angaben der Behörden erheblich vorbestraft. So war er vom Oberlandesgericht Dresden im November 2018 unter anderem wegen Werbens um Mitglieder oder Unterstützer einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Sichverschaffens einer Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Körperverletzung und Bedrohung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.

Diese Strafe wurde dann nach Angaben der Behörde 2019 vom Amtsgericht Leipzig in eine weitere Verurteilung wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung einbezogen. Diese Jugendstrafe musste der Beschuldigte vollständig absitzen. Erst am 29. September 2020 sei er aus der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen entlassen worden. Er habe unter Führungsaufsicht gestanden, hieß es. Laut "Spiegel" soll der mutmaßliche Täter im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen sein und sich seit dem Frühsommer 2017 zunehmend dem IS zugewandt haben. Er habe sich seitdem Gedanken über ein Attentat gemacht und in der Haft womöglich weiter radikalisiert.

55-Jähriger starb nach Angriff

"Der 20-jährige syrische Staatsbürger ist im Zuge der Spurenauswertung in den Fokus der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft Dresden und Polizeidirektion Dresden geraten", teilte die Polizei mit. Dem Mann wird vorgeworfen, in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober zwei Männer im Alter von 53 und 55 Jahren angegriffen zu haben. Der 55-Jährige aus Krefeld starb später im Krankenhaus. Sein Begleiter aus Köln hatte die Attacke überlebt. Die Polizei hatte in Anlehnung an den Tatort unter dem Namen "Schloßstraße" eine Sonderkommission mit 29 Beamten eingerichtet.

Der Verdächtige war nach der Tat geflüchtet und konnte am 20. Oktober gefasst werden. Er soll vor dem Ermittlungsrichter keine Angaben gemacht haben.