Wenn Antibiotika nicht mehr helfen

Todkrankes Mädchen wird mit Bakterienfressern gerettet

22. Mai 2019 - 7:50 Uhr

Es ist eine medizinische Sensation

Isabelle Holdaway kann endlich wieder ein "normales" Leben führen. Dabei wäre sie fast nach einer Lungentransplantation gestorben. ​Ihre Überlebenschance lag bei nur noch einem Prozent. Alle Antibiotika hatten versagt, doch dann entschieden sich die Ärzte in London "Bakterienfresser" einzusetzen.

Es ist einmalig und eine medizinische Sensation, dass der Teenager mit der neuen Therapie überhaupt überlebt hat. Wie es Isabelle heute geht und wie sie mit ihrer Krankheit umgeht, das sehen Sie im Video.

Todesursache: Resistenz gegen Antibiotika

Isabelle Holdaway leidet an Mukoviszidose. Auf ihrem Körper breiteten sich nach einer Lungentransplantation gefährliche Bakterien aus. Wundnähte, Knochen und Organe entzündeten sich, auf der Haut bildeten sich Abszesse. Alle Antibiotika blieben wirkungslos.

Wie viele tausend Menschen in der EU jährlich wegen einer Antibiotika Resistenz sterben und wie Sie dem entgegensteuern können, lesen Sie hier.

Auf Drängen der Eltern wurden Forscher der University of Pittsburgh kontaktiert, die an neuen Therapieformen mit "Bakterienfressern" arbeiten.

Was sind „Bakterienfresser“?

Die Medizin ist schon lange auf der Suche nach Alternativen, wenn Antibiotika nicht mehr helfen.

In Isabelles Fall sind Bakterienfresser, auch Bakteriophagen oder nur Phagen genannt, zur Behandlung eingesetzt worden. Dabei handelt es sich um Viren. Ihr Vorteil: Sie sind für den Menschen völlig ungefährlich, weil sie nur Bakterien angreifen und keine Nebenwirkungen auslösen.

Der Phage setzt sich auf die Bakterienzelle, durchsticht die Zellwand und lagert seine DNA in die Zelle ein. Die Bakterie produziert nun viele neue Phagen - bis die Zelle platzt. Der Phagen-Nachwuchs wird freigesetzt und jeder von ihnen kann nun wieder eine Bakterienzelle angreifen. Die Kettenreaktion läuft, solange Bakterien da sind. Die Bakterien werden so zertstört und durch den Körper abgebaut.

Eine neue Chance im Leben

Tatsächlich vermehrten sich die Viren in Isabelles Körper. Die Bakterien starben ab, erst aus dem Blut, dann auch aus den Wunden der Haut. Nach sechs Monaten sind Wunden sogar fast ganz verheilt. Außerdem haben sich die Leber- und Lungenfunktion sowie das Gewicht des Mädchens deutlich verbessert.

Aber: Auch wenn der Einsatz der Bakteriophagen bei Isabelle erfolgreich war, sprechen die Forscher nicht von einem Durchbruch für die Therapieform. Tatsächlich ist Isabelles Fall einer der wenigen erfolgreichen Beispiele für den Einsatz der Bakterienfresser.

Neue Hoffnung für Kranke

Trotzdem: Von einer Einprozentigen Lebenschance hat es Isabella zu einem ganz neuen Leben geschafft. Vielleicht können Bakteriophagen bald auch anderen Menschen, bei denen Antibiotika nicht mehr hilft, eine neue Chance im Leben schenken.