Todesstrafe für Zarnajew: Boston-Attentäter muss sterben

18. Mai 2015 - 8:44 Uhr

21-Jähriger zeigt bei Urteil keinerlei Regung

Zwei Jahre nach dem Anschlag auf den Boston-Marathon ist der überlebende Bombenleger zum Tode verurteilt worden. Der 21 Jahre alte Dschochar Zarnajew soll für die Terrorattacke, bei der drei Menschen starben und 260 verletzt wurden, mit einer tödlichen Injektion hingerichtet werden. Dies entschieden die zwölf Geschworenen nach einem drei Monate langen Prozess. Sofern die Verteidigung wie von Beobachtern erwartet Berufung einlegt, könnte sich der Rechtsstreit jedoch noch mehrere Jahre hinziehen.

Boston-Bomber schuldig gesprochen
Dschochar Zarnajew ist Mitschuld an drei Toten und rund 260 Verletzten.
© dpa bildfunk

Zarnajew hatte im April 2013 mit seinem älteren Bruder Tamerlan zwei Sprengsätze am Zieleinlauf des Marathons gezündet. Es war der schwerste Anschlag in den USA seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Auf die Doppel-Explosion folgte eine tagelange Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der sowohl ein Polizist als auch Tamerlan Zarnajew in einem Schusswechsel getötet wurde.

Die sechs der 30 Anklagepunkte, die Zarnajew die Todesstrafe einbrachten, bezogen sich alle auf die zweite der beiden Schnellkochtopf-Bomben, die er am Zieleinlauf des Marathons gelegt hatte. Mit Blick auf die Explosion der ersten Bombe, die sein Bruder Tamerlan deponiert hatte, sowie für die Tötung des Polizisten Sean Collier entschieden die Geschworenen gegen die Todesstrafe.

Zarnajew selbst zeigte nach Berichten aus dem Gerichtssaal bei der Verkündung des Todesurteils keinerlei Regung. Richter George O'Toole dankte den Verteidigern des 21-Jährigen und sagte mit Blick auf das Verfahren: "Herr Zarnajew hat sich anständig verhalten." Die Geschworenen hatten sich über drei Tage insgesamt rund 14 Stunden beraten. Für das Todesurteil mussten sie sich lediglich in einem von 17 Anklagepunkten gegen Zarnajew einig sein, auf die die Todesstrafe steht.

Überlebende: "Er hat sein eigenes Recht auf Leben verwirkt"

Todesstrafe für Zarnajew: Boston-Attentäter muss sterben
Tamerlan (r.) und Dschochar Zarnajew kurz vor dem Attentat auf einem Überwachungskamera-Bild.
© dpa, Handout

Die US-Regierung bezeichnete das Strafmaß als angemessen. Die Höchststrafe sei angesichts des schrecklichen Verbrechens von Dschochar Zarnajew passend, teilte Justizministerin Loretta Lynch mit. Zarnajew habe den Terroranschlag kalt und gefühllos verübt. Er müsse seine Tat nun mit dem Leben bezahlen, sagte Staatsanwältin Carmen Ortiz und lobte den fairen Prozess.

Opfer, Hinterbliebene und nach dem Anschlag vom April 2013 beteiligte Einsatzkräfte regierten gemischt. "Er hat sein eigenes Recht auf Leben verwirkt", schrieb die Überlebende Sydney Corcoran auf Twitter. "Gerechtigkeit. In seinen eigenen Worten: «Auge um Auge»." Corcoran wurde bei dem Anschlag schwer verwundet, ihre Mutter verlor beide Beine. Die Eltern des achtjährigen Jungen, der bei dem Anschlag starb, hatten aus Angst vor dem jahrelangen Prozess dagegen öffentlich darauf gedrängt, von der Todesstrafe abzusehen.

Sowohl Massachusetts' Gouverneur Charlie Baker als auch Bostons Bürgermeister Martin Walsh sagten, dass die Entscheidung den Opfern hoffentlich die Chance gebe, mit dem Fall abzuschließen. "Niemand feiert hier", sagte Feuerwehrmann Michael Ward, der zu den ersten Helfern nach den Explosionen zählte. Doch die Gerechtigkeit im Fall Zarnajew habe gesiegt. "Er wird zur Hölle fahren, denn dort wollte er hin. Aber er wird dort schneller ankommen, als er dachte."

Der Bundesstaat Massachusetts hatte die Todesstrafe in den frühen 1980er Jahren abgeschafft. Die bisher letzte Hinrichtung fand 1947 statt. Zarnajew muss sich jedoch nicht in einem einzelstaatlichen, sondern in einem Bundesverfahren verantworten, und das Bundesrecht erlaubt generell die Todesstrafe – also auch in Massachusetts.