Vernachlässigte Kita-Leiterin ihre Aufsichtspflicht?

Tod von Ramzan (†3) bleibt ungesühnt - das sagt sein Vater über die Gerichtsentscheidung

29. Januar 2019 - 0:06 Uhr

Gericht: Kein Prozess um Tod von Ramzan

Im Fall um den im rheinland-pfälzischen Bad Breisig tödlich verunglückten Ramzan soll es keinen Prozess gegen die Leiterin der Kita geben, in der der Dreijährige untergebracht war. Das hat das zuständige Amtsgericht Sinzig entschieden. Die Eltern des Kleinen sind von dem Beschluss zutiefst enttäuscht. Nicht nur ist ihr jüngster Sohn tot, auch wird niemand für sein tragisches Umkommen zur Verantwortung gezogen werden. Im Interview mit RTL erklärt Ramzans Vater Mikail, was er über die Gerichtsentscheidung denkt.

Ramzan ertrank in Teich

Der 8. Mai 2017 wird für Ramzans Eltern immer ein Schicksalstag bleiben. Wie gewohnt lieferten sie ihren Sohn in der Kindertagesstätte "Regenbogen" ab und ahnten nicht, dass sie ihn nie mehr lebend wiedersehen würden. Denn in einem unbeobachteten Moment verließ der Dreijährige den Turnraum der Kita und gelangte über den Personalflur, eine ungesicherte Außentür und einen Parkplatz in einen benachbarten privaten Garten. Dort fiel er in einen Teich und starb später im Krankenhaus.

Wie konnte es dazu kommen, dass Ramzan die Einrichtung unbeobachtet verließ? Wer ist für seinen Tod verantwortlich? Nach Meinung der Staatsanwaltschaft gab die verantwortliche Mitarbeiterin unzureichende Anordnungen für die Aufsicht der Kinder, die Behörde zeigte die Frau daher an. Doch wie das zuständige Gericht in Sinzig jetzt bekannt gab, soll es nicht zu einem Hauptverfahren kommen, da sich, so das Gericht in einer Pressemitteilung, kein hinreichender Tatverdacht ergeben habe. Das entschied der Richter nach umfassenden Nachermittlungen.

Die Begründung: Aller Voraussicht nach verließ Ramzan das Gebäude durch eine Tür, die aus Brandschutzgründen zwingend unverschlossen bleiben muss. Da das Entweichen des Jungen der Frau daher nicht zur Last gelegt werden könne, habe sie sich nicht der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Zwar hätte der Brandschutz auch anders gesichert werden können - die bauliche Ausgestaltung der Tür liege aber nicht im Aufgabenbereich der Mitarbeiterin. Gegen die Entscheidung hat die Staatsanwaltschaft bereits Beschwerde eingelegt.

Familie kämpft mit ihrem Verlust

Für Ramzans Eltern ist die Nachricht ein Schlag ins Gesicht. Wird die Beschwerde der Staatsanwaltschaft abgewiesen und bleibt es dabei, dass es keinen Prozess gibt, dann wird der Tod ihres Sohns ungesühnt bleiben. Ramzans Vater Mikail kann nicht fassen, dass sein Junge an seinem Tod selbst schuld sein soll. "Ich verstehe das nicht", sagt der Tschetschene im RTL-Interview. Auch seine beiden anderen Söhne Daud (8) und Ibrahim (7) können noch nicht recht verstehen, dass ihr Bruder nicht mehr wiederkommt und fragen immer wieder "Wann kommt Ramzan?". Erst am Wochenende habe die Familie einen Kuchen gemacht und der älteste Sohn Daud habe ein Stück für Ramzan aufheben wollen. Auch Mutter Kheda habe den Verlust noch nicht verarbeitet und weine jede Nacht. Das Gespräch mit Ramzans Eltern sehen Sie im Video.