"Tod meines Vaters war nicht umsonst": Sohn des Opfers über das spektakuläre Urteil gegen Berliner Ku'damm-Raser

01. März 2017 - 18:37 Uhr

Raser erstmals in Deutschland wegen Mordes verurteilt

Zwei Berliner Autoraser sind für ihr tödliches Rennen mit einem aufsehenerregenden Schuldspruch erstmals wegen Mordes verurteilt worden. Das Landgericht verhängte gegen Marvin N. und Hamdi H. lebenslange Freiheitsstrafen. Wir haben nach dem spektakulären Urteil mit dem Sohn des Raser-Opfers gesprochen.

Autos als Mordwaffe

Maximilian wollte den Männern, die seinen Vater auf dem Gewissen haben, beim Urteil in die Augen schauen. Lebenslang wegen Mordes, befanden die Richter. Für Marvin N. und Hamdi H. eine Überraschung - auch für den Sohn des Opfers: "Es macht meinen Vater natürlich nicht wieder lebendig. Was passiert ist, ist passiert, man kann es leider nicht mehr rückgängig machen. Aber für mich war wichtig und entscheidend, dass der Tod meines Vaters nicht umsonst war", sagt er.

Im vergangenen Februar lieferten sich Marvin N. und Hamdi H. mitten in Berlin ein wildes Rennen. Mit bis zu 170 Stundenkilometern rasten die beiden über den Ku'damm, überfuhren elf rote Ampeln. Dann rammte einer der beiden den Wagen von Maximilians Vater. "Er hatte keine Chance, selbst wenn er sie noch gesehen hätte. Da konnte man gar nicht reagieren in diesem Bruchteil einer Sekunde", sagt Maximilian W. "Das Fahrzeug von meinem Vater wurde 70 Meter weit durch die Luft geschleudert. Das ist wie ein Vogel in die Luft geflogen."

Große Mehrheit hält das Mordurteil für gerechtfertigt

Ein Kreuz steht am 17.02.2016 am Auerweg in Köln (Nordrhein-Westfalen) am Strassenrand an der Unfallstelle eines tödlichen Unfalls bei einem illegalen Autorennen. Der Prozess gegen zwei wegen des Unfalls wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des S
Bei einem Raserunfall in Köln war eine 19-jährige Radfahrerin ums Leben gekommen.
© dpa, Oliver Berg

Der Fall sorgt deutschlandweit für Aufsehen. Schon wieder töteten rücksichtslose Raser einen Unbeteiligten. Wie auch im Februar 2015, als sich in Köln zwei Männer ein Rennen lieferten und dabei eine 19-jährige Studentin überfuhren. Die Raser kamen damals mit Bewährungsstrafen davon - wie bislang immer in solchen Fällen. Das harte Urteil der Berliner Richter jetzt finden die meisten gerecht, wie auch eine Umfrage von RTL Aktuell online zeigt. Demnach finden 90 Prozent, dass das Mordurteil gerechtfertigt war.

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Abschreckende Wirkung von Berliner Raser-Urteil erhofft

ARCHIV - Zerstörte Fahrzeuge stehen am 19.05.2016 auf einer Kreuzung in Hagen (Nordrhein-Westfalen). Foto: Alex Talash/dpa (zu dpa-Korr "Schluss mit Milde - härtere Strafen für illegale Autorennen geplant" vom 23.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Auch in Hagen hatten sich zwei Autos ein illegales Rennen geliefert.
© dpa, Alex Talash, kno jam

Das Mordurteil gegen die beiden Autoraser dürfte aus Sicht eines Unfallforschers andere Raser abschrecken. Das Signal, dass im Falle eines schweren Unfalls auch lebenslange Freiheitsstrafen folgen können, sei entscheidend, sagte der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, der dpa. "Ich glaube, das muss Auswirkungen haben." Dass der Rechtsstaat derart Flagge zeige, sei überfällig gewesen, so Brockmann weiter.

Bislang hätten sich Täter sicher geglaubt. Typisch bei Autorennen in der Szene seien die spontanen Verabredungen, wobei die Rennen dann nach wenigen Minuten vorbei seien. "Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass man von der Polizei erwischt wird, ist denkbar gering. Und das wissen die", sagte der Unfallforscher.

Richter Ralph Ehestädt hatte in der Urteilsbegründung gesagt, es sei eine Einzelfallentscheidung, es gehe nicht um eine Demonstration von Härte. Laut Gericht hatten die Angeklagten ihre PS-starken Wagen als "gemeingefährliches Mittel" eingesetzt. Brockmann erwartet auch hier Folgen: "Das bedeutet, dass diese Rechtsprechung auch Auswirkungen hat auf andere Aggressionstaten, die mit dem Auto als Waffe verübt wurden." 

Grundsätzlich gibt es aus Sicht des Experten in der Gesellschaft einen noch zu laxen Umgang mit Rasern: "Schnelles Fahren ist bei uns nicht etwa geächtet. Sondern unter Männern jedenfalls eher ein Merkmal, mit dem man sich brüsten kann." In solchen Fällen gebe es noch zu viele Leute, die applaudierten. "Das heißt, am ganz langen Ende sind solche Taten auch verwurzelt in einer zu geschwindigkeitsfreundlichen allgemeinen Auffassung", sagte Brockmann.