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Tod im virtuellen Zeitalter: Was Sie über den digitalen Nachlass wissen sollten

Tod im virtuellen Zeitalter: Was Sie über den digitalen Nachlass wissen sollten

Facebook-Nutzer
Facebook bietet den Angehörigen verschiedene Möglichkeiten mit dem digitalen Nachlass Verstorbener umzugehen.
dpa, Oliver Berg

Von Lisa Gast

Wir leben in einer Welt, in der das Internet nichts und niemanden mehr vergisst. Auch nicht die Toten. Das Thema Tod und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten sind für viele Menschen ein Tabu, das ständig verdrängt wird. Doch wenn ein Angehöriger stirbt, müssen sich die Hinterbliebenen der Sache annehmen - und sich neben Leid und Trauer neuerdings auch noch mit virtuellen Fragen auseinandersetzen, denn: Rechtliche Verpflichtungen gibt es nicht nur in der realen Welt.

Das Internet hat in den letzten Jahren unser reales Leben stark geprägt. Rund zwei Drittel der Deutschen sind online aktiv. Und dabei hinterlassen wir alle Spuren. Spuren, die auch nach unserem Tod weiter im Netz kursieren. Das virtuelle Leben kennt kein Verfallsdatum.

Experten sprechen vom "Digitalen Nachlass". Darunter verstehen sie alle Daten, die ein Nutzer nach seinem Tod auf dem Computer, dem Smartphone, oder generell im Internet hinterlässt. Doch wie verwalte ich als aktiver Nutzer meinen digitalen Nachlass? Wie lösche ich als Angehöriger die virtuellen Profile des Verstorbenen? Und was sind meine Rechte? Wir haben die wichtigsten Fakten rund um den digitalen Nachlass für Sie zusammengefasst:

Google-Logo
Google wirbt damit, aktiven Nutzer die Regelung ihres digitalen Nachlasses zu ermöglichen.
dpa, Ole Spata

Facebook

War der Verstorbene zu Lebzeiten auf Facebook aktiv, so haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Facebook bietet Ihnen an, das Konto des Verstorbenen komplett zu löschen oder in den Gedenkzustand zu versetzen. Letzteres bedeutet, dass Familie, Freunde und Bekannte noch die Möglichkeit haben, Einträge auf der Pinnwand zu hinterlassen; alle weiteren Funktionen werden allerdings gesperrt. Für beide Möglichkeiten verlangt Facebook den Totenschein des Verstorbenen und einen Nachweis, dass man tatsächlich ein enger Angehöriger ist.

Laut einem Urteil des Berliner Landgerichts vom Januar 2015 stehen Erben aber auch die Zugangsdaten zum Profil des Verstorbenen zu. Dies sei keine Verletzung der postmortalen Persönlichkeitsrechte.

E-Mail

Im Gegensatz zum Facebook-Account gestaltet sich das Löschen des E-Mail Kontos erheblich schwieriger. Hier gibt es kein allgemeingültiges Rezept, das wir Ihnen an die Hand geben können. Wie mit den Daten eines Verstorbenen umgegangen wird, entscheidet der jeweilige Anbieter. Bei 'GMX' und 'Yahoo' wird beispielsweise unter Vorlage der Sterbeurkunde der Account nach sechs Monaten vollständig gelöscht. Andere Portale wie 'web.de' erlaubt den Angehörigen zwar Einsicht, allerdings unter strengen Vorlagen. Deshalb empfiehlt es sich hier als aktiver Nutzer vorzusorgen und seinen Angehörigen die E-Mail Zugangsdaten zu hinterlassen.

Google – Kontoinaktivität-Manager

Google bietet Nutzern einen speziellen Service. Damit können Nutzer ganz einfach ihre Zugangsdaten an ihre Angehörigen vererben. Auch hier muss der Nutzer selbst vor seinem Tod vorsorgen, um den Angehörigen die virtuelle Spurensuche im Netz zu erleichtern.

Dabei entscheidet der Nutzer, was mit seinen Daten passieren soll, wenn er drei, sechs oder neun Monate nicht mehr in seinem Account aktiv war: Entweder werden seine Zugangsdaten an einen im Vorfeld bestimmten Nachlassverwalter gesandt oder komplett gelöscht.

Rechtslage: Ist ein Account überhaupt vererblich?

"Ja", meint Christian Solmecke, Rechtsanwalt und Experte für Internetrecht. Viele Email- und Socialmedia-Betreiber fühlen sich auch nach dem Tod eines Nutzers verpflichtet, dessen persönliche Daten und Angelegenheiten; sprich dessen E-Mails und Nutzer-Accounts, zu schützen und geheim zu halten, so Solmecke. Juristen sprechen dabei vom "postmortalischen Persönlichkeitsrecht".

Diesem Gesetz steht allerdings Ihr sog. Erbrecht gegenüber, welches laut Solmecke diesen Normen vorgeht. Als Erbe tritt man in die Angelegenheiten und Verträge des Verstorbenen ein. Der Experte versucht dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Wenn man eine Wohnung erbe, so dürfe man auch in einem versteckten Tagebuch herumblättern - warum also nicht auch in den E-Mails? Was also tun? Solmecke verweist an dieser Stelle auf das Bundesdatenschutzgesetz. Dort gibt es Ansprüche, mit denen man verlangen kann, dass Daten des Accounts herausgegeben werden.

Für diejenigen, die ihren Angehörigen diese rechtliche Unordnung komplett ersparen möchten, haben Experten einen simplen und doch wirkungsvollen Tipp parat: Zücken Sie einen Stift und ein Blatt Papier, schreiben Sie Ihre Passwörter und Zugangsdaten in gut lesbarer Schrift auf, denken sich ein tolles Versteck aus und verraten es NUR Ihren potentiellen Erben. Denn sowohl für die virtuelle als auch für die reale Welt gilt: Man kann nie vorsichtig genug sein.