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Tochter gesteht erfundene Vergewaltigung – Vater zu Unrecht sieben Jahre im Gefängnis

Tochter gesteht erfundene Vergewaltigung – Vater zu Unrecht sieben Jahre im Gefängnis

Memmingen, Landgericht, Vergewaltigung
Die Tochter des 62-Jährigen erklärte, von ihrer Mutter gegen den Vater aufgehetzt worden zu sein.
dpa, Karl-Josef Hildenbrand

"Ich hatte nicht den Mut, zur Wahrheit zurückzukehren"

Ein Familienvater aus dem Oberallgäu saß sieben Jahre unschuldig hinter Gittern. Seine Tochter hatte ihn der Vergewaltigung bezichtigt. Bei einem Wiederaufnahmeverfahren vor dem Landgericht Memmingen sagte sie jetzt: alles nur erfunden. Das Gericht sprach den Mann daraufhin frei. Die Tochter muss keine Konsequenzen fürchten.

17 Jahre nach der Urteilsverkündung erklärte die 33-Jährige unter Tränen, wie es zu der Falschaussage kam. Zwischen ihren Eltern habe es dauernd Streit gegeben. Als sich die Eltern schließlich trennten, habe ihre Mutter sie gegen den Vater aufgehetzt. Sie habe ihr auch glaubhaft gemacht, dass er für die Krebserkrankung der Mutter mitverantwortlich war. "Mein Hass auf meinen Vater wurde immer größer. (...) Ich dachte, ich müsste mich an meinem blöden Vater rächen."

Mit Hilfe des Terminkalenders ihrer Mutter, die inzwischen gestorben ist, habe sie damals eine Geschichte konstruiert, mit der sie Ermittler, Gutachter und später auch das Gericht überzeugen konnte. Als es zur Verhandlung kam und ihr Vater zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, habe sie extreme Gewissensbisse gehabt - auch ihrem jüngeren Bruder gegenüber, der danach in eine Pflegefamilie kam.

"Aber ich hatte nicht den Mut, zur Wahrheit zurückzukehren", sagte die Frau, die inzwischen selber Mutter von drei kleinen Kindern ist. In den Folgejahren sei der Druck immer größer geworden. Erst als ihre eigene Tochter vor fünf Jahren auf die Welt kam, habe sie sich von der Last befreien wollen.

Das Landgericht hob das Urteil des Landgerichts Kempten vom Juli 1996 jetzt auf und sprach den Angeklagten im Wiederaufnahmeverfahren frei.

Laut früherer Anklage soll der Vater das Mädchen von November 1989 bis Mai 1991 dreimal zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Die Tochter war zur angenommenen Tatzeit neun und zehn Jahre alt. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe stets bestritten. "Es war kein faires Verfahren", kritisierte der 62-Jährige. Er habe sich von Anfang an vorverurteilt gefühlt. Die siebenjährige Haftstrafe hat der Mann voll verbüßt, jetzt kann er mit einer Entschädigung rechnen.

Vorgang verjährt: Tochter hat keine Konsequenzen zu erwarten

"Ihr Leben, die verlorenen Jahre, können wir Ihnen nicht zurückgeben, wir geben Ihnen Ihre Ehre zurück", sagte die Vorsitzende Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Zuvor hatte sie der Tochter Respekt für ihren Mut ausgesprochen. "Wir zollen Ihnen Respekt, dass Sie diesen Weg gegangen sind." Strafrechtliche Konsequenzen wegen ihrer Falschaussage hat die junge Frau nicht mehr zu erwarten, der Vorgang ist verjährt.

Der Angeklagte zeigte sich erleichtert über das Urteil. In seinem Schlusswort hatte er noch einmal unter Tränen beteuert, unschuldig zu sein. Später sagte er: "Ich bin froh, dass ich immer daran geglaubt habe, dass die Wahrheit noch siegen wird." Er hoffe, dass es wieder möglich sein wird, zu seiner Tochter und ihrer Familie ein normales Verhältnis aufzubauen. "Ich bin dankbar, dass meine Tochter den Mut gefasst hat, noch zur Wahrheit zu finden."

Vor wenigen Wochen hatte das Landgericht Osnabrück eine Lehrerin zur Zahlung von 80.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt, weil sie einen Kollegen mit Vergewaltigungsvorwürfen unschuldig ins Gefängnis gebracht hatte. Zuvor war die Frau in Darmstadt zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der unschuldig verurteilte Lehrer Horst Arnold war wegen des Vorwurfs, seine Kollegin 2001 vergewaltigt zu haben, verurteilt worden und saß fünf Jahre in Haft. 2011 wurde in einem Wiederaufnahmeverfahren seine Unschuld festgestellt. Mittlerweile ist Arnold verstorben. Das Schmerzensgeld hatte seine Tochter erstritten.