Titisee-Neustadt: 14 Tote bei Brand in Behindertenwerkstatt

15. März 2013 - 11:01 Uhr

Brand-Katastrophe im Schwarzwald

Bei einem Feuer in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt hat es 14 Tote gegeben. Es handle sich um Behinderte und Betreuer, teilte die Polizei mit. Die Todesursache sei vermutlich Rauchvergiftung. Es seien aber noch nicht alle Toten identifiziert.

Feuer in Behindertenwerkstatt, Titisee-Neustadt, Schwarzwald
Die Feuerwehr durchkämmt nach dem Feuer das Gebäude in Titisee-Neustadt - Rauch steigt auf.
© dpa, Patrick Seeger

Acht Menschen wurden schwer verletzt. Diese seien aber außer Lebensgefahr. Es habe in einem Lagerraum eine Explosion gegeben. Ob darin Chemikalien gelagert worden seien, sei noch unklar. In den Werkstätten wird Holz verarbeitet.

Nach den Worten von Kreisbrandmeister Alexander Widmaier waren bei Ausbruch des Brandes 120 Personen in dem Gebäude. Die meisten konnten sich selbst retten. Doch 14 von ihnen seien völlig hilflos gewesen und mussten von der Feuerwehr geborgen werden. "Wir gehen davon aus, dass es keine weiteren Toten gibt", sagte Alfred Oschwald, Einsatzleiter der Polizei, bei einer Pressekonferenz. Das Gebäude sei durchsucht und niemand werde mehr vermisst.

Nach dem Feuer richtete die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein. Die ganze Nacht über werde nach der Brandursache gesucht, sagte ein Polizeisprecher. Im Einsatz seien Brandsachverständige und Spezialermittler. Feuer und Rauch hätten im Inneren des Gebäudes große Schäden angerichtet. Die Spurensuche sei daher schwierig. Ursache und Schadenshöhe seien noch unbekannt.

Viele Behinderte gerieten in Panik

Alarmiert wurde die Feuerwehr durch eine automatische Brandmeldeanlage in dem Gebäude. Kurz danach riefen zahlreiche Nachbarn über Notruf an und berichteten von starkem Rauch. Als die Feuerwehrleute eintrafen, seien ihnen auf der Straße schon viele Menschen in Panik entgegengelaufen. Viele Behinderte seien wegen der Flammen in Panik geraten. "Wir haben hier mit Menschen zu tun, die naturgemäß nicht rational reagieren", sagte Widmaier.

Gut zwei Stunden nach der Explosion bekam die Feuerwehr den Brand nach eigenen Angaben unter Kontrolle. Jedoch drang noch länger Rauch aus dem Gebäude.

In der Werkstatt rund 40 Kilometer östlich von Freiburg im Breisgau arbeiten etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Die Polizei richtete in einer benachbarten Spedition eine Sammelstelle ein und bat Menschen, die bei Ausbruch des Feuers in dem Gebäude waren, sich zu melden. Aus allen Nachbarregionen wurden Einsatzkräfte zusammengezogen.

Beim Deutschen Caritas-Verband herrscht große Trauer und Verwirrung. "Man versteht nicht, was passiert ist. Man kann sich das nicht erklären", sagte Sprecherin Claudia Beck. Die Werkstatt ist eine Einrichtung des Freiburger Caritas-Verbandes. Nun müsse geklärt werden, wie es weitergehe.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zeigte sich erschüttert: "Die Nachricht über den Brand in der Behindertenwerkstatt und das schreckliche Ausmaß hat mich zutiefst getroffen. In Gedanken bin ich bei den Opfern, und mein tiefes Mitgefühl gilt ihren Angehörigen", so Kretschmann, der mit Innenminister Reinhold Gall (SPD) zum Unglücksort reiste.

Auch Bundespräsident Joachim Gauck hat der Opfer der Brandkatastrophe gedacht. "Ich denke an die armen Menschen, die Opfer zu beklagen haben", sagte Gauck in Duisburg zum Abschluss seines Antrittsbesuchs in Nordrhein-Westfalen. Er habe mit Kretschmann telefoniert und sein Beileid ausgedrückt, sagte Gauck.