IAA-Aktivistin unter Beschuss

Tina Velo von Autofans angefeindet: „Es liegt daran, dass ich eine Frau bin“

15. September 2019 - 17:48 Uhr

Umweltschützer blockieren Eingänge zur IAA in Frankfurt

Die Besucher der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt bekommen die Proteste der Umweltschützer am Sonntag besonders zu spüren. Hunderte sitzen und liegen vor dem Haupteingang der Automesse und blockieren den Weg. Unter ihnen ist auch Tina Velo. Seit ihrem Auftritt in einer ZDF-Talkshow ist sie zur Zielscheibe vieler Autofans geworden. Im Video spricht sie über die zahlreichen Anfeindungen, die sie über Social Media erreichen. Die meisten seien sexistisch, so Velo.

Aktivisten: "Wir fordern den Ausstieg aus Diesel und Benzin"

"Die Straße ist besetzt - Verkehrswende jetzt" - das steht unter anderem auf den Plakaten der Umweltschützer. Laut dem Bündnis "Sand im Getriebe" ist das Ziel, den Ablauf der IAA zu stören und so ein Zeichen gegen das aktuelle Verkehrssystem zu setzten. Denn das zerstöre das Klima.

"Wir fordern den Ausstieg aus Diesel und Benzin, ab 2025 keine Neuzulassungen mehr von Neuwagen mit Diesel- oder Benzinmotor. Und wir brauchen andere Mobilität, gerade in Städten,  aber auch auf dem Land", sagt Benjamin Stephan, Verkehrsexperte von Greenpeace.

Verband der Automobilindustrie zieht positive Bilanz

Die IAA rief ihre Besucher über Twitter auf, auf freie Eingänge auszuweichen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) zog ungeachtet der Proteste als Veranstalter eine positive Bilanz des Wochenendes und sprach von gut gefüllten Messehallen.

Die IAA 2019 hatte am Samstag ihre Tore für die breite Öffentlichkeit geöffnet, rund 60.000 Besucher seien an dem Tag gekommen, Zehntausende seien es auch am Sonntag gewesen. "Dieser Sonntag ist eine Abstimmung mit den Füßen für das Automobil", erklärte der scheidende VDA-Präsident Bernhard Mattes. Die Messe dauert noch bis 22. September.

Aktivisten: Autoindustrie nicht entschlossen genug

Das Bündnis "#aussteigen", das die Proteste am Samstag organisierte, warf der Autoindustrie vor, den Wandel zu emissionsfreier Elektromobilität nicht entschlossen genug voranzutreiben und aus Profitgier unter anderem weiter auf klimaschädliche Stadtgeländewagen (SUVs) zu setzen. Gefordert wurde Vorrang für Fuß- und Radverkehr, ein starker Ausbau von Bus und Bahn sowie ein klimaneutraler Verkehr bis 2035.

Die Bundesregierung müsse "liefern und den Rahmen setzen für eine Wende weg von der autofixierten Verkehrspolitik und hin zu klimafreundlichen, sauberen und lebenswerten Städten". Am 20. September will das Klimakabinett der Bundesregierung sein Maßnahmenpaket vorlegen.