RTL-F1-Experte im Podcast „Königspartie“

Timo Glock: Darum war Vettel bei Ferrari nicht so erfolgreich wie Schumi

Sebastian Vettel
© dpa, Ryan Remiorz, pch tli fgj fdt

29. Juli 2020 - 19:00 Uhr

Timo Glock vergleicht Vettel- und Schumi-Zeit bei Ferrari

Die F1-Zeit von Sebastian Vettel bei Ferrari läuft Ende 2020 ab. Sportlich gesehen war es ein stetiges Auf und Ab. Klar ist aber: So erfolgreich wie die Ära seines Vorbilds Michael Schumacher, der fünf WM-Titel in Rot feierte, war der Auftritt von Vettel bei der Scuderia freilich nicht. Die Gründe dafür erklärt RTL-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock im Podcast "Königspartie" von Florian König.

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Ferrari unter Schumacher eher britisch als italienisch

Als einen der Hauptgründe für den immensen Erfolg von Schumacher beim Rennstall aus Maranello sieht Glock die personelle Neuaufstellung zu jener Zeit. "Michael hat aus einem italienischen Rennstall einen halb-britischen gemacht, die Führungspositionen waren mit Ross Brawn, Rory Byrne und Jean Todt besetzt. Das waren Schlüsselfiguren aus England, die sehr, sehr strukturiert gearbeitet haben", so Glock. "Das hat Seb glaube ich etwas gefehlt, es gab intern immer wieder Wechsel in der Führungsebene in seiner Zeit. Das hat ihm nicht die Möglichkeit gegeben, ein Team um sich herum aufzubauen, um Ferrari so erfolgreich zu machen, wie es Michael gemacht hat."

Vettel eher ein Einzelkämpfer

Zudem habe Schumacher mit Manager Willi Weber stets als Team agiert, Vettel sei eher ein Einzelkämpfer. "Es ist nie gut, wenn der Fahrer versucht, mit viel Druck Dinge intern umzukrempeln, es ist immer einfacher, wenn ich jemanden vorschicken kann, der den ersten Anstoß gibt. Das ist ein Thema, bei dem er nicht optimal aufgestellt war und dachte, er kann es irgendwo alleine regeln, weil er es von Red Bull gewöhnt war. Dort hat er es einfacher gehabt."

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„Da tut er mir auch leid“

Glock kennt den Ferrari-Piloten gut und ist mit ihm befreundet. Dem RTL-Experten schmeckt absolut nicht, dass die Wertschätzung für die Errungenschaften Vettels gefühlt nachlassen. "Es ist schade, dass man vergisst, dass er vierfacher Weltmeister ist und in den ersten Jahren Ferrari definitiv wieder in die Position gebracht hat, um die WM zu kämpfen. Wir dürfen nicht vergessen: 2018 war er in einer sehr guten Position", analysiert Glock. Nun stünden vor allem die Patzer im Vordergrund. "Fehler überragen immer erst mal, bevor man an die positiven Dinge denkt. Das ist hart, das bringt einen unter Druck und so passieren Fehler wie im ersten Rennen am Red Bull Ring, als er sich gedreht hat. Gefundenes Fressen für die Journalisten und die italienischen Fans. Da tut er mir auch leid."

Glock rät: Weiterfahren und fit bleiben

Wie geht es für Vettel also nach der Saison weiter? Die Situation von Vettel sei schwierig, da er zu wenige Möglichkeiten habe, in der Formel 1 zu bleiben. Der sportliche Rat von Glock lautet: "Ich würde versuchen, den Fuß immer drin zu behalten." Der RTL-Experte würde weiter fahren, um fit zu bleiben.