TikTok wollte Nutzer „vor Mobbing schützen“

Soziales Netzwerk gibt Diskriminierung von „besonderen Nutzern“ zu

© dpa, Jens Kalaene, jka dd nic

9. Dezember 2019 - 15:02 Uhr

Moderatoren sollten Videos in ihrer Reichweite begrenzen

Das chinesische soziale Netzwerk TikTok hat einen Bericht des Portals "netzpolitik.org" bestätigt und diskriminierende Moderationsregeln eingeräumt. Moderatoren der Musik-App sollten Videos von Menschen mit Behinderung, Übergewichtigen und Homosexuellen markieren und künstlich in ihrer Reichweite begrenzen – laut TikTok, um Mobbing vorzubeugen.

Videos von Nutzern mit Down-Syndrom und Autismus markiert

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Wies ein Nutzer Merkmale wie Down-Syndrom auf, wurden seine Videos entsprechend markiert und in ihrer Reichweite eingeschränkt (Symbolbild).
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Die Moderatoren sollten dazu in einem Bewertungsprozess entscheiden, ob ein Nutzer Merkmale wie "Autismus", ein "entstelltes Gesicht" oder "Down-Syndrom" aufweise, wie aus den zitierten Richtlinien hervorgeht und seine Videos entsprechend markieren.

Laut "netzpolitik.org" landeten sowohl Menschen mit Behinderung als auch Homosexuelle Übergewichtige dann auf einer Liste von "besonderen Nutzern", deren Videos als Mobbing-gefährdet betrachtet und deren Reichweite daher begrenzt wurde – ohne dass ihr eigentlicher Inhalt eine Rolle spielte.

Vorgehen von TikTok „übergriffig und ausgrenzend“

Ein Vorgehen, das "übergriffig und ausgrenzend" sei, wie "netzpolitik.org" Constantin Grosch von der Organisation "AbilityWatch" zitierte. TikTok begründet die Vorgehensweise damit, die betroffenen Nutzer vor Mobbing schützen zu wollen: "Als Reaktion auf eine Zunahme von Mobbing in der App haben wir frühzeitig eine unbeholfene und zeitlich befristete Regelung umgesetzt", sagte ein Sprecher des Netzwerks dem US-Portal "The Verge". "Unsere Absicht war gut, wir haben aber einen falschen Ansatz gewählt."

Vorschriften mittlerweile geändert

Wie lange die diskriminierenden Moderationsregeln gültig waren, ist nicht ganz klar. TikTok zufolge galten diese Vorschriften nur in "einer frühen Phase" des sozialen Netzwerks, einer anonymen Quelle zufolge, auf die "netzpolitik.org" sich beruft, waren sie jedoch noch im vergangenen September in Kraft. Mittlerweile sei sie "zugunsten nuancierterer Anti-Mobbing-Verfahrensweisen und Schutzmaßnahmen innerhalb der App geändert worden", so der Sprecher.

Wie man sich vor Mobbing schützen kann, erklärt eine Profilerin, die selbst Opfer von Mobbing wurde, hier.

TikTok häufiger wegen Zensur in der Kritik

Das rasant wachsende chinesische Unternehmen TikTok wird immer wieder verdächtigt, eine Zensur seiner Inhalte vorzunehmen – bisher allerdings hauptsächlich in Bezug auf politische Inhalte. Auch in puncto Datenschutz steht die Musik-App in der Kritik. Im vergangenen Jahr war TikTok noch vor WhatsApp, Instagram und Facebook die am häufigsten heruntergeladene Smartphone-App. 

Weltweit hat TikTok 800 Millionen Nutzer und ist vor allem bei Jugendlichen extrem beliebt. Was Sie als Eltern beachten müssen und welche Einstellungen nötig sind, damit Ihre Kinder sicher in der App unterwegs sind, zeigen wir im Video.