RTL News>News>

Tiger tötet Tierpfleger im Zoo von Münster

Tiger tötet Tierpfleger im Zoo von Münster

Hat er die Raubkatze übersehen?
Tiger Rasputin nach der tödlichen Attacke in seinem Gehege - er folgte nur seinem Instinkt.

Hat er die Raubkatze übersehen?

Auf die Attacke seines Schützlings war er nicht vorbereitet: Mit einem Biss ins Genick hat ein Tiger im Allwetterzoo von Münster seinen Tierpfleger getötet. Der erfahrene Pfleger habe offenbar beim Füttern der Tiere vergessen, eine Luke des Käfigs zu schließen, sagte Zoodirektor Jörg Adler. Der 56-jährige Mann sei dann durch eine Schleuse in das Freigehege gegangen, um es zu reinigen. Dabei habe er wohl übersehen, dass der zehnjährige Tiger Rasputin schon durch die offene Luke in das Gehege gelangt war. Die geschockten Zoobesucher mussten alles mitansehen.

Der Tote sei ein langjähriger und erfahrener Pfleger gewesen. Adler sprach von menschlichem Versagen. Besucher hätten den Unfall beobachtet und die Zooleitung alarmiert, berichtete der Zoodirektor weiter. Die Rettungskräfte seien aber zu spät gekommen. Der Zoo wurde nach dem Unglück geschlossen. Adler habe seinen liebsten Mitarbeiter verloren, sagte er unter Tränen.

Der Kollege habe über Jahrzehnte einen "starken Platz in der Belegschaft" gehabt, sagte Adler. Im Zoo steht ein Zelt mit einem Kondolenzbuch, in das sich nicht nur die 90 Kollegen des Tierpflegers, sondern auch die Besucher eintragen können. Der Mann war vielen Stammgästen des Zoos bekannt. Der erfahrene Pfleger war alleinstehend.

Noch am Abend stellt der Zoo auf seiner Facebook-Seite klar: "Um allen Spekulationen entgegenzutreten: Die Tiger leben und werden weder eingeschläfert noch erschossen."

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen ein

"So ein Zusammentreffen mit einem Tiger ist nicht zu überleben", sagte Adler vor Journalisten. Den Tiger treffe keine Schuld, er habe instinktiv einen Eindringling in seinem Revier angegriffen. "Es gibt keinen Grund, diesen Tiger zu hassen, er ist daran absolut nicht schuld", so Adler. Im Zoo von Münster leben zwei Amurtiger, ein Männchen und ein Weibchen. Es war das 2005 aus Leipzig nach Münster gekommene Tier Rasputin, das den Pfleger tötete.

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen zur Unglücksursache eingestellt. Für die Behörde steht fest, dass menschliches Versagen der Auslöser für das Unglück war. Untersuchungen der Technik im Gehege direkt nach der Attacke hätten keine Hinweise auf eine technische Panne ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Heribert Beck. Im Lauf des Tages waren dann Experten des Prüfunternehmens Dekra in der Tigeranlage. Sie bestätigten diesen Befund.

Im Zoo kümmerten sich mehrere Unfallseelsorger um die Mitarbeiter. Das Thema Sicherheit im Zoo spiele bei allen Mitarbeitern immer eine große Rolle, sagte Adler. "Sie können noch so viele Alarmsysteme und Technik einbauen. Am Ende steht der Mitarbeiter, der entscheidet. Aber natürlich frage ich mich, was ich als Zoodirektor hätte anders machen können."

Das Unglück von Münster ähnelt einem tödlichen Zwischenfall im Kölner Zoo. Dort war im August vergangenen Jahres eine Tierpflegerin von einem Sibirischen Tiger angefallen und getötet worden. Die Pflegerin soll ebenfalls vergessen haben, eine Tür zu schließen. Zoodirektor Theo Pagel hatte das Tier nach der Attacke erschossen, weil es neben der schwer verletzten Frau saß. Die Tigerattacke von Köln hatte eine Debatte über die Haltung von Großkatzen im Zoo ausgelöst. Auch nach dem Unglück in Münster meldeten sich Kritiker zu Wort. Tiger seien "höchst anspruchsvoll in der Haltung und potenziell extrem gefährlich. Und zwar nicht nur für Pfleger, sondern auch für Zoobesucher", kritisierte die Tierschutzorganisation 'Vier Pfoten'.