Videoaufnahmen zeigen Tierschutzverstöße

Tiere gequält? Tierschützer stellen Strafanzeige gegen Niedersachsens größten Schweinemastbetrieb

Symbolbild: Gedrängt stehen Schweine am Futtertrog im Stall eines Mastbetriebes. Foto: Patrick Pleul/Archiv
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17. September 2020 - 9:44 Uhr

Betroffener Hof steht im Emsland

Die Schweine stehen dicht gedrängt im eigenen Kot, viele Tiere haben schwere Verletzungen, offene Wunden, Tumore - so soll es auf den Videoaufnahmen, die dem Deutschen Tierschutzbüro vorliegen, zu sehen sein. Der Tierrechtsverein geht damit nun an die Öffentlichkeit, will die Missstände in dem Mastbetrieb im Emsland bekannt machen. Die Aufnahmen wurden laut Tierschutzbüro Ende Juli gemacht. "Die Missstände in dem Betrieb sind so schockierend, dass noch am gleichen Tag, als die Aufnahmen entstanden sind, das zuständige Veterinäramt in Meppen informiert worden ist", heißt es in einer Pressemitteilung. Bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück wurde außerdem Anfang August 2020 Strafanzeige gestellt.

Vorwurf der Tierschützer: Betreiber kommt seiner Fürsorgepflicht nicht nach

Auf den Aufnahmen soll auch zu sehen sein, dass viele Schweine nur humpeln können. Teilweise sind die Spalten im Boden zu groß, was eine weitere Verletzungsquelle sein kann. "Viele der Tiere müssen dringend tierärztlich behandelt werden", so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro. Eine gesetzlich vorgeschriebene Krankenbucht sei auf den Aufnahmen nicht zu sehen, es lägen auch tote Tiere im Stall. "Ganz offensichtlich kommt der Betreiber seiner Fürsorgepflicht hier nicht nach und lässt die Schweine einfach leiden", kritisiert Peifer in der Pressemitteilung.

Nachts kein Wasser im Hochsommer?

Schweine in einer Schweinemastanlage in Deutschland am 31.12.2004. Die Tiere werden innerhalb von 4-6 Monaten auf bis zu 120 kg gemästet. +++(c) dpa - Report+++
Symbolbild: Schweinemast
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Laut dem Tierschutzbüro wurden die Aufnahmen in zwei Nächten Ende Juli gemacht. Darauf soll zu sehen sein, dass die Schweine nachts keine Möglichkeit zu trinken gehabt haben, das Wasser sei offenbar bewusst vom Betreiber abgestellt worden sein. Dies sei "eine bei Schweinemäster*innen beliebte, wenn auch gesetzlich verbotene Methode, damit die Tiere am nächsten Morgen schneller einen hochkalorischen Futterbrei aufnehmen", schreibt das Deutsche Tierschutzbüro.

Tierarzt bestätigt Aufnahmen

Wir lassen uns die Aufnahmen von einem Tierarzt einschätzen, er möchte nicht genannt werden. Der Veterinär erkennt auf den Bildern chronisch kranke Tiere, die eingeschläfert werden müssten und andere, deren Verletzungen beispielsweise an den entzündeten Ohren behandelt werden müssten. Auch der Tierarzt erkennt auf den Aufnahmen keine Krankenbuchten, in denen solche Tiere abgesondert von der Gruppe untergebracht werden könnten. Auch Beschäftigungmaterial, das verhindern soll, dass Tiere sich gegenseitig verletzen, sieht er auf den Aufnahmen nicht.

Landkreis Emsland überprüft Betrieb

Eine Woche, nachdem der Landkreis Emsland über die aufgenommenen Missstände informiert wurde, wurde der Betrieb überprüft und Mängel festgestellt, so Anja Rohde von der Pressestelle des Landkreises in einer Stellungnahme. Es sei eine tierärztliche Kontrolle verfügt worden, die wenig später auch belegt worden sein soll. "Die unverzügliche Reparatur defekter (abgestellter) Tränknippel einzelner Abteile und die Absonderung erkrankter und verletzter Tiere in geeignete Haltungseinrichtungen mit trockener und weicher Einstreu wurden angeordnet und inzwischen vom Betrieb umgesetzt", heißt es in der Stellungnahme. Der Betreiber solle nun ein Konzept "häufiger tierärztlicher Kontrollen und Sachkundeschulungen für verantwortliche Mitarbeiter im Betrieb hinsichtlich verbesserter tiergesundheitlicher Kontrollen und Maßnahmen" vorlegen. Der Mastbetrieb sei für unangekündigte Kontrollen vorgemerkt.

Schweinemastbetrieb soll Tönnies-Schlachterei beliefern

Laut Deutschem Tierschutzbüro werden in dem emsländischen Mastbetrieb rund 15.000 Schweine in drei Hallen gehalten. Pro Jahr komme der Betrieb so auf 45.000 Mästungen. Hauptabnehmer des Betriebs soll nach Recherchen des Tierrechtsvereins die Firma Tönnies sein..Erst im Juli hatte das Deutsche Tierschutzbüro bei einem anderen Tönnies-Zulieferer in Rheda-Wiedebrück ähnliche Missstände aufgedeckt. Vor dem Schlachtbetrieb in Sögel, bei dem Tönnies die Schweine aus dem Mastbetrieb schlachten lässt, findet heute (17. September) eine große Protestaktion von Tierschützern statt.