Thüringer für Gesundheitszentren

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3. Dezember 2019 - 16:40 Uhr

Nach Meinung der Thüringer sollte das Modell der Polikliniken für die ambulante medizinische Versorgung ein Comeback erleben. 99 Prozent der Menschen im Freistaat plädierten laut einer Studie für den Aufbau sogenannter Medizinischer Gesundheitszentren, die mit mehreren Fachärzten in einem Haus der Struktur von DDR-Polikliniken ähneln. Das geht aus dem am Dienstag in Erfurt von Wissenschaftlern der Jenaer Friedrich-Schiller-Universität vorgestellten Thüringen-Monitor hervor. 95 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass mobile Arztpraxen vom Staat gefördert werden sollen.

93 Prozent der Befragten sind für mehr Medizin-Studienplätze, 94 für eine bessere Bezahlung des Pflegepersonals, selbst wenn die Krankenkassenbeiträge dadurch steigen. 81 Prozent der Thüringer fänden es wichtig, dass Mediziner und Pflegepersonal im Ausland angeworben wird, sagte die Jenaer Professorin Marion Reiser, die mit einem Team die Studie erarbeitet hat.

Mit dem Thüringen-Monitor, einer soziologischen Langzeitstudie, werden seit dem Jahr 2000 jährlich Meinungen und politische Einstellungen der Thüringer im Auftrag der Landesregierung untersucht. Für die neue Studie wurden nach Angaben der Universität im Zeitraum zwischen Mai und Juli 2019 insgesamt 1100 Menschen befragt. Ein Themenschwerpunkt in diesem Jahr war Gesundheit und Pflege.

Die Befragung ergab, dass etwa 80 Prozent der Bürger mit der medizinischen Versorgung in Deutschland und Thüringen grundsätzlich zufrieden sind. Relativ gut bewertet worden seien die Versorgung mit Apotheken, mit Hausärzten, die Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses, aber auch die Versorgung mit ambulanten Pflegediensten.

Diese hohe Zufriedenheit sei angesichts der kritischen öffentlichen Diskussion über das Gesundheitssystem in Deutschland "in der Tat überraschend", sagte Reiser. Sehr unzufrieden mit dem Gesundheitssystem zeigten sich 7 Prozent der Befragten - alles Kassenpatienten. Aber auch chronisch Kranke und Arbeitslose äußerten sich unzufrieden. "Das ist wahrscheinlich oft mit anderen Benachteiligungsgefühlen verbunden", so die Wissenschaftlerin.

Allerdings bewerteten die Befragten Teilbereiche der Gesundheitsversorgung sehr differenziert. 48 Prozent der Befragten kritisierten eine mangelnde Versorgung mit Fachärzten, 29 die Versorgung mit Hebammen oder Geburtshäusern und 32 Prozent die mit Psychotherapeuten.

Als problematisch empfänden die Thüringer auch das lange Warten auf Termine sowie lange Wartezeiten in Arztpraxen. "Und die Menschen in ländlichen Gebieten sehen mehr Versorgungslücken als die in Städten", sagte Reiser. Allerdings sei diese unterschiedliche Bewertung nicht mehr so deutlich ausgefallen wie in vorangegangenen Studien.

Quelle: DPA