Thüringer Autobranche mit trüben Aussichten

Ein Mann steht vor einem Corona-Impfzentrum. Foto: Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild
Ein Mann steht vor einem Corona-Impfzentrum. Foto: Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild
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22. November 2021 - 15:12 Uhr

Hörselberg-Hainich (dpa/th) - Materialmangel, wegbrechende Aufträge und jetzt auch noch die vierte Corona-Welle: Die Thüringer Automobilbranche blickt skeptisch auf die kommenden Monate. Mehr als zwei Drittel der Firmen haben immer noch Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019, wie aus einer am Montag in Hörselberg-Hainich vorgestellten Umfrage des Branchennetzwerks Automotive Thüringen hervorgeht. Im Vergleich zu 2020 meldeten demnach rund 40 Prozent der Unternehmen rückläufige Umsätze und Beschäftigtenzahlen.

"Eine Rückkehr zur Normalität ist noch ein weiter Weg", sagte der Geschäftsführer des Verbands, Rico Chmelik. Für viele Thüringer Unternehmen stellen sich seiner Einschätzung nach in der kommenden Zeit auch wieder Fragen der Liquidität: "Wie lange können Unternehmen durchhalten ohne Umsatzgenerierung?". Einige Betriebe hätten deswegen schon wieder Kurzarbeit angemeldet. Ein breites Unternehmenssterben erwarte er zwar nicht. Es sei aber wichtig, bald wieder Planungssicherheit zu bekommen.

Die Ursachen für die Entwicklung lägen weiter in den Folgen der Corona-Pandemie, aber auch in unvorhersehbaren Reduzierungen der Abnahmezahlen bei den Kunden. Zudem fehlten nicht nur Halbleiter - "es fehlt an allem in der Zulieferindustrie". Dazu zählten etwa Elektronikteile, Aluminium, Stahl oder Verpackungen.

Viele Unternehmen seien zudem von den ab Mittwoch geltenden 3G-Regeln am Arbeitsplatz überrascht worden, sagte Verbandsvorstand Mathias Hasecke. Mitarbeiter zum Impfen zu bewegen sei "eine heiße Nummer". Nun müsse organisiert werden, wie ungeimpfte Mitarbeiter zu ihren Tests kommen, wenn etwa Apotheken erst um 8.00 Uhr morgens öffnen. "Das machts nicht einfach momentan. Und am Ende stehen wir dann da und können keine Produktion machen, weil die Leute fehlen - weil sie irgendwo zum Testen sind oder krankgeschrieben." Ob sich das alles einspiele, sei fraglich.

Hasecke sprach sich auch für eine Corona-Impfpflicht aus. "Also ich glaube schon, dass die Tendenz zur Impfpflicht kommt. Und ich würde es auch befürworten." Eine Impfpflicht bedeute Solidarität, bei der alle mitziehen müssten. "Und das wird uns auch weiterbringen. Aber nicht diskutieren. Diskutieren bringt uns nirgends weiter." Auch in der ehemaligen DDR habe es eine solche Pflicht gegeben und er könne nicht verstehen, weswegen jetzt alles in Frage gestellt werde.

Neben den akuten Krisen treibt auch der Umbau der Branche hin zur Elektromobilität die Thüringer Unternehmen um. Der Umfrage zufolge bezeichnet sich ein Drittel der Thüringer Firmen als stark abhängig vom Verbrennermotor. Mehr als die Hälfte sieht sich noch nicht ausreichend vorbereitet auf den Strukturwandel. Chmelik führte das vor allem auf Personalmangel zurück. Außerdem sei für viele Unternehmen nicht absehbar, wie sich die Anforderungen an die Arbeitsplätze weiter entwickeln.

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Quelle: DPA