15. November 2018 - 13:55 Uhr

"Die Krätze kriegen" will niemand

Es juckt tierisch, vor allem nachts, ständig wollen und müssen Betroffene sich kratzen: Die Krätze kriegen will niemand, doch die Zahl der Fälle ist in den letzten Jahren bundesweit gestiegen. Nun meldet das Gesundheitsamt von Schmalkalden in Thüringen einen Ausbruch der Krätze in Kitas und Schulen. Auch der Landkreis Fulda in Hessen berichtet von einer Häufung.

Schmalkalden: 120 Menschen in Behandlung – Verdreifachung in Hessen

Das Gesundheitsamt von Schmalkalden hat bislang von 120 Menschen Kenntnis, die sich wegen Krätze in Behandlung befinden. Allerdings seien "nicht alle Personen, die sich behandeln lassen, auch erkrankt", sagt Amtsarzt Waldemar Olk. "Einige lassen sich auch prophylaktisch behandeln. Wir empfehlen dies allerdings nur bei längerem Hautkontakt mit einem Erkrankten", so Olk.

Im Landkreis Fulda seien in diesem Jahr schon 80 Fälle der ansteckenden Hautkrankheit bekannt geworden, sagte eine Sprecherin. Das sei ein rapider Anstieg. Nach Angaben der Krankenkasse AOK hat sich die Zahl der Betroffenen in Hessen in fünf Jahren fast verdreifacht.

Krätze bundesweit auf dem Vormarsch

Skabies (Krätze)
Narben im Hüftbereich eines Mannes erinnern an eine Überstandene Skabies (Krätze) Erkrankung. Foto: Henning Kaiser/Archiv
© deutsche presse agentur

Im März vermeldete die Barmer-Ersatzkasse, dass die Verordnungszahl wichtiger Krätze-Medikamente zwischen den Jahren 2016 auf 2017 um 60 Prozent gestiegen ist. "Die Ärzte verschreiben wieder deutlich mehr Krätze-Medikamente, und zwar in allen Regionen Deutschlands. Ähnlich stark dürfte auch die Anzahl der Erkrankten gestiegen sein", so Utta Petzold, Dermatologin bei der Barmer.

In den sozialen Medien wird immer wieder vermutet, dass Geflüchtete Schuld am Anstieg der Krätze-Fälle trügen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist in einem Bericht zwar darauf hin, dass die Herkunftsländer oft ein erhöhtes Krätze-Aufkommen aufweisen. Dennoch sei das Risiko von Skabies-Ausbrüchen in Erstaufnahmeeinrichtungen und Sammelunterkünften gering, da Geflüchtete ein funktionierendes Immunsystem hätten und die Wahrscheinlichkeit von intensivem Hautkontakt außerhalb der Familien gering sei.

Was verursacht eine Infektion?

Die Krätze wird durch die Skabiesmilbe verursacht. Bei längerem direktem Hautkontakt kann die Milbe von einem Menschen zum anderen wandern. Orte, in denen viele Menschen dauerhaft zusammenkommen wie zum Beispiel Kitas, Schulen oder Obdachlosenheime begünstigen also eine Übertragung.

Symptome, so das RKI, treten allerdings erst nach vier bis sechs Wochen auf - als Reaktion des Immunsystems auf die abgelegten Eier und die Ausscheidungen der Milben. Krankheitszeichen sind: Brennen der Haut und Juckreiz, der besonders nachts stark ausgeprägt ist, stecknadelgroße Bläschen, gerötete Knötchen oder Pusteln. Skabies ist gut behandelbar, spezielle Cremes töten die Milben unter der Haut ab.

"Die Allgemeinheit muss sich keine Sorgen machen"

Sollten die Menschen in Deutschland nun besorgt sein wegen vermehrter Fälle von Krätze in Deutschland? "Die Allgemeinheit", sagt Allgemeinarzt Dr. Christoph Specht, "muss sich keine Sorgen machen." Kann der Einzelne denn eine Skabies-Erkrankung selbst erkennen? Das sei, gibt der Arzt zu bedenken, nicht so einfach, weil die Ausprägung der Erkrankung unterschiedlich sei.

"Durch das Kratzen gegen den Juckreiz können weitere Infektionen zum Gesamtbild hinzukommen", erklärt der Allgemeinmediziner. Er rät deswegen zum Arztbesuch, denn nur der kann die Lage zweifelsfrei einzuschätzen. Übertragen wird die Krätze nur bei längerem Hautkontakt, zum Beispiel bei gemeinsamem Schlafen in einem Bett, Kuscheln, Körperpflege und Liebkosen von Kleinkindern, Geschlechtsverkehr, Körperpflege von Kranken.

Mit mangelnder Hygiene hat eine Krätze-Infektion übrigens nur bedingt zu tun. Im Gegenteil: Übertriebene Haut-Hygiene kann auch dazu führen, dass die natürliche Hautbarriere durchlässiger wird.

Quellen: dpa / RTL