Streit wegen einer abgebrannten Gartenlaube

Rentner (78) muss für Mord an Nachbarn zehn Jahre ins Gefängnis

14. September 2019 - 8:50 Uhr

Pößneck: Nachbarschaftsstreit endet tödlich

Wer Tür an Tür wohnt, gerät auch mal aneinander. Doch in Pößneck in Thüringen eskalierte ein Nachbarschaftsstreit in ungewöhnlichem Ausmaß – und mit tödlichen Folgen. Ein 78-jähriger Rentner ersticht im Schlaf seinen Nachbarn, weil der seine Gartenlaube abgefackelt haben soll. Im Dorf solidarisieren sich einige Anwohner mit dem Mörder: Über 50 Menschen haben ein Gnadengesuch an das Gericht geschickt mit der Bitte um ein mildes Urteil. Das Landgericht Gera spricht den Mann wegen Mordes schuldig, er muss für zehn Jahre ins Gefängnis. Wie der Täter und die Tochter des Ermordeten auf das Urteil reagieren, zeigen wir im Video.

Einige Anwohner solidarisieren sich mit Täter

Seit Jahren soll das Opfer Siegfried G. seine Nachbarn systematisch angepöbelt und bedroht haben. Vor allem das Ehepaar Hermann und Christa A. fühlten sich von ihm angegriffen. "Da stand er unten mit einer Bierflasche. Als ich aus dem Fenster geguckt habe, sagte er: 'Tu deinen blöden Schädel rein, sonst hau ich dir die Bierflasche vor den Schädel.' Bei der Nachbarin hat er beim Kinderwagen zweimal die Reifen zerstochen. Er hat das ganze Haus tyrannisiert", beschreibt Christa A. die Situation.

In der Silvesternacht 2018/2019 brennt das Gartenhaus des Ehepaars – Hermann A. vermutet den ungeliebten Nachbarn dahinter. Im Februar eskaliert dann der Streit: Nachts bricht Hermann A. stark alkoholisiert in die Wohnung seines Nachbarn ein und ersticht den Mann im Schlaf. Dann wählt er den Notruf: Er berichtete, dass er gerade seinen Nachbarn abgestochen habe und die Rettungskräfte sich beeilen müssten, wenn sie ihn noch retten wollten. Einige Anwohner solidarisieren sich mit dem Täter: "Ich bin froh, für mich ist es eine Erleichterung", sagte einer der Anwohner.

Hermann A.: "Ich bin kein Mörder"

Bei der Tochter des Opfers entschuldigte sich Hermann A. vor Gericht. "Ich kann nachvollziehen, dass es verletzend war, was mein Vater getan hat. Das ist nicht in Ordnung, das macht man auch nicht. Aber die Begleitumstände drum herum, die sind menschlich verwerflich", sagte Tochter Tina G. gegenüber RTL. "Ich denke, dass in dem Wort Entschuldigung auch das Wort Schuld steckt. Und die wird nicht enden."

Hermann A. sieht sich aber nicht als Mörder. "Sicher bereue ich die Tat. Ist doch logisch. Ich bin ein normaler Mensch. Ich bin kein Mörder", erklärt er auf Nachfrage von RTL. Der Rentner will in Revision gehen. Bleibt es bei dem Urteil, würde er voraussichtlich erst mit 88 Jahren wieder aus dem Gefängnis kommen.