Thüringen beim Boostern in Spitzengruppe

Eine Ärztin impft einen Mann mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen Corona. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
Eine Ärztin impft einen Mann mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen Corona. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild
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25. November 2021 - 17:42 Uhr

Jena (dpa/th) - Während Thüringen bei den Erst- und Zweitimpfungen weiter hinter dem Bundesschnitt bleibt, nehmen die Boosterimpfungen immer mehr an Fahrt auf. Bis Donnerstag hat mehr als jeder zehnte Thüringer (10,1 Prozent) eine Auffrischungsimpfung erhalten, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Bessere Quoten hatten bundesweit nur Berlin, Bremen und das Saarland, wie aus einer Übersicht des Robert Kocht-Instituts hervorging. Im deutschlandweiten Schnitt lag der Anteil der Menschen mit Auffrischungsimpfung bei 8,8 Prozent.

Binnen eines Tages kamen in Thüringen knapp 15.000 Boosterimpfungen hinzu. Außerdem wurden 2900 Erst- und 1800 Zweitimpfungen registriert. Thüringen liegt mit einer Quote von 63,8 Prozent bei Erstimpfungen und 62,2 Prozent bei Zweitimpfungen jedoch bundesweit weiter in der Schlussgruppe.

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hält eine allgemeine Impfpflicht für unausweichlich. Die derzeitige Impflücke führe dazu, dass immer wieder neue Corona-Wellen mit Maßnahmen gebrochen werden müssten, damit das Gesundheitssystem nicht kollabiere, sagte sie am Donnerstag während des Thüringer Krankenhausforums. Die Ausgestaltung einer solchen Impfpflicht müsse breit diskutiert werden. Sie verwies zugleich darauf, dass in der derzeitigen Welle eine Impfpflicht keine akute Abhilfe schaffe.

In der letzten Zeit hatte vor allem das Interesse an Booster-Impfungen zugenommen. Mancherorts kam es zu Engpässen bei Impfterminen. Bei spontanen Impfaktionen bildeten sich lange Schlangen. Die Stadt Jena will deswegen ab kommender Woche mit einem neu eingerichteten kommunalen Impfzentrum am Ernst-Abbe-Campus Kapazitäten für täglich bis zu 800 Impfungen schaffen. Dort soll an sieben Tagen die Woche von 09.00 bis 19.00 Uhr ohne Termin geimpft werden.

Die Thüringer FDP-Gruppe im Landtag mahnte zudem einen weiteren Ausbau der Impf- und Testkapazitäten im Land an. "Wenn der Staat anordnet, dass die Menschen nur noch unter Einhaltung von 3G arbeiten gehen dürfen, dann hat er auch dafür Sorge zu tragen, dass ausreichend Test- und Impfstellen zur Verfügung stehen", sagte Gruppensprecher Thomas Kemmerich. Dass sich vor den Impfstellen bis zu 500 Meter lange Schlangen bildeten, zeuge nicht nur von der hohen Impfbereitschaft. "Das ist zugleich eine schallende Ohrfeige für das Krisenmanagement der Minderheitsregierung."

Am Samstag können sich Interessierte bei allen Impfstellen des Landes von 7.30 Uhr bis 13.30 Uhr ohne Termin impfen lassen. Allerdings wird dafür wegen zurückgefahrener Lieferungen vom Bund nicht der Impfstoff von Biontech gespritzt werden können, der auch für Unter-30-Jährige empfohlen ist. Stattdessen werden die Präparate von Moderna und Johnson & Johnson verabreicht. Werner machte darauf aufmerksam, dass Moderna auf demselben Verfahren wie Biontech beruhe und beide Wirkstoffe daher vergleichbar seien.

Für Kinder ab fünf Jahre soll zudem ab 20. Dezember Impfstoff im Freistaat verfügbar sein. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte am Donnerstag grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer für Kinder ab fünf Jahre gegeben. Es wird der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahre zugelassen wird. Offiziell muss die EU-Kommission nun noch zustimmen - das aber gilt als Formsache. Bislang ist dieser Impfstoff in der EU ab 12 Jahren zugelassen.

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Quelle: DPA