Herbstferien stehen vor der Tür

Nach Thomas-Cook-Pleite: Was wird aus meinem geplanten Urlaub?

Auch Thomas Cook Deutschland ist pleite. Was bedeutet das für Urlauber?
© dpa, Patrick Pleul, ppl cul tmk lof htf wst lof fgj

29. September 2019 - 8:12 Uhr

Was passiert mit Reisen bei Neckermann, Öger Tours & Co.?

Thomas Cook ist pleite! Das hat der britische Reisekonzern am Montagmorgen bekannt gegeben. Alle Flüge sind gestrichen. Hunderttausende Urlauber, die gerade noch im Ausland sind, werden nun zurückgeholt. Doch was passiert mit bereits gebuchten Urlauben mit Thomas-Cook-Tochtergesellschaften wie Neckermann, Öger Tours & Co.? Ist der Urlaub vieler Deutscher in den anstehenden Herbstferien nun gefährdet?

Staat will Überbrückungskredit für Condor zahlen

Die Thomas-Cook-Tochter Condor hält ihren Flugbetrieb aufrecht. Das teilte die deutsche Fluggesellschaft unmittelbar nach Bekanntgabe der Pleite mit. "Ich kann sagen, dass der Flugbetrieb regulär weitergeführt wird. Wir setzen alles daran, dass das auch in den kommenden Tagen so sein wird", sagte Condor-Sprecher Johannes Winter im RTL-Interview.

Allerdings mit einer Einschränkung: Condor darf aus rechtlichen Gründen keine Fluggäste mehr zu ihrem Urlaubsziel bringen, die bei den zum deutschen Thomas-Cook-Konzern gehörenden Veranstaltern Neckermann, Öger Tours, Air Martin und Bucher Reisen gebucht haben. Rückflüge sind davon nicht betroffen.

Um die deutsche Airline aus Oberursel bei Frankfurt zu retten, wollen die Bundesregierung und die hessische Landesregierung Condor nun mit einem Überbrückungskredit von rund 380 Millionen Euro helfen, wie Wirtschaftsminister Altmaier am Dienstagabend bekannt gab. Die Fluggesellschaft hat das Angebot angenommen. Mit Condor seien derzeit 240.000 Reisende aus Deutschland an ihren Urlaubsorten, sagte Altmaier. Diesen könne es ermöglicht werden, zu "annehmbaren Konditionen" zurückzukehren.

Nicht betroffene Veranstalter

Kunden, die eine Reise bei folgenden Veranstaltern gebucht haben, sind nicht von den Insolvenzanträgen betroffen:

  • Dertouristik Gruppe (Dertour/ITS/Meiers/JAHN)
  • FTI-Gruppe (5vor Flug/BigXTRA/FTI)
  • Schauinsland Reisen
  • TUI-Gruppe
  • LMX Reisen
  • VTOURS
  • AMEROPA
  • Alltours (inkl Byebye)
  • ETI Reisen
  • L'TUR
  • TROPO
  • OLIMAR
  • HLX
  • TOUR VITAL
  • Centerparcs
  • Kiwitours
  • Aldiana

Was passiert mit meiner Thomas-Cook-Reise?

Seit Mittwochvormittag steht fest: Auch die deutsche Thomas Cook ist pleite. Wie Thomas Cook auf seiner Homepage mitteilt, sind hiervon sind die Veranstaltermarken Thomas Cook Signature, Thomas Cook Signature Finest Selection, Neckermann Reisen, Öger Tours, Bucher Reisen und Air Marin betroffen.

Was mit einer gebuchten Reise passiert, hängt laut Thomas Cook vom Zeitpunkt des Urlaubs ab. Wie das Unternehmen auf seiner Homepage mitteilte, ist der Stichtag der 31. Oktober 2019. Weitere Informationen finden Sie hier.

Bekomme ich bei einer Pauschalreise mein Geld zurück?

Wer eine Pauschalreise gebucht hat, muss zunächst keine finanziellen Einbußen befürchten: "Der Reisepreis von Pauschalreisen ist abgesichert über die Insolvenzversicherung, die jeder Reiseveranstalter haben muss", erklärt Holger Hopperdietzel, Rechtsanwalt für Reiserecht. Diese ist über den sogenannten Sicherungsschein belegt, der Urlaubern bei Buchung einer Reise ausgehändigt wird. Fällt die Reise aus, bekommen Urlauber also grundsätzlich ihr Geld zurück.

Wie Thomas Cook bekannt gab, kümmert sich der Insolvenzversicherer Zurich um betroffene Pauschalreisende. Betroffene Kunden können sich für Informationen zum weiteren Vorgehen an den von der Zurich Insurance plc Niederlassung für Deutschland beauftragten Dienstleister KAERA AG, www.kaera-ag.de wenden.

Die gesetzliche Haftung für Pauschalreisende ist allerdings auf 110 Millionen Euro beschränkt. Die Verbraucherzentrale Bundesverband bezweifelt, dass diese für alle betroffenen Urlauber ausreicht. Hochrechnungen des Verbands unabhängiger selbst­ständiger Reisebüros (VUSR) zufolge wären vermutlich 300 bis 400 Millionen Euro nötig.

Nach Informationen der "Rheinischen Post" können die 97.000 Urlauber, die derzeit im Ausland sind, ihren Urlaub wie geplant zu Ende bringen, da der Versicherer für Hotel und Rückreise aufkommt.

Wie sieht es bei Flügen und Städtereisen aus?

Bei Touristen, die keine Pauschalreise gebucht haben, sondern nur einen Flug oder eine Städtereise, sieht es hingegen schlechter aus: "Hier bestand keine Verpflichtung des Veranstalters, einen Sicherungsschein herauszugeben, also den Reisepreis gegen die Insolvenz abzusichern", so Hopperdietzel weiter.

Bei Fragen sollten Urlauber zunächst ihren Reiseveranstalter kontaktieren und sich darüber informieren, was mit ihrer Reise passiert. Vorkehrungen zu treffen sei jetzt ohnehin nicht mehr möglich, erklärt Hopperdietzel. Man müsse abwarten, wie sich die Situation weiter entwickle.

Betroffene können die Kosten beim Anbieter anmelden, werden aber wahrscheinlich höchstens einen Bruchteil erstattet bekommen. Die Reiserücktritt- oder Reiseabbruchversicherungen haften in solchen Fällen in der Regel nicht.

Kann ich selbst umbuchen?

Grundsätzlich gilt: Vorschnell handeln sollten Pauschalurlauber besser nicht. Wer schon im Urlaub ist, sollte sich erst einmal an seine Reiseleitung wenden. Einen anderen Flug oder eine Ersatzunterkunft auf eigene Faust zu buchen, ist nicht ratsam. Denn in dem Fall würde der Reisende auf den Kosten sitzen bleiben.

Wo finde ich Hilfe am Flughafen?

Urlauber, die bereits am Flughafen sind, können sich an den Informationsschalter des Flughafens wenden. Oder sich am Thomas-Cook-Counter informieren, vorausgesetzt er ist besetzt.