Türkei regiert vorbildlich

Thomas-Cook-Pleite: Müssen Urlauber für ihr Hotel doppelt bezahlen?

24. September 2019 - 12:26 Uhr

Chaos nach Thomas-Cook-Pleite

Nach der Megapleite von Thomas Cook herrscht vor allem in den südlichen Urlaubsländern Europas totales Chaos. Auf Mallorca wurden Urlauber bereits aufgefordert, für ihren bereits bezahlten Urlaub nochmal die Hotelkosten zu begleichen. Aber dürfen die Hotelbetreiber das überhaupt?

Zusätzliche Hotelkosten sind über Versicherung abgedeckt

Vorweg: Die Lage vor Ort ist nicht nur chaotisch, sondern auch rechtlich kompliziert. Denn hat der Hotelbetreiber noch kein Geld von Thomas Cook erhalten, muss er nach der Insolvenz davon ausgehen, auch kein Geld mehr zu bekommen. Die Touristen, die über Thomas Cook gebucht und ihr Geld bereits überwiesen haben, waren bislang im guten Glauben, dass das Unternehmen den Urlaub zuverlässig organisiert.

Vertragspartner für Urlauber und Hotelier ist in den aktuellen Fällen der Reiseveranstalter Thomas Cook. Hat der kein Geld mehr in der Kasse, ist das für beide Parteien ein Riesenproblem.

Glück für Pauschal-Reisende

Für Pauschalreisende gibt es für solche Fälle zum Glück einen Joker: Jeder Reiseveranstalter ist gesetzlich verpflichtet, eine Insolvenzabsicherung abzuschließen. Diese muss er gegenüber dem Kunden über den Sicherungsschein nachweisen.

"Ist der Reiseveranstalter insolvent, sollte man die Versicherung kontaktieren", sagt Reiserechtler Paul Degott. Denn die Versicherung ist verpflichtet, sämtliche Zahlungen des Reisenden zu bezahlen. Um nicht auf den zusätzlichen Kosten sitzen zu bleiben, sollte die Versicherung grünes Licht geben und eine Kostenübernahme zusichern.

Muss der Reisende am Urlaubsort das Hotel noch einmal bezahlen, um den Rückflug antreten zu können, fallen auch diese Kosten unter die Erstattungspflicht des Versicherers, so die Verbraucherzentrale.

Die Situation in Spanien, Griechenland, Türkei und Tunesien

Türkei

Nach der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook hat das türkische Tourismusministerium ein Unterstützungspaket für betroffene heimische Unternehmen in Aussicht gestellt. Hotels dürften keine Zahlungen von Gästen verlangen oder sie dazu auffordern, ihre Zimmer zu räumen, sonst drohten ihnen gerichtliche Konsequenzen.

Griechenland

In Griechenland laufen Maßnahmen, um vor allem die britischen Urlauber zurück in die Heimat zu bringen. Auf Kreta, wo sich fast die Hälfte der betroffenen Touristen aufhält, wurden Hoteliers informiert, dass die Kunden zu den geplanten Zeiten abfliegen würden. Es sei nicht nötig, dass sich die Menschen panisch zu den Flughäfen aufmachten, sagte Tourismusminister Charis Theocharis dem griechischen Fernsehsender Skai. Stattdessen sollen die Rückflüge zu den gleichen Zeitpunkten stattfinden wie ursprünglich geplant.

Spanien

Das Aus von Thomas Cook trifft in Spanien vor allem die Kanaren, die Balearen und Andalusien. Allein auf den Kanaren machten die Thomas-Cook-Kunden 20 Prozent aller ausländischen Besucher aus. Auf Mallorca wurden deutsche Urlauber aufgefordert, ihre bereits bezahlten Rechnungen noch einmal zu bezahlen.

Tunesien

Aus Tunesien gab es Meldungen, dass britische Touristen wie Geiseln in den Hotels festgehalten und gezwungen wurden, die Hotelrechung zu bezahlen, die ihnen eigentlich Thomas Cook schulde.