2018 M12 10 - 23:51 Uhr

May hat Angst vor Niederlage

Die Zeichen standen auf Sturm: Theresa May drohte eine krachende Niederlage für den von ihr ausgehandelten Brexit-Deal. Eigentlich sollte am Dienstagabend über das Abkommen abgestimmt werden. Immer mehr Politiker kündigten aber Widerstand an. Jetzt hat die Premierministerin den Termin verschoben. Das Ziel: Nachverhandlungen mit der Europäischen Union.

EU nicht bereit für neue Verhandlung

Das Chaos rund um den Ausstieg von Großbritannien aus der EU wird dabei immer größer. Weniger als vier Monate vor dem Brexit wird nun die wichtige Abstimmung im britischen Unterhaus verschoben. Grund ist der Streit um den sogenannten Backstop. "Als Resultat würde der Deal mit großem Abstand abgelehnt werden, wenn wir morgen fortfahren und die Abstimmung abhalten würden", sagte May.

Der Backstop soll Grenzkontrollen zwischen EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland verhindern. May will nun nachverhandeln. Von der EU kommt aber eine Absage. "Dieser Deal ist der beste Deal und der einzige mögliche Deal", sagt eine Kommissionssprecherin in Brüssel.

EU-Sondergipfel am Donnerstag

EU-Präsident Donald Tusk berief am Montag gleich einen Brexit-Sondergipfel für Donnerstag ein. Dieser soll am Rande des regulären Treffens der Staats- und Regierungschefs in Brüssel stattfinden. Er machte zugleich noch einmal deutlich, dass es keine Nachverhandlungen geben wird.

Allerdings sei die EU bereit darüber zu reden, "wie die britische Zustimmung erleichtert werden kann". Auf Twitter gab er außerdem bekannt, dass sich die Europäische Gemeinschaft auf einen britischen EU-Ausstieg ohne Abkommen vorbereiten werde.

"Erbärmliche Feigheit"

Während einige glücklich über Nachverhandlungen wären, gibt es auch laute Kritik: Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hält nichts davon, die Abstimmung zu verschieben. Sie bezeichnet das Vorgehen als "erbärmliche Feigheit".

Theresa May steht dabei mit dem Rücken zur Wand. Die Europäische Union will nicht neu verhandeln. Jetzt wird über ihre Zukunft und erneut über ein zweites Brexit-Referendum spekuliert.