Therapie 2.0: App für manisch-depressive Patienten soll Leben retten

© dpa, Sebastian Kahnert

22. April 2015 - 13:38 Uhr

Von Johanna Meier

800.000 Menschen in Deutschland sind manisch-depressiv, so die Angaben der 'Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen'. Gekennzeichnet ist eine sogenannte bipolare Störung durch extreme Stimmungsschwankungen, die im Extremfall zum Selbstmord führen können. Mediziner wollen Betroffenen nun mit einer App helfen, die seit einigen Wochen in einem Pilotprojekt an der Uniklinik Dresden mit 40 Teilnehmern getestet wird.

Über die App stehen die Ärzte in engem Austausch mit ihren Patienten. "Sie misst kontinuierlich, in Echtzeit, live, potentielle Frühwarnzeichen depressiver beziehungsweise manischer Episoden", erklärt der Projektleiter Dr. Emanuel Severus.

Dabei erfasst das Programm Dauer und Anzahl von Telefongesprächen, Länge und Anzahl von SMS sowie das Bewegungsverhalten über GPS. Das Schlafverhalten wird über Lichtsensoren dokumentiert. Die psychisch Kranken sollen sich außerdem jeden Abend selbst einschätzen. "Hierbei beurteilen die Patienten ihr eigenes Befinden auf einer visuellen Skala zwischen 'schwer depressiv' über 'ausgeglichen' bis 'sehr manisch'."

Projekt als Grundstein für maßgeschneiderte Behandlungen

Mit Hilfe dieser Daten können die Ärzte früh erkennen, wenn sich ein Patient in einer 'kritischen' Phase befindet. Diese äußert sich durch eine extrem erhöhte Aktivität. Die Betroffenen sind ständig unterwegs und verschicken dann "auch mal 500 SMS am Tag", erläutert Michael Bauer, der Direktor der Dresdner Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Per Smartphone finde somit nicht nur die Früherkennung statt, auch der Kontakt zum Patienten kann schneller aufgenommen und intensiviert werden.

Projektleiter Dr. Severus betont, dass datenschutzrelevante Anforderungen bei der Speicherung und Übertragung umfänglich berücksichtigt werden. Die anfallenden Daten würden auf einen speziell gesicherten Server in regelmäßigen Zeitabständen gesichert übertragen. "Wichtig hierbei ist, dass in keiner Form der Inhalt der Telefonate oder SMS erfasst wird."

Nach der zweimonatigen Testphase der App beginnt die Studie mit rund 120 Teilnehmern. Sollte sich das Programm als erfolgreich herausstellen, könnte in Zukunft für jeden Patienten ein maßgeschneidertes Monitoring stattfinden. Severus sieht die Vorteile in einer "unmittelbaren Rückmeldungen des Systems an Patient", wenn die Parameter Alarm schlagen. "Somit könnte die Behandlung dann wesentlich flexibler gestaltet werden, teilweise vergleichbar mit einer modernen Diabetestherapie."