„Hart aber fair“ zur Grundrente

Putzfrau redet Klartext

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12. Februar 2019 - 12:24 Uhr

Sie müssen Plastikflaschen aus Mülleimern fischen

Statt eines erholsamen Spaziergangs am Nachmittag, steht für sie Pfandflaschen-Sammeln an der Tagesordnung. Die Rede ist von Deutschlands Rentnern. Auch Susanne Holtkotte wird in Zukunft dazugehören. Bei "Hart aber fair" macht die Reinigungskraft ihrem Ärger Luft.

Als Putzfrau kann man nicht viel reißen

"Ich verdiene 1100 Euro netto: Jeder normale Mensch weiß, dass man mit dem Geld nicht viel reißen kann", sagt Holtkotte, der bei gleichbleibendem Einkommen am Ende ihres Arbeitslebens gerade einmal 715 Euro zur Verfügung stünden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil pflichtet ihr bei. Er sehe es als ein Kernversprechen des Sozialstaates, dass man am Ende seines Lebens von der Rente leben kann. Er fordert eine Grundrente für Deutschland. Sollte Heils Vorschlag zum Gesetz werden, bekäme Reinigungskraft Susanne Holtkotte auf einen Schlag 287 Euro mehr im Monat. Ein Haufen Geld für jemanden, der am Existenzminimum leben muss.

Auch Magda Kunkel ist eine Betroffene. Sie muss mit noch weniger Geld auskommen. Wie die Rentnerin ein Leben mit nur 660 Euro im Monat führt, sehen Sie im Video.

Wie ernst meint es der Arbeitsminister?

In der Diskussionsrunde erntet Heil aber nicht nur Zuspruch. Johannes Vogel, Rentensprecher der FDP, verurteilt dessen Forderung als "unfair". "Weil er außer Acht lässt, wieviel man in die Kasse eingezahlt hat. Das ist nicht mein Verständnis von Leistungsgesellschaft", sagte er. Auch "Cicero"-Chef Christoph Schwennicke hatte Zweifel. Er warf Heil Interessenswahlkampf vor und dass ihn das Schicksal der Rentner im Grunde genommen nicht interessiere.

Während Vogel, Heil und Schwennicke lautstark über das Thema Rente diskutierten, setzte die Kritik, die Verena Bentele anbrachte, weit davor an. Die Vizepräsidentin des Sozialverbands VdK sieht das Problem in zu geringen Löhnen. "Wenn wir unseren Arbeitnehmern ordentliche Löhne zahlen würden, also deutlich mehr als zwölf Euro die Stunde, dann müssten wir jetzt nicht über etwas wie die Grundrente reden", warf sie ein.

Die wichtigsten Aussagen im Überblick

Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister: "Ein Kernversprechen des Sozialstaats ist, dass man am Ende seines Arbeitslebens von der Rente leben kann. Und dafür will ich sorgen."

Susanne Holtkotte, Reinigungskraft im Krankenhaus, redet Klartext: "Wenn jemand 40 Jahre malocht hat und es dabei geschafft hat, 30.000 Euro anzusparen, dann müssen die unantastbar sein."

Verena Bentele, Vizepräsidentin des Sozialverbands VdK: "Wenn wir unseren Arbeitnehmern ordentliche Löhne zahlen würden, also deutlich mehr als zwölf Euro die Stunde, dann müssten wir jetzt nicht über etwas wie die Grundrente reden, sondern über die Sanierung von maroden Schulen."

Johannes Vogel, Rentensprecher der FDP: "Herr Heils Vorschlag ist unfair, weil er außer Acht lässt, wieviel man in die Kasse eingezahlt hat. Das ist nicht mein Verständnis von Leistungsgesellschaft."

Christoph Schwennicke, "Cicero"-Chefredakteur: "Das Geld, das Herr Heil ausgeben möchte, ist im Moment gar nicht da."

Hat die Grundrente eine Chance in Deutschland?

Geredet wurde tatsächlich viel an diesem Abend, und zumindest auf eine Richtung konnten sich alle Talkgäste einigen: Wenn Rentner leiden, hat die Politik versagt. Die Frage ist nur, ob die Grundrente tatsächlich vom Vorschlag zum Gesetz wird. Fakt ist: 61 Prozent der Deutschen wünschen sich eine Grundrente. Ein Blick in die Vergangenheit stimmt aber pessimistisch: Schon mal etwas von Zuschussrente, Lebensleistungsrente oder solidarischer Lebensleistungsrente gehört? Alles Konzepte ähnlich der Grundrente, die seit 2011 in der Regierung diskutiert wurden - und die alle irgendwann in der Versenkung verschwunden sind.