Nach "Black lives Matter"-Protesten

The North Face, Ben & Jerry's und Co.: Unternehmen stoppen Werbung auf Facebook und Instagram

Mark Zuckerberg
© dpa, Peter Dasilva

24. Juni 2020 - 12:56 Uhr

US-Unternehmen wollen Facebook an den Kragen

"Stop hate for profit" – stoppt Hass für Profit: Das ist die Botschaft einer aktuellen Protestaktion gegen Facebook. Mit dabei sind Unternehmen wie die Outdoormarken The North Face und Patagonia oder auch der Eishersteller Ben und Jerry's. Aus Protest gegen Facebooks Umgang mit Hasskommentaren kündigten die Firmen an, keine bezahlte Werbung mehr bei dem Sozialen Netzwerk zu schalten – und das könnte die Firma von Mark Zuckerberg an einer empfindlichen Stelle treffen.

Vorwurf: zu lascher Umgang mit Hasskommentaren im Netz

Seit Jahren wird Facebook vorgeworfen zu nachlässig mit rassistischen, hetzerischen und manipulativen Inhalten umzugehen. Angesichts der US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt ist diese Kritik erneut entfacht: Als erstes größeres Unternehmen hat sich die Outdoor-Modefirma The North Face einer Boykottaktion von US-Bürgerrechtsorganisationen angeschlossen. Konkurrent Patagonia zog wenig später nach.

"Patagonia ist stolz, sich der Initiative Stop Hate for Profit anzuschließen", teilte das US-Unternehmen mit. "Wir werden mit sofortiger Wirkung sämtliche Werbung bei Facebook und Instagram streichen." Facebook habe es versäumt, gegen die Ausbreitung von "hasserfüllten Lügen und gefährlicher Propaganda" vorzugehen.

Auch der US-Eiscremehersteller Ben & Jerry's will aus Protest vorerst keine Werbung mehr bei dem Online-Netzwerk schalten. Facebook müsse mehr tun, um die Nutzung seiner Plattform zur Spaltung Amerikas zu verhindern, forderte das Unternehmen. Damit soll Facebook an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - der Konzern macht fast seinen gesamten Umsatz mit Werbeerlösen.

Ob weitere große Unternehmen nachziehen, ist fraglich. Die Outdoormarke Patagonia aus Kalifornien hat sich schon vor Jahren einen hohen Sozialstandard, gerechte Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit zur Geschäftsphilosophie gemacht. Auch Ben & Jerry's gilt seit Jahren als Verfechter der Anti-Diskriminierungsbewegung.

Im Fokus: Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Zuletzt stand vor allem Facebook-Chef Mark Zuckerberg in keinem guten Licht da. Der Konzernchef vertrat in einer Debatte um umstrittene Aussagen von US-Präsident Donald Trump den Standpunkt, dass Trumps Ansichten von der Redefreiheit gedeckt seien und Facebook nicht einschreiten müsse. Dafür musste sich Zuckerberg sogar vor seinen eigenen Mitarbeitern rechtfertigen, die lautstark ihr Entsetzen äußerten.

Das scheint Wirkung gehabt zu haben: Zuletzt hat der Konzern seine Maßnahmen gegen die Verbreitung von Hassbotschaften verschärft. Mitte Juni entfernte Facebook daraufhin eine Anzeige des Wahlkampfteams von Donald Trump, weil diese Nazi-Symbolik verwendet haben soll.