The Following: Hauptdarsteller Kevin Bacon im Interview

Hollywood-Star und Golden Globe-Gewinner Kevin Bacon spielt Ryan Hardy in "The Following".
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04. September 2013 - 11:34 Uhr

Der Hollywood-Schauspieler über seine neue Herausforderung

Sie wollten schon seit längerem etwas fürs Fernsehen machen?

Kevin Bacon: Seit rund drei Jahren habe ich mich umgesehen und auch selbst Ideen entwickelt.

Warum?

Kevin Bacon: Weil sich meine Einstellung zu den Stoffen komplett geändert hat. Am Anfang meiner Karriere habe ich ja in Soaps mitgespielt und danach wollte ich nie wieder etwas damit zu tun haben. Aber in letzter Zeit saß ich dann ständig vor dem Fernseher und war fasziniert von dem Gedanken, wieder dorthin zurückzukehren. Die ersten dieser neuen Serien waren "Six Feet Under", "The Wire" und "The Sopranos". Plötzlich sprach man im Freundeskreis über "Dexter", "Breaking Bad", "Homeland" oder "The Killing". Sie sind ein spannender Teil des kulturellen Lebens geworden. Trotzdem fiel es mir zunächst nicht leicht, den Schritt zu machen und nach geeigneten Drehbüchern Ausschau zu halten. Denn ich hatte mir früher ja geschworen, nie wieder für das Fernsehen zu arbeiten. Hinzu kommt der Aspekt, dass heute bekanntermaßen immer weniger Kinofilme gedreht werden. Die Studios produzieren gerade mal vier oder fünf Filme mit Riesenbudgets von 200 Millionen Dollar pro Jahr. Da gibt es nicht viele Rollen zu verteilen. Auch das war ein Grund, warum ich die Rolle angenommen habe.

Von Ihrem Entschluss, den Schritt zurück ins Fernsehen zu wagen, bis zur ersten Rolle sind ja einige Jahre vergangen. Was hat Sie an den ersten Projekten gestört und warum haben Sie bei dieser Serie schließlich zugesagt?

Kevin Bacon: Es gab zwei Serien, an deren Entwicklung ich mitgewirkt habe. Dazu hat man mir noch ein weiteres Drehbuch vorgelegt. Aber das war alles noch nicht ausgereift. Bei anderen, die mir gefielen, wechselten dann plötzlich die Rechteinhaber, so dass auch daraus nichts wurde. Ich habe unzählige gute Drehbücher für Serien und Pilotfilme gelesen, zu denen es aber keine konkreten Rollenangebote gab. Manchmal waren supercoole 43-Minüter dabei, bei denen ich mir dann aber wiederum nicht vorstellen konnte, wie daraus eine ganze Serie werden oder wie die Rolle über einen längeren Zeitraum zu meinem Leben gehören sollte. Bei so einem längerfristigen Engagement muss man sich schon genau überlegen, worauf man sich einlässt.

Nur eines war mir klar: Ich wollte nicht den Schurken spielen, denn Schurkenrollen gibt es für mich im Kinofilm genug. Das wäre zu…

...einfach.

Kevin Bacon: Ja, genau. Damit will ich nicht sagen, dass die Arbeit an sich unbedingt einfach ist. Es kommt immer auf die Rolle an. Ich hatte bislang nur viel mehr Angebote für Schurkenrollen.

Ich suchte nach einem Helden, der gebrochen, verletzlich, komplex und vielschichtig ist. Dann fand ich diesen vermurksten Typen, der aber immerhin auf der guten Seite steht.

"Ich habe keine Ahnung, wie die Serie ist"

Der Produzent Kevin Williamson sagte eben, dass ein Unterschied zwischen Kinofilm und TV-Serie für Sie darin bestünde, dass man beim Fernsehen weniger Vorbereitungszeit hat.

Kevin Bacon: Das stimmt.

Haben Sie sich inzwischen darauf eingestellt oder ist das etwas, was Ihnen Unbehagen bereitet?

Kevin Bacon: Ganz habe ich mich noch nicht daran gewöhnt. Mit dem Pilotfilm habe ich mich Monate auseinandergesetzt. Ich habe mir viele Gedanken gemacht, dies und jenes ausgearbeitet und Entscheidungen getroffen. Nachdem der Pilotfilm und die erste Folge abgedreht waren, ging es dann richtig rund. Von da an bekamen wir die Drehbücher immer kurzfristiger, so etwa zwei Tage vor Drehbeginn für die nächste Folge. Manchmal kommen die Seiten erst, wenn man schon mitten in der Arbeit steckt. Tja, daran musste ich mich erst gewöhnen und das hat mich ehrlich gesagt ganz schön vom Stuhl gehauen.

Da Sie jetzt wissen, wie die Serie ist und welche Erwartungen an "The Following" gestellt werden, welche Bedeutung wird sie Ihrer Meinung nach für Ihre Karriere haben?

Kevin Bacon: Ich habe keine Ahnung, wie die Serie ist.

Aber Sie kennen die Story.

Kevin Bacon: Ja, ich kenne die Story, aber ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Wenn man mitten drin steckt, ist es schwierig, das gesamte Projekt zu überblicken und zu bewerten. Das kommt erst Jahre später. Dann hält man irgendwann inne und blickt zurück. Mir geht es jedenfalls so. Ich versuche immer, im Hier und Jetzt zu leben. Mir fällt es schwer, soweit nach vorne zu schauen, weil es mich überfordert. Man weiß nie, wo einen der Weg hinführt. Der Begriff Karriereplanung ist doch schon ein Widerspruch an sich. Ich gehöre nicht zu denen, die dies und jenes planen und bewusste Entscheidungen für die Karriere treffen. Alles passiert einfach so unmittelbar, dass ich gar nicht richtig darüber nachdenke.