Frontmann Rodney Orpheus im Interview

The Cassandra Complex setzen mit „The Crown Lies Heavy On The King" ein starkes politisches Statement

Rodney Orpheus
© Xavier Marquis

26. Oktober 2020 - 13:53 Uhr

Ein Aufruf gegen Unterdrückung

Von Mirjam Wilhelm

Nach zehn Jahren meldet sich die Goth-Electro-Industrial-Cyberpunk-Band The Cassandra Complex mit neuer Musik zurück. Und mit ihrer ersten Single "The Crown Lies Heavy On The King" aus dem kommenden Album "No Gods, No Masters" setzt die Band um Frontmann Rodney Orpheus direkt ein starkes Zeichen: Der neue Song behandelt ein brandaktuelles Thema. "The Crown Lies Heavy On The King" ist ein hochpolitischer Song, passend zum Jahr 2020, angeheizt durch eine tiefe Wut auf spezielle Regimes und ein Aufruf gegen Unterdrückung.

Ruhiger werden? Auf keinen Fall!

"Als wir den immer weiter steigenden Aufstieg dieser rechten Demagogen wie Trump, Johnson, Bolsonaro etc. gesehen haben, wollten wir unbedingt einen Song schreiben, der ein großes 'F... You' in deren Richtung ist", erklärt Rodney Orpheus. "Wir wollten keinen Song, in dem wir nur herumnörgeln, und wir wollten diese Themen auf gar keinen Fall ignorieren." Die Single kommt jetzt passend kurz vor den Wahlen in den USA. "Wir wollen diejenigen unterstützen, die auf die Straße gehen und wählen, um diesen Möchtegern-Despoten abzusetzen." Wann war der Moment da, an dem die Band wusste: Jetzt wollen wir nicht mehr ruhig sein, jetzt müssen wir aufstehen und unsere Meinung sagen? "Wir haben mit The Cassandra Complex schon immer politische Songs geschrieben", erzählt Rodney Orpheus im Interview mit RTL. "Und auch, wenn wir immer zu hören bekamen, wir würden mit den Jahren ruhiger werden – das ist definitiv nicht so! Ich denke, das neue Album wird diese Theorie zerschlagen. Gerade jetzt haben wir gesagt, es ist wichtig, mit Musik etwas auszudrücken."

Der Songtext bezieht sich aber nicht nur auf politische Themen und Personen, sondern mit "Crown" – also Krone –spielt die Band auch auf "Corona" an. Eine andere "Krone", aber auch ein hochbrisantes Thema. Hier ist Kritik an dem Umgang einiger Politiker mit der Pandemie zu hören.

Die Band nahm die Musik in drei getrennten Studios auf

Nachdem sich Rodney Orpheus in den vergangenen Jahren um seine Soloprojekte gekümmert hat, gibt es jetzt zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder neue Musik von The Cassandra Complex. Wie fühlt sich das an? "Ja, das ist irgendwie eigenartig", beschreibt es Rodney. "Wir haben monatelang daran gearbeitet, und man will es immer noch besser machen, noch mehr daran feilen...aber dann haben wir letztendlich gesagt: Jetzt wird der Song veröffentlicht. Ich habe die letzte Woche vielleicht drei oder vier Stunden pro Nacht geschlafen, aber jetzt ist er da!" Nachdem die Band auch immer wieder zusammen live aufgetreten war, sei es auf jeden Fall wieder Zeit, gemeinsam neue Musik herauszubringen, so Rodney weiter. Der Moment war nun auch absolut passend und reif dafür. Allerdings fiel die Entscheidung, 2020 neue Musik herauszubringen, noch vor dem Lockdown.Und dann wurden mit der Pandemie alle Pläne erstmal durcheinandergewirbelt.

Da die vier Bandmitglieder von The Cassandra Complex sowohl in Deutschland als auch England leben, war es während er Corona-Krise nicht möglich, gemeinsam im Studio zu stehen. Und so kam es, dass Volker Zacharias (Gitarre, Bassgitarre, Keyboards) und Axel Ermes (Keyboards), die beide in Hamburg leben, ihre Parts in Axels Studio einspielten. Andy Booth (Gitarre, Keyboards) nahm seinen Teil in Manchester auf, und Rodney Orpheus (Gesang, Synthesizer, Drum Machines) war in seinem Studio in London dabei. Die drei Studios waren online für Videochats und Aufnahmen verbunden, so dass die Band gleichzeitig arbeiten konnte. Hatte das Einfluss auf den kreativen Prozess? "Nein", erzählt Rodney Orpheus. "Eigentlich war es gar nicht so viel anders wie sonst auch. Wenn man gemeinsam in einem Studio arbeitet, ist man ja trotzdem in getrennten Räumen und sieht sich nur durch Fensterscheiben. Jetzt waren es statt der Scheiben eben Screens."

„Wir werden erst wieder live spielen, wenn es sicher ist"

Wie hat Rodney Orpheus als Künstler das Corona-Jahr soweit erlebt? Wie hat die Pandemie sein berufliches Leben beeinflusst? "Gar nicht so sehr", beschreibt er es. "Ich habe eigentlich so weiter gearbeitet wie sonst auch, denn ich arbeite meistens alleine im Studio und vor dem Computer. Vor nicht allzu langer Zeit sind meine Frau und ich umgezogen, jetzt habe ich mein eigenes Studio direkt an den Garten angrenzend. Für mich ist das perfekt." Aber eins ist natürlich nicht möglich zur Zeit: Reisen und live spielen. "Ich war immer so viel unterwegs, dass es sich fast wie Urlaub anfühlt, längere Zeit zu Hause zu sein. Natürlich vermisse ich es, live zu spielen, aber dafür hatten wir jetzt Zeit, an dem Album zu arbeiten." Und noch etwas konnte Rodney in der Zeit dank seines Studios realisieren: Er produzierte Webcasts für Musiker aus dem Electro-Bereich. So konnte er sich mit Kollegen aus dem Musikbereich austauschen.

Was wünscht sich Rodney am meisten für das kommende Jahr? "Abgesehen von politischen Veränderungen hoffe ich, dass das neue Album gut laufen wird – ich hoffe, die Leute mögen es und machen es erfolgreich. Und ich hoffe natürlich, dass wie wieder live spielen können. Das wird aber erst sein, wenn es wirklich sicher ist für alle. Wir werden kein Risiko eingehen. Wir werden erst wieder spielen, wenn es für alle sicher ist."

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht für die Fans: Das neue Album ist fast fertig und wird schon bald zu haben sein.

Vielen Dank für das nette Interview!