Thailand: Chaos bei Suche nach vermissten Kindern in Höhle – "Wir sind nicht bereit dafür"

2. Juli 2018 - 10:41 Uhr

Suchaktion in der Höhle geht nur schleppend voran

Der Regen in Chiang Rai prasselt auf eine blaue Plastikplane. Darunter sitzen die Eltern der vermissten Kinder. Viele haben die Augen geschlossen. In ihren Gedanken und Gebeten sind sie ganz bei ihren vermissten Söhnen. Seit gut einer Woche sind die Mitglieder einer Jugend-Fußballmannschaft mit ihrem Trainer in einer weitläufigen Höhle verschollen. In den Gesichtern der Eltern der 11 bis 16 Jahre alten Jungen spiegelt sich Erschöpfung und Hoffnung. Am Ende wird alles gut werden. Sagen die Behörden. Wollen sie selbst glauben. Doch die Suchaktion geht nur schleppend voran. Nur, darüber zu sprechen, traut sich kaum jemand.

Schlechte Koordination und mangelnde Erfahrung mit derartigen Notlagen

Obwohl es bisher kein Lebenszeichen von der in der weitläufigen Höhle eingeschlossenen Jugend-Fußballmannschaft gibt, klammern sich viele an die Hoffnung und die Versicherungen der Behörden, dass doch noch alles gut werden wird. Die Verantwortlichen stecken alle vorhandenen Ressourcen in die Suche. Seit zwei Tagen sinkt der Wasserspiegel. "Am Sonntag konnten die Rettungsmannschaften sogar eine Basis im Innern der Höhlen errichten", sagt RTL-Reporter Andreas Schopf. "Sie sparen dadurch zwei Stunden ein, die sie bisher jedes Mal zum Eingang zurück mussten."

Knapp 1.000 Helfer habe die Regierung vor Ort im Einsatz, sagt Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn. Aber niemand hier kenne sich mit Suchaktionen in Höhlen aus. "Eine solche Lage hat es in unserem Land noch nie zuvor gegeben. Wir sind nicht bereit dafür." Dutzende internationale Helfer, Experten und Höhlentaucher sind nach Chiang Rai geströmt. Sie hoffen, ihre Expertise noch einbringen zu können.

Das Risiko müsste den Fußballern bekannt gewesen sein

Fußballmannschaft in Thailand in Höhle verschollen
Ein Mädchen zeigt ein Foto ihres Mitschülers Prachak Sutham (13) . Auch er ist in der Höhle in Thailand verschollen.
© REUTERS, SOE ZEYA TUN, SZ/LP

Am Samstag vergangener Woche waren die jungen Fußballer und ihr Trainer in die Tham-Luang-Khun-Nam-Nang-Non-Höhle in der Provinz Chiang Rai eingestiegen. Eine fatale Entscheidung. Mit etwa zehn Kilometern Länge ist die Höhle eine der größten des Landes. Und sie ist gefährlich. Gerade jetzt, in der Regenzeit, können Sturzfluten und Hochwasser Gänge unpassierbar und die Rückkehr ins Freie unmöglich machen.

Genau das ist vermutlich den Jungen und ihrem Trainer passiert. Sie kamen alle aus der Gegend im Grenzgebiet zu Myanmar und hatten die Höhle nach Angaben von Familien und Freunden bereits früher erkundet. Die Risiken eines solchen Ausflugs müssten ihnen also bekannt gewesen sein. Haben die Jungen sie dieses Mal unterschätzt?

Niemand will offen darüber reden, dass es vielleicht schon zu spät ist

Eine Mutter hat am Samstagabend Alarm geschlagen, als ihr Sohn nicht vom Fußball zurückgekehrt war. Die Fahrräder der Jungs wurden am Höhleneingang entdeckt. In der Höhle fanden Suchmannschaften am Dienstag Hand- und Fußabdrücke der Vermissten. Dies werteten sie als Lebenszeichen. Doch seitdem: nichts. Schuhe und Rucksäcke wurden ebenfalls gefunden, was bedeutet, dass die Jungen kaum Proviant haben, falls sie überhaupt für den Tag etwas eingepackt hatten.

Thailändische Mediziner versichern, dass die Vermissten eine Woche überleben könnten. Dabei gehen sie aber davon aus, dass sie im Trockenen sind und Trinkwasser zur Verfügung haben. Mit jedem Tag sinken die Überlebenschancen für die Jugendlichen in der thailändischen Höhle. Über die nicht auszuschließende Möglichkeit, dass die Jungen ertrunken sein könnten, möchte in Chiang Rai niemand offen reden.

Nur wenige Thailänder machen ihrem Frust öffentlich Luft

Die Rettungsarbeiten in der Höhle gehen nur schleppend voran
Die Höhle ist weit verzweigt und in großen Teilen überflutet.
© imago/Xinhua, Xinhua, imago stock&people

Am Ort des Dramas herrscht Durcheinander. Eltern und Helfer werden abgeschirmt, Informationen der Behörden sind dürr und nicht selten widersprüchlich. Die Suchaktion wirkt schlecht koordiniert. So gab es Helfern zufolge lange Zeit keine offizielle Karte. Verschiedene Teams arbeiteten mit unterschiedlichem Kartenmaterial. Erst am neunten Tag nach Verschwinden der Fußballer veröffentlichte die Regierung eine Höhlenkarte.

Trotzdem machen nur wenige Thailänder ihrem Frust über die schleppend vorangehenden Arbeiten öffentlich Luft. Eine Schauspielerin, die meinte, in jedem anderen Land hätte man die Jungs längst gefunden, erntete für diesen Social-Media-Post heftige Kritik. Die große Mehrheit hält die Hoffnung am Leben, mit selbst geschriebenen Songs, Zeichnungen oder Gebeten. "Ich warte immer auf gute Nachrichten", schrieb ein User auf Twitter. Es gebe immer Hoffnung. Genau wie die Eltern im Schlamm vor der Tham-Luang-Höhle wollen viele nur an ein Happy End denken.