RTL/n-tv #frühstart

Teuteberg: "Es gab Leistung und Anstand in der DDR"

8. November 2019 - 8:17 Uhr

Zum Jahrestag der Maueröffnung

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg will auch 30 Jahre nach dem Mauerfall keinen Schlussstrich unter die Aufarbeitung der DDR-Zeit ziehen. Es sei immer wichtig, sich zu erinnern und die eigene Herkunft zu kennen, "um Fehler nicht zu wiederholen", sagte sie der RTL/n-tv Redaktion. "Wir sollten uns erinnern und transparent aufarbeiten." Gerade als Ostdeutsche habe sie eine besondere "Sensibilität dafür, dass die Freiheit, in der wir leben nicht selbstverständlich ist".

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Klar unterscheiden zwischen Demokratie und Diktatur

Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor in der Nacht vom 9. auf den 10.11.1989. Vom 13.08.1961, dem Tag des Mauerbaus, bis zum Mauerfall am 09.11.1989 waren die Bundesrepublik Deutschland und die DDR durch den "Eisernen Vorhang" zwi
Maueröffnung Berlin 1989
© picture alliance / Peter Kneffel, Peter Kneffel, rf rh

Sie könne gut nachvollziehen, dass Menschen sich an ihr persönliches Leben erinnern. "In der DDR gab es Leistung und Anstand von Menschen trotz und nicht wegen des politischen Systems", sagte die 38-Jährige.

Viele könnten stolz darauf sein, dass sie unter "schwierigen Bedingungen etwas geleistet haben und sich anständig verhalten haben". Dies sei aber "kein Grund, die erschwerten Bedingungen schönzureden". Man müsse "klar unterscheiden zwischen Demokratie und Diktatur, sonst werden wir auch die Demokratie nicht zu schätzen wissen".

Appell gegen "Mauern in den Köpfen"

07.11.2019, Mecklenburg-Vorpommern, Schlagsdorf: Einen Grenz-Beobachtungsturm aus den 60er Jahren zwischen Elementen der Betonsperrmauer der ehemaligen innerdeutsche Grenze schauen sich Besucher auf dem Freigelände vom Grenzhus Schlagsdorf an. Mit za
Grenz-Beobachtungsturm aus den 60er Jahren zwischen Elementen der Betonsperrmauer der ehemaligen innerdeutschen Grenze in Schlagsdorf, Mecklenburg-Vorpommern, :
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu

Trotz 40 Jahren der Trennung gebe es "sehr viel mehr Verbindendes zwischen allen Deutschen, in Ost und West und Nord und Süd. Und es gebe die normalen Unterschiede die man "gar nicht so dramatisieren muss".

Deswegen sollte man "einigen politischen Köpfen nicht durchgehen lassen, ständig Mauern zu erfinden in den Köpfen, die als politischen Geschäftsmodell zu bewirtschaften und unser Land zu spalten, weil sie davon politisch profitieren".

Respektvoller Austausch über die verschiedenen Erfahrungen und Prägungen

ARCHIV - 11.09.2009, Sachsen-Anhalt, Eisleben: Der Marktplatz von Eisleben im Landkreis Mansfeld Südharz. (zu dpa «Gebeutelt aber mit Hoffnung: Strukturwandel in Mansfeld-Südharz») Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Marktplatz von Eisleben im Landkreis Mansfeld. Der Südharz zählt zu den strukturschwächeren Regionen des Landes.
© dpa, Jens Wolf, fab dna

Zugleich appellierte sie daran, mit Blick auf den Osten Deutschlands nicht "immer nur über wirtschaftliche Kennzahlen und Fördergelder" zu sprechen. Vielmehr gelte es nachzuholen, "was offenbar in den letzten 30 Jahren nicht genug passiert ist, uns respektvoll und sachlich über die verschiedenen Erfahrungen und Prägungen auszutauschen".

Man sollte schauen, "wie können wir aus den Stärken Ostdeutschlands noch mehr machen, was ist wirklich zielgerichtete Politik, die Chancen auch in strukturschwächeren Regionen verbessert".

FDP will nicht mit Linken koalieren

ARCHIV - 09.11.1989, Berlin: Menschen klettern am späten Abend auf die Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Am Abend des 09.11.1989 teilte SED-Politbüro Mitglied Schabowski mit, daß alle DDR-Grenzen in die Bundesrepublik und nach West-Berlin für DDR-
Am 9. November jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal.
© dpa, Wolfgang Kumm, rf fux pil

Angesichts der schwierigen Regierungsbildung in Thüringen schloss Teuteberg eine Koalition mit der Linken aus. "Für uns kommt eine Zusammenarbeit in Form von Koalitionen nicht in Betracht", sagte sie. Bei der Linken sehe sie Positionen, "die völlig unvereinbar sind mit unseren Vorstellungen von der Politik der Freien Demokraten".

So wolle die Linke eine andere Republik sowie eine andere Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung. Gleichwohl aber sei "wichtig, dass verschiedene demokratische Parteien grundsätzlich gesprächsbereit sind und manchmal koalitionsfähig, aber eben nicht mit jedem". Es gehöre auch zur staatspolitischen Verantwortung, "nicht beliebig zu sein".