Teure Lebensmittel: 44 Mllionen Arme mehr

Auch in Asien treibt die Verteuerung von Grundnahrungsmitteln die Lebenshaltungskosten in die Höhe.
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17. Februar 2011 - 10:29 Uhr

Gefahr für die Reformprozesse in Ägypten und Tunesien?

Der weltweite Anstieg der Lebensmittelpreise hat der Weltbank zufolge allein in den vergangenen acht Monaten rund 44 Millionen Menschen in extreme Armut gestürzt. Die Preise hätten ein "gefährliches Niveau" erreicht und böten Anlass zu ernsten Sorgen, erklärte Präsident Robert Zoellick. Die Weltbank ist auf Armutsbekämpfung spezialisiert.

Die Verteuerung von Lebensmitteln könnte den politischen Reformprozess in Ägypten, Tunesien und anderen Ländern gefährden, warnte Zoellick: "Wenn politische Umwälzungen und Stress durch Nahrungsmittelpreise zusammenkommen, muss man dort besonders hinschauen." Zwar seien teure Lebensmittel nicht der Auslöser der Revolution in Ägypten gewesen, wohl aber ein "verschärfender Faktor". "Ich bin besorgt, dass höhere Lebensmittelpreise zusätzlichen Stress bedeuten und zur Unsicherheit, die bereits vorhanden ist, beitragen könnten."

Appell an die G20: Thema muss auf die Tagesordnung

Der Weltbank-Index für Preise für Grundnahrungsmittel kletterte allein zwischen Oktober und Januar um 15 Prozent, binnen eines Jahres um fast ein Drittel. Er ist nur noch drei Prozent von seinem Rekordhoch während der letzten Lebensmittelkrise im Jahr 2008 entfernt. Damals hatten explodierende Nahrungsmittelpreise in vielen Ländern teils blutige Hungerrevolten ausgelöst - unter anderem in Afrika und der Karibik.

Diesmal sind laut Weltbank jedoch nicht alle Weltregionen von den Preiserhöhungen betroffen. Während die Verteuerung der Lebensmittel in Asien sowie Teilen von Südamerika und Osteuropa die Lebenshaltungskosten in die Höhe treibt, hätten gute Ernten den afrikanischen Ländern südlich der Sahara dies bislang erspart.

Weltbank-Präsident Zoellick forderte die Finanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) dazu auf, bei ihrem Treffen in Paris am Wochenende die wachsende globale Nachfrage nach Lebensmitteln sowie die Preissteigerungen ganz oben auf ihre Tagesordnung zu setzen. Die UN-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) war Anfang des Monats sogar zu dem Ergebnis gekommen, dass Lebensmittel derzeit weltweit so teuer sind wie nie zuvor.