Prozess beginnt am Montag

Frau (22) stirbt nach Teufelsaustreibung mit Salzwasser - sie hatte einen unerfüllten Kinderwunsch

Kinderwunsch: Warum werde ich nicht schwanger?

05. November 2020 - 13:26 Uhr

Sie sollte mit Salzwasser schwanger werden

Eine junge Frau soll in Berlin gezwungen worden sein, täglich Salzwasser zu trinken - die 22-Jährige starb an dieser sogenannten Kur zur Teufelsaustreibung. Mehr als vier Jahre später stehen nun vier Angeklagte vor Gericht: Der 34 Jahre alte Ehemann, seine Eltern und ein islamischer Wunderheiler (49). Ihnen werde gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen – nach Erkenntnissen der Ermittler sollte die Ehefrau mit der gesundheitsschädlichen und letztlich tödlichen Dosis Kochsalz im Wasser gegen ihre Kinderlosigkeit behandelt werden.

Zur Kur wegen Kinderlosigkeit gezwungen

Nach Verlesung der Anklage beantragte einer der Verteidiger wegen der "dramatischen Corona-Lage" die Aussetzung des Verfahren. Eine Verhandlung mit 30 Menschen im Saal sei nicht zu verantworten, begründete er. Das Gericht hat noch nicht darüber entschieden.

Die drei Familienangehörigen sollen die 22-Jährige über eine Woche hinweg mit einer gesundheitsschädlichen und zuletzt tödlichen Dosis Kochsalz im Wasser gegen ihre Kinderlosigkeit "behandelt" haben.

Während sie trank, soll ein Hodscha aus dem Koran gelesen haben

Sie hätten die junge Frau zwischen dem 30. November und 7. Dezember 2015 in einer Wohnung in Berlin-Tempelhof auf Rat des Heilers, einem sogenannten Hodscha, zu der "Behandlung" gezwungen. Der 49-jährige Heiler soll die Trinkprozeduren zeitweise mit Lesungen aus dem Koran begleitet haben. Ihm wird Mittäterschaft vorgeworfen.

Die 22-Jährige, die an einer Vorerkrankung und zusätzlich zur Tatzeit an einem Infekt gelitten habe, starb am 7. Dezember 2015 an einer Lungenembolie und einem Hirnödem in einem Krankenhaus. Ob sich die aus dem Libanon stammenden Verdächtigen, von denen drei die deutsche Staatsbürgerschaft haben, zu den Vorwürfen äußern werden, blieb zu Prozessbeginn offen.