Test der Bundesagentur für Arbeit: Ab Mitte 2018 gibt es Arbeitslosengeld im Supermarkt

27. Januar 2018 - 18:59 Uhr

Erst nur testweise - vielleicht bald deutschlandweit

Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die dringend Bargeld brauchen, können sich das demnächst wahrscheinlich im Supermarkt auszahlen lassen. Die Bundesagentur für Arbeit will das Verfahren in bis zu zehn Jobcentern ab Mitte 2018 für drei Monate testen. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft, soll die Arbeitslosengeld bundesweit im Supermarkt ausgezahlt werden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor.

Arbeitslose können sich Vorschuss in bar auszahlen lassen

Bei den Bargeldauszahlungen geht es nach Angaben der Bundesagentur oft um Vorschussleistungen – wenn zum Beispiel am Monatsende kein Geld mehr da ist. Bisher war es so, dass die Betroffenen zu speziellen Kassenautomaten in Jobcentern und Arbeitsagenturen gehen mussten. Mit einer Karte können dort vorher genehmigte Beträge abgehoben werden.

Katja Kipping. "Stigmatisierung in aller Öffentlichkeit"

Die Bundesagentur für Arbeit würde diese Automaten aus Kostengründen gerne abbauen. Das Geld könnte stattdessen demnächst überall an der Supermarktkasse ausgezahlt werden. Dadurch steige die Zahl der Auszahlungsstellen von derzeit rund 300 auf bundesweit etwa 8500, argumentiert die Bundesagentur für Arbeit. Wer Bargeld braucht, müsste sich dann einen Zettel mit einem Barcode im Jobcenter abholen und ihn an der Kasse vorlegen, um den Betrag sofort ausgezahlt zu bekommen.

Linken-Chefin Katja Kipping kritisierte die Pläne. "Skandalös ist, dass die Bundesagentur Betroffene unnötiger Stigmatisierung in aller Öffentlichkeit in den Supermärkten aussetzt", erklärte die Politikerin. Sie forderte, das Projekt zurückzuziehen und gemeinsam mit Betroffeneninitiativen und Wohlfahrtsverbänden Alternativen auszuarbeiten.