Terrorprozess in Christchurch

Mutter eines Opfers: "Du bist erbärmlich gescheitert"

24. August 2020 - 18:19 Uhr

Im Video: Angehörige richten klare Worte an den Täter

Der Attentäter von Christchurch übertrug seinen blutigen Amoklauf live ins Internet. Sein jüngstes Opfer war drei, das älteste 71 Jahre alt. Jetzt wurden weitere Details zur Tat bekannt: Offenbar wollte er bei seiner Attacke im März 2019 eine dritte Moschee in Neuseeland angreifen. Das kam bei der ersten Anhörung vor der Urteilsverkündung heraus. Was die Angehörigen der Opfer beim Prozess zu sagen hatten – im Video.

Amokläufer wollte Moscheen in Brand setzen

Nach den tödlichen Schüssen in der Al-Nur-Moschee im Stadtteil Riccarton und im Linwood Islamic Centre habe er zu einer Moschee in Ashburton, etwa eine Stunde südlich der Stadt, fahren wollen, sagte Staatsanwalt Barnaby Hawes. Er hatte mehrere Waffen dabei und eigentlich auch geplant, die Moscheen in Brand zu setzen. Zuvor sei er aber von der Polizei gefasst worden.

Dem Angeklagten werden 51 Morde, 40 versuchte Morde sowie Terrorismus zur Last gelegt. Weil er sich im März überraschend schuldig bekannt hatte, entfiel ein Prozess. Insgesamt vier Tage lang sollen Überlebende und Angehörige aber die Möglichkeit erhalten, Erklärungen zu verlesen. Auch der Angeklagte selbst, ein 29-jähriger Rechtsextremist aus Australien, wird die Möglichkeit haben, sich zu äußern. Anschließend will Richter Cameron Mander das Urteil verkünden.

Mögliches Strafmaß für den Attentäter von Christchurch so hoch wie nie

Mohammad Alam gives a victim impact statement during the sentencing of mosque gunman Brenton Tarrant at the High Court in Christchurch, New Zealand, August 24, 2020. John Kirk-Anderson/Pool via REUTERS
Die Überlebenden haben das Wort
© REUTERS, POOL, JKA/LE/BRV

Am ersten Tag der Anhörung wurden 24 Erklärungen verlesen. Die Überlebenden hatten das Wort. Einige der Opfer sprachen den Attentäter direkt an. Dieser zeigte im schwer bewachten Gerichtssaal keine sichtbaren Emotionen. Insgesamt wollen sich mehr als 60 Betroffene vor Gericht äußern.

Wie Augenzeugen den Anschlag unmittelbar nach der Tat schilderten, lesen Sie hier.

Die Anschläge von Christchurch gelten als das bislang schwerste Gewaltverbrechen in der jüngeren Geschichte des Pazifikstaates. Bei der Urteilsverkündung will der Angeklagte auf Anwälte verzichten, wie im Juli bekannt wurde. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe, eventuell ohne Möglichkeit zu einer vorzeitigen Entlassung. Ein solches Strafmaß ist in Neuseeland bisher noch nie verhängt worden.