Terrormiliz IS kämpft in den Straßen von Kobane - "Die Kurden alleine werden es kaum schaffen"

RTL-Reporter Dirk Emmerich berichtet aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet

Wochenlang stand die Terrormiliz vor Kobane – jetzt kämpft der IS in den Straßen der syrischen Stadt an der türkischen Grenze gegen die Kurden. Die internationalen Mächte fliegen Luftangriffe, aber offenbar mit wenig Wirkung – die Türkei schützt nur ihre Grenze. RTL-Reporter Dirk Emmerich ist vor Ort.

RTL-Reporter Dirk Emmerich nahe Kobane
Rauch steigt bei Kämpfen in der Stadt Kobane auf
REUTERS (Foto vom 6.10.)

"Die Lage für die in der Stadt verbliebenen Menschen und die Verteidiger wird immer verzweifelter. Seit dem Abend gibt es jetzt Straßenkämpfe in Kobane", so Emmerich. Aus der Stadt vernehme man den verzweifelten Appell, dass ein Massaker drohe – und Vorwürfe an die Amerikaner und Europäer, zu wenig zu tun. Die Luftangriffe seien noch immer viel zu weit entfernt und hätten den IS bislang kaum beeindruckt. "Die Türkei hat zwar diesseits der Grenze sehr viel Militärtechnik und Soldaten zusammengezogen, greift aber bislang nicht ein. Solange der IS nicht direkt türkisches Territorium angreift, das zugleich ja NATO-Territorium ist, scheint das auch für die nächsten Tage wenig wahrscheinlich."

Wie geht es jetzt weiter? "Die Kurden alleine werden es kaum schaffen", so RTL-Reporter Emmerich. "Was sie bräuchten, ist entweder Waffenunterstützung, - also der Einsatz von Kampfhubschraubern - oder, dass tatsächlich Bodentruppen über die Grenze kommen. Passiert das nicht, wird Kobane wohl in den nächsten Tagen vom IS erobert werden."

Mobilisiert ein Appell von UN-Generalsekretär Ban mehr Hilfe?

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat unterdessen zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kobane aufgerufen. Wie ein Sprecher Bans mitteilte, appellierte der Generalsekretär dringend an alle, die die Mittel dazu hätten, sofort zum Schutz der Bevölkerung zu handeln.

Diese Forderung erhob Ban vor dem Hintergrund der "groben und grausamen Verletzungen der Menschenrechte", die die Terroristengruppe während ihres "barbarischen Feldzugs" in der Region begangen habe. Ban verfolge mit erheblicher Sorge die IS-Offensive gegen Kobane (arabisch: Ain al-Arab) im Norden Syriens, die zu massiver Flucht von Zivilisten und vielen Toten geführt habe, hieß es weiter in der UN-Mitteilung.

Die IS-Dschihadisten haben bereits mehr als 300 Dörfer im Umland von Kobane eingenommen, rund 160.000 Menschen flohen in die Türkei. Etwa 5.000 Kurden stellen sich nach Angaben aus Kobane derzeit den IS-Extremisten entgegen.

Kurdische Demonstranten machen derzeit in mehreren Städten Europas mit Protestaktionen und Besetzungen auf die verzweifelte Lage in Kobane aufmerksam. Im niederländischen Den Haag drang am Montagabend eine große Gruppe kurdischer Demonstranten in das Parlament ein und verließen es nach Gesprächen erst am frühen Morgen wieder. Am Flughafen der belgischen Hauptstadt Brüssel gab es ebenfalls eine Solidaritätsaktion von Kurden.

Auch in mehreren deutschen Städten gab es Proteste mit einigen tausend Teilnehmern. In Düsseldorf und Bonn drangen die Demonstranten kurzzeitig in Gebäude des Westdeutschen Rundfunks und des Auslandssenders Deutsche Welle ein. In Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 600 Kurden. Für den Vormittag war eine weitere Demonstration in der Hauptstadt angemeldet. Auch aus Hamburg, Dortmund, Münster und Essen wurden spontane Demonstrationen gemeldet.