Terroristen mischen sich unter Flüchtlinge

22. Mai 2015 - 9:51 Uhr

Endlich gefasst

Terroristen, die mit Flüchtlingsbooten nach Europa gelangen? Wahrscheinlich passiert dies immer häufiger. Auch der 22-jährige Touil Abdelmajid, der am Anschlag auf Tunesiens berühmtestes Museum beteiligt gewesen sein soll, ist scheinbar auf diesem Weg nach Europa gelangt. Damals starben 24 Menschen, darunter viele Touristen. Der Marokkaner wurde im Haus seiner Mutter in der Nähe von Mailand festgenommen. Sein Bruder bestreitet, dass Touil vor zwei Monaten in Tunis war.

IS Terrorist gelangt mit Flüchtlingsboot nach Europa
Pressekonferenz zur Festnahme des Tatverdächtigen
© Fotogramma / Splash News

Die Nachricht von der Festnahme bestätigt Vermutungen, dass die Terrororganisation ihre Kämpfer gezielt auch nach Europa bringt. Der 22-jährige wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht und ging jetzt den italienischen Fahndern ins Netz. Wie die Staatsanwaltschaft in Mailand mitteilt, wurde er bereits im Februar in Porto Empedocle auf Sizilien identifiziert, denn dort war er als Bootsflüchtling angekommen.

Im März sei Abdelmajid dann nach Tunesien zurückgekehrt, um das Attentat auszuführen, und schließlich erneut nach Italien gekommen. Konfliktforscher befürchten, dass das Flüchtlingselend dem terroristischen Pendelverkehr dienen könnte: "An einigen Stellen haben sich die Dschihadisten bis unmittelbar an die Mittelmeerküste vorgekämpft. Dort zwingt die libysche IS inzwischen die Schleuser, die Hälfte ihrer Einnahmen abzugeben und ihre Kämpfer auf den Schiffen mitzunehmen", sagt Konfliktforscher Hans Giessmann.

Die Behörden sind machtlos

Die Situation wird immer dramatischer. Aus Lagern wie beispielsweise in Tocra haben allein in diesem Jahr schon 60.000 Menschen versucht, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen—ohne Pass und Papiere. Lybische Behörden haben keine Kontrolle darüber, wie viele Terroristen dabei eingeschleust wurden. "Wir können hier nur humanitär helfen, für Sicherheit können wir nicht sorgen", sagt Emad Al-Ghmari, stellvertretender Leiter des Flüchtlingslagers in Tocra. Die Verantwortlichen beklagen die fehlende Unterstützung der EU.

Mit dem anschwellenden Flüchtlingsstrom wächst die terroristische Bedrohung. Auch deshalb will die EU Militär einsetzen gegen die Schleuserrouten und in Nordafrika selbst. Bisher lehnt Libyen das aber ab, und Experten bezweifeln, dass Kriegsschiffe wirklich das richtige Mittel sind, um Terroristen aufzuspüren. Im Falle Abdelmajid war es tatsächlich Polizeiarbeit, die zum Erfolg geführt hat. Nach all den festgenommenen Schleusern ist dies der erste spektakuläre Fall eines mutmaßlichen IS-Terroristen, der nachweislich per Flüchtlingsboot nach Europa gelangt ist.