Rechter Terror folgt bestimmten Muster

Terrorexperte Neumann: Es geht immer um "Verschwörungstheorien, Rechtsextremismus und Frauenfeindlichkeit."

21. Februar 2020 - 13:38 Uhr

Utoya, Christchurch und Hanau - so hängt alles zusammen

Die Morde von Hanau schockieren die Öffentlichkeit, überraschend sind sie für Fachleute leider nicht. RTL-Terrorismusexperte Peter Neumann sieht ein klares Muster für die Gewaltexzesse, national und international. Wie die Anschläge von Utoya, Christchurch und El Paso über den Mord an Walter Lübcke bis hin zu den Anschlägen von Halle und Hanau zusammenhängen – in unserem Video.

Überproportional viele Einzeltäter psychisch gestört

Terrorismusforscher Peter Neumann
Terrorismusforscher Peter Neumann im RTL-Interview

"Es gibt ein klares Muster: sozial isolierte Männer, die sich im Internet Versatzstücke einer Ideologie", sagt der renommierte Politikwissenschaftler. Bei allen Tätern gehe es immer um "Verschwörungstheorien, Rechtsextremismus und Frauenfeindlichkeit."

Ein weiteres, verstörendes Detail verbindet die Täter, sagt er. "In vielen Fällen kommt ein Element der psychischen Störung hinzu." Somit lasse sich oft nicht mehr klar unterscheiden, ob es sich "noch um einen rationalen Akt der politisch motivierten Gewalt" handele. Bei vielen Tätern stelle sich auch die Frage: "Geht es hier im Prinzip schon um Wahnsinn", so Neumann weiter.

Warnung vor "virtuellen Subkulturen"

Flowers are seen in front of the hookah bar where a shooting took place in Hanau, Germany, Friday, Feb. 21, 2020 two days after a 43-year-old German man shot and killed several people at several locations in a Frankfurt suburb on Wednesday, Feb. 19,
Gedenken in Hanau.
© AP, Martin Meissner, mm

Aus empirischen Studien sei bekannt, dass bei überproportional viele Einzeltäter psychische Probleme hätten. Dennoch könnten sie die Tragweite ihrer Taten sehr wohl abschätzen. "Psychische Störung und politischer Extremismus befeuern sich in manchen Zusammenhängen."

Seiner Ansicht nach ist auch künftig weiter mit solchen Taten zu rechnen. Die rechte Gewalt habe nicht nur in Deutschland stark zugenommen, sondern auch eine internationale Komponente. Neumann spricht von "virtuellen Subkulturen". Die Anschläge "hängen alle zusammen." Die Täter versuchen sich gegenseitig zu inspirieren und ihre Terrortaten zu imitieren.