Terrorangriff auf Einkaufszentrum in Nairobi: 68 Tote

28. September 2013 - 19:37 Uhr

Bisher keine Hinweise auf deutsche Opfer

Die Opferzahl des blutigen Überfalls auf das Einkaufszentrum Westgate in Nairobi ist weiter gestiegen. Einsatzkräfte hätten bei einer Rettungsaktion neun weitere Leichen entdeckt, teilte das Roten Kreuz über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Damit liegt die Zahl der Toten einen Tag nach der Attacke bei 68.

Kenia Nairobi Terror Anschlag
Die kenianische Polizei rückte mit einem Großaufgebot an dem Einkaufszentrum an.
© dpa, Dai Kurokawa

"Wir werden die Terroristen für dieses feige Verbrechen bestrafen", sagte Präsident Uhuru Kenyatta in einer Fernsehansprache. 18 maskierte Täter waren Samstagmittag in das exklusive Westgate-Einkaufszentrum eingedrungen und hatten um sich geschossen. Noch immer halten sich zehn bis 15 Terroristen mit Geiseln in dem Gebäude auf, erklärte Innenminister Ole Lenku.

Zu dem Angriff bekannten sich die islamistischen Al-Shabaab-Milizen aus dem Nachbarland Somalia. "Was die Kenianer im Westgate-(Einkaufszentrum) erleben, ist ausgleichende Gerechtigkeit für Verbrechen, die ihre Armee verübt hat", teilte die Miliz nach dem Angriff im Kurznachrichtendienst Twitter mit. Das Auswärtige Amt in Berlin hat keine Hinweise, dass Deutsche betroffen sein könnten. Zu den Opfern zählen drei Briten, so das britische Außenministerium.

Die bewaffneten Angreifer halten noch immer Geiseln in ihrer Hand, mit denen sie sich in dem Gebäudekomplex verschanzt haben. Mindestens vier Geiseln sollen am Sonntagmorgen aus dem Gebäude befreit worden sein. Noch ist vollkommen unklar, wie viele Menschen in der Gewalt der Angreifer sind. Es soll sich um Angestellte und Kunden der Shopping Mall handeln. Die Terroristen haben sich offenbar in den oberen beiden Stockwerken des Einkaufszentrums verschanzt.

Die USA haben den blutigen Überfall auf das Einkaufszentrum als "sinnlosen Akt der Gewalt" verurteilt. Marie Harf, die Sprecherin des US-Außenministeriums, sagte in Washington, es gebe Berichte über US-Bürger unter den Dutzenden Verletzten. Die Botschaft in Nairobi bemühe sich um Unterstützung. "Unser Mitgefühl gilt den Familien und Freunden aller Opfer", sagte Harf.

Kenia ist seit geraumer Zeit Zielscheibe terroristischer Anschläge somalischen Islamisten. 2011 waren kenianische Truppen in das Nachbarland einmarschiert, um die Al-Shabaab-Milizen zu bekämpfen. "Lange Zeit haben wir Krieg gegen die Kenianer in unserem Land geführt, jetzt ist es an der Zeit, das Schlachtfeld zu ändern und den Krieg in ihr Land zu bringen", hieß es in einem weiteren Tweet der Milizen.

Die kenianische Regierung bezifferte die Zahl der Toten am Abend noch mit elf. Der für innere Sicherheit zuständige Staatssekretär Mutea Iringo sagte, Sicherheitskräfte hätten sich Zugang zum Gebäude verschafft und seien auf der Suche nach den Kriminellen. "Die Regierung wird in diesem Krieg nicht nachgeben", sagte er. Die Sicherheitsmaßnahmen seien auch in anderen Einkaufszentren Nairobis verstärkt worden.

Einige Kunden als Geiseln genommen

Ein Augenzeuge in Nairobi sagte: "Sie warfen eine Granate. Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen. " Er ergänzte: "Ein Täter von ihnen schrie: 'Heute werdet ihr das wahre Gesicht von Al-Shabaab kennenlernen'."

"Die Polizei versucht weiter, Menschen aus dem Gebäude zu bekommen", sagte Gullet vom Roten Kreuz. Eine Supermarktkette, die in dem Gebäude eine Filiale betreibt, bestätigte, dass einige Kunden als Geiseln genommen worden seien.

Schon seit langem warnen Sicherheitsbehörden vor möglichen Terroranschlägen in Einkaufszentren in Kenia. Auch im Westgate werden alle Fahrzeuge vor der Fahrt aufs Parkdeck oder in die Tiefgarage kontrolliert, an den Eingängen werden die Besucher in der Regel mit Metalldetektoren untersucht.

Das Westgate-Einkaufszentrum im Stadtteil Westlands wurde 2007 eröffnet. Es beherbergt nach Angaben der Betreiber mehr als 80 Geschäfte, ein Kino mit mehreren Sälen sowie ein Kasino. Auf der Internet-Homepage beschreibt es sich als "ruhigen und sicheren" Ort. Das Zentrum ist ein beliebter Treffpunkt für wohlhabende Kenianer und im Land lebende Ausländer. Vor allen an Wochenenden ist es gut besucht.

Die Kriminalität ist eines der Hauptprobleme Nairobis. Das Auswärtige Amt warnt etwa vor Raubüberfällen. Bestimmte Gegenden der Metropole sollten auch bei Tag gemieden werden. Zu den größten Missständen zählen die grassierende Armut und die schlechte Lebenssituation vieler Hauptstädter. Über 60 Prozent der mehr als 3,5 Millionen Einwohner leben in Slums.