Weil er seine Schüler über Mohammed-Karikaturen diskutieren ließ

Lehrer (47) in Frankreich enthauptet: Vater soll im Internet gegen ihn gehetzt haben

19. Oktober 2020 - 10:25 Uhr

Vater soll gegen den Lehrer Stimmung gemacht haben

Nach der Enthauptung eines 47 Jahre alten Geschichtslehrers in Frankreich, haben die Ermittler weitere Details zu der Bluttat bekannt gegeben. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass die Ermordung des Lehrers terroristisch motiviert war. Der Pädagoge hatte Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt. Daraufhin soll ein Vater gegen ihn mobil gemacht haben. Wie groß der Schock und die Trauer bei Schülern und Eltern an der Schule sind – in unserem Video. 

Lehrer thematisierte Mohammed-Karikaturen im Unterricht

Staatsanwalt Jean-François Ricard sagte, dass es schon vor dem Angriff Drohungen gegen den Lehrer und die Schule gegeben habe. Der Lehrer hatte Anfang Oktober im Rahmen der Debatte über Meinungsfreiheit und die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen der Satirezeitung "Charlie Hebdo" im Unterricht entsprechende Zeichnungen gezeigt, um sie mit seinen Schülern zu diskutieren.

Der Vater eines 13-Jährigen sagte dem Sender "France Inter", dass der Lehrer nicht "herablassend oder respektlos" gewesen sei. Er habe muslimische Schüler gefragt, ob sie den Raum verlassen wollten, bevor er die Bilder zeigte. Nach der Unterrichtseinheit über Meinungsfreiheit soll aber ein anderer Vater angefangen haben, gegen den Lehrer Stimmung zu machen. Er habe Posts in sozialen Netzwerken veröffentlicht und sich bei der Schulleitung beschwert, so der Staatsanwalt.

Angreifer lauerte dem Lehrer auf dem Nachhauseweg auf

Ein 18-Jähriger lauerte dem 47-Jährigen dann nach dem Unterricht auf. Als sich der Lehrer von der Schule auf den Weg nach Hause machte, griff der junge Mann an. Laut Polizei war der Angreifer mit einem Messer und einer Softair-Pistole bewaffnet, als die Beamten ihn stellten. In der Nähe des Tatorts wurde außerdem ein 30 Zentimeter langes, blutverschmiertes Messer gefunden, mit dem der Lehrer getötet wurde.

Das Opfer hatte zahlreiche Wunden am Oberkörper und am Kopf. Der Täter habe den 47-Jährigen außerdem enthauptet, sagte Ricard. Der Tatverdächtige wurde kurz nach der Tat von Polizeibeamten erschossen. Er ist nach ersten Erkenntnissen 2002 in Moskau geborgen worden und stammt aus einer russisch-tschetschenischen Familie. Er habe seit dem Frühjahr einen Flüchtlingsstatus in Frankreich und sei geheimdienstlich bisher nicht aufgefallen. Die Polizei nahm inzwischen neun weitere Menschen fest – darunter Angehörige des Tatverdächtigen und Eltern aus der Schule des Lehrers.

Nach dem Angriff postete der Täter noch ein Foto seines übel zugerichteten Opfers bei Twitter und schrieb: "Ich habe einen Ihrer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed herabzusetzen." Antiterror-Fahnder haben darum die Ermittlungen übernommen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach von einem islamistischen Terrorakt.