News
Aktuelle Nachrichten, Schlagzeilen und Videos

Terror-Trio: Beate Z. will Kronzeugenregelung

Terror-Trio: Beate Z. will Kronzeugenregelung
Beate Zschäpe ist Mitglied der Zwickauer Naziterror-Zelle. Packt sie aus?

Strafmilderung bei Aussage?

Leichenfunde nach einem Banküberfall in Eisenach, eine Hausexplosion in Zwickau, ein Polizistenmord in Heilbronn, neun 'Döner-Morde' im ganzen Land sowie Anschläge in Köln 2004 und Düsseldorf 2000 - all diese und möglicherweise weitere Taten sollen auf ein rechtsradikales Mord-Trio aus Thüringen zurückführen. Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sind tot – Beate Zschäpe ist die einzige, die den Ermittlern mit einer Aussage weiterhelfen könnte. Jetzt fordert sie laut einem Medienbericht eine Kronzeugenregelung.

Die 36-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Sie will nach einem Bericht der 'Bild am Sonntag' nur aussagen, wenn ihr als Kronzeugin Strafmilderung zugesichert wird. Das Blatt beruft sich auf Ermittlerkreise.

In mehreren Fällen, den 'Döner-Morden' und dem Kölner Nagelbombenanschlag, haben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach Medienberichtes des 'Spiegels' und der 'taz' Geständnisse hinterlassen. Auf DVDs, die die Ermittler in dem abgebrannten Wohnhaus der Gruppe in Zwickau fanden, erklärten sie, ihre Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" sei ein "Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte". Die Neonazis bekennen sich den Berichten zufolge dazu, mindestens neun Morde an türkischen und griechischen Einwandern sowie den Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 begangen zu haben. Zudem kündigten sie weitere Anschläge an.

Neuer Rechtsterror schockt Ermittler und Politik

Aufgrund der vielen schwerwiegenden Taten werden Warnungen vor einer neuen Qualität rechter Gewalt immer lauter. "Terrorismus" nennt der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) die Verbrechen, denn die Täter hätten mindestens 13 Jahre lang über das Bundesgebiet verteilt schwere Straftaten begangen. "Da ist die Grenze zum Terrorismus sicherlich erreicht, wenn nicht sogar überschritten."

Ebenso warnte der niedersächsische Verfassungsschutz vor einer völlig neuen Qualität rechter Gewalt. "Wenn sich der Verdacht bestätigt, haben wir es mit dem schlimmsten Fall rechtsextremistischer Gewalt in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten zu tun", sagte Präsident Hans-Werner Wargel der 'Neuen Osnabrücker Zeitung’.

Gleichzeitig wird auch über Pannen beim Verfassungsschutz spekuliert. Den Sicherheitsbehörden sei zwar generell bekannt gewesen, dass Rechtsextremisten gut mit Waffen und Sprengstoffen ausgerüstet seien. Konkrete Hinweise auf gezielte Morde habe es bislang aber nicht gegeben. Dabei waren den Behörden die drei mutmaßlichen Drahtzieher der insgesamt zehn Morde an Türken, Griechen und einer Polizistin bereits in den 90er Jahren bekannt, verschwanden dann aber aus dem Blick der Verfassungsschützer. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich aus all dem noch ein Verfassungsschutzproblem ergibt", sagte Unions-Innenexperte Hans-Peter Uhl der 'Mitteldeutschen Zeitung'.

In Sicherheitskreisen wird vermutet, die drei aus Thüringen stammenden mutmaßlichen Täter könnten vom Verfassungsschutz eine neue Identität erhalten und dann als Verbindungsleute in der rechten Szene geführt worden sein. Der Thüringer Verfassungsschutz hat allerdings keine Hinweise darauf. Allerdings räumt Präsident Thomas Sippel in einem 'Focus'-Interview ein, dass bei einer Überprüfung im Jahr 2000 "letzte Zweifel nicht beseitigt" worden seien.

Neben den Ermittlungen zu den bisherigen Verbrechen werden nun auch weitere ungeklärte Anschläge überprüft. Darunter sei nach Informationen des 'Tagesspiegels' beispielsweise der Sprengstoffanschlag Ende 1998 in Berlin auf das Grab von Heinz Galinski, dem einstigen Präsidenten des Zentralrats der Juden.

Mehr News-Themen