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Terror, Sabotage, mangelnde Wartung: Atomkraftwerke in Krisenregionen sind eine echte Gefahr

Schutzmaßnahmen sind nur so gut wie die Kontrollen dahinter

Dass Atomkraft nicht ganz ungefährlich ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Das wissen wir spätestens seit den schweren Unfällen in den Atomkraftwerken in Tschernobyl und Fukushima. Doch auch wenn die Anlagen gut kontrolliert und vor Naturkatastrophen und Terroranschlägen geschützt werden, heißt das nicht, dass sie dauerhaft sicher sind. Kernkraftwerke können sich in Krisenzeiten zu einer echten Gefahr entwickeln, warnen Atomexperten.

Atomkraftwerk
Auch die Atomkraftwerke in Europa sind nicht völlig sicher. © dpa, Oliver Berg, obe fdt fpt tmk nic fgj

Denn wo Krieg herrscht, werden Schutzmaßnahmen oder Kontrollmechanismen schnell vernachlässigt. "Solche Schutzmaßnahmen richten sich jedoch üblicherweise ausschließlich gegen terroristische Bedrohungen und setzen eine funktionierende Staatsgewalt voraus", erklärten Fachleute des Öko-Instituts, von dem die Studie stammt. Schutzmaßnahmen sind eben nur so sicher, wie die politischen Verhältnisse im Land. Doch nicht nur gezielte Angriffe auf Atomkraftwerke sind ein Problem, auch politische Unruhen, Kriege oder wirtschaftliche Konflikte können dazu führen, dass solche Anlagen nicht mehr ausreichend überwacht und gewartet werden. Im schlimmsten Fall kann das zu einer atomaren Katastrophe führen.

Besonders ukrainische AKWs sind ein Sicherheitsrisiko

Atomkraftwerk Saporoschje in der Ukraine
Im Atomkraftwerk Saporoschje in der Ukraine ist es schon einmal zu einer kritischen Situation gekommen. © picture-alliance / dpa, epa Spinsky

Die Studie warnt insbesondere vor Sicherheitsproblemen in ukrainischen AKWs. In dem Land dauert der Konflikt zwischen der Regierung und prorussischen Separatisten weiter an. In den umkämpften Regionen sei die für kerntechnische Sicherheit erforderliche Infrastruktur "nicht in dem erforderlichen Umfang vorhanden", kritisieren die Experten.

Es kam bereits zu kritischen Fällen. Das Atomkraftwerk Saporoschje wurde durch Sabotage so schwer beschädigt, dass die Betreiberfirma die Situation als hochgefährlich einstufte. Im Herbst 2015 hatte jemand an den Strommasten, die zu der Anlage gehören, herummanipuliert. Neben Sabotage oder direkten Kampfhandlungen gefährden auch mangelnde Kontrollen, fehlende Ausbildung oder schlechte Bezahlung des Personals oder Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung die Sicherheit in Atomkraftwerken.

Auch in Deutschland wurde schon Alarm ausgelöst

Auch in Deutschland, wo kein Krieg herrscht und staatliche Strukturen funktionieren, können wir uns nicht in Sicherheit wiegen. Seit 2010 gab es sechs Mal Alarm wegen einer möglichen Bedrohung aus der Luft. Immer dann, wenn die Behörden fürchten, dass ein Flugzeug als Waffe verwendet werden könnte, um damit ein Atomkraftwerk anzugreifen, wird der Alarm ausgelöst.

Zuletzt passierte das im März, als eine Passagiermaschine in den deutschen Luftraum einflog und keinen Funkkontakt zur Flugsicherung hatte. Zwei Abfangjäger begleiteten das Flugzeug und die betroffenen Kraftwerke im Umkreis wurden gewarnt. Das ist das übliche Vorgehen in so einem Fall. Gefahr bestand glücklicherweise nicht. Die Piloten hatten den Funkkontakt verloren, weil sie versehentlich die falsche Frequenz gewählt hatten.

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