Globaler Terrorismus-Index 2018

Immer weniger Menschen sterben bei Terroranschlägen – aber die Gefahr von rechts wächst

© dpa, Jawed Kargar

20. November 2019 - 12:11 Uhr

Terror-Statistik für 2018: Weniger Opfer – aber noch immer 16.000 Tote zu viel

Die gute Nachricht: Weltweit sterben immer weniger Menschen durch Terroranschläge – das vierte Jahr in Folge. Das geht aus dem Globalen Terror-Index für das Jahr 2018 hervor, den die Denkfabrik "Institute for Economics and Peace" (IEP) jetzt vorgestellt hat. Die schlechte Nachricht: Vergangenes Jahr hat der Terror noch immer knapp 16.000 Menschen das Leben gekostet. Weltweit betrachtet, gehen die meisten Toten nach wie vor aufs Konto des Dschihadismus. In Europa wächst aber eine ganz andere Gefahr heran – sie kommt von rechts.

Immerhin: Nur noch halb so viele Terror-Tote wie 2014

Die Zahl der Terror-Opfer sinkt. 50 Prozent weniger Tote in den letzten vier Jahren – das gibt Grund zur Hoffnung. Zum Vergleich: 2014 kamen noch knapp 33.000 Menschen durch Terrorismus ums Leben. Jetzt sind es immerhin "nur" noch 16.000 Opfer.

Allein in Europa gab es vergangenes Jahr deutlich weniger Terror-Tote zu beklagen: Starben 2017 noch mehr als 200 Menschen durch die Hand von Terroristen, waren es 2018 nur noch 62. Und trotzdem: Terrorismus, insbesondere Islamismus, bleibt eine weltweite Bedrohung. In 71 Ländern kam im vergangenen Jahr mindestens eine Person durch Terror ums Leben – so viele Länder waren seit 2002 nicht mehr betroffen.

Zahl der Terror-Opfer sinkt: Schreckensherrschaft des "Islamischen Staates" im Nahen Osten beendet

2014 rief Abu Bakr al-Bagdadi ein weltweites "Kalifat" aus. Mittlerweile ist der IS-Chef tot.
2014 rief Abu Bakr al-Bagdadi ein weltweites "Kalifat'"aus. Mittlerweile ist der IS-Chef tot, seine Miliz für besiegt erklärt.
© deutsche presse agentur

Seit sieben Jahren schon wird der "Global Terrorism Index" jährlich herausgegeben. 2014 war bislang das mit Abstand schlimmste Jahr – und das lag vor allem am "Islamischen Staat". Damals riefen die Dschihadisten ihr weltweites "Kalifat" aus und begannen eine Großoffensive im Irak. Erbarmungslos massakrierten sie Christen, Jesiden und Kurden. Tausende Menschen starben. Und der Terror-Index explodierte: Die Zahl der Opfer stieg binnen eines einzigen Jahres um 80 Prozent.

Mittlerweile ist IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi tot, von amerikanischen Spezialkräften in den Selbstmord getrieben. Seine Terrormiliz gilt als so gut wie besiegt, ist in Syrien und im Irak praktisch bedeutungslos geworden.

Das spiegelt sich auch in den Opferzahlen wider: Verglichen mit 2014, hat sich die Zahl der Terror-Toten weltweit mehr als halbiert. Aufatmen können auch wir in Westeuropa: So wenig Terror wie 2018 gab es hier zuletzt vor sechs Jahren.

Trotz Zerschlagung des IS: Islamismus bleibt ein weltweites Problem

"Der Zusammenbruch des IS in Syrien und im Irak war einer der Faktoren, der es Westeuropa ermöglicht hat, die niedrigste Zahl von Vorfällen seit sechs Jahren zu verzeichnen", erklärt Steve Killelea, Vize-Chef des IEP. "Dieser Gruppe wurden im Jahr 2018 keine Todesfälle zugeschrieben."

Eine Entwarnung könne er aber nicht geben: Es seien weiterhin viele Splittergruppen aktiv, die mit der IS-Ideologie sympathisierten – von Einzeltätern ganz zu schweigen. "Weitere islamistische Angriffe in Europa sind also möglich."

Der IS mag besiegt sein – der Dschihadismus aber bleibt ein ernstes Problem. Die Taliban haben den IS als tödlichste Terrorgruppe der Welt inzwischen abgelöst. Auf ihr Konto gingen 2018 mehr als ein Drittel aller Terror-Opfer.

Entsprechend ist ihr Stammland Afghanistan nun einer der gefährlichsten Staaten der Welt, zumindest gemessen an der Zahl der Terror-Toten: Dort kamen im vergangenen Jahr mehr als 7.000 Menschen durch radikale Islamisten ums Leben.

Gefahr von rechts außen: In Europa schwelt der Neonazi-Terror

Halle (Saale): Blumen und Kerzen erinnern vor dem Kiez Döner an die Opfer eines rechtsextremen Anschlags.
In diesem Döner-Imbiss in Halle an der Saale erschoss Rechtsterrorist Stephan B. einen Kunden.
© dpa, Hendrik Schmidt, hsc kde dna

Für Europa ist der Islamismus allerdings nicht die größte Gefahr. Sorgen macht Forschern neuerdings die Gewaltbereitschaft von rechts: Der Neonazi-Terror nimmt zu, scheinbar unaufhaltsam.

Die Zahl der rechtsextremen Terrorangriffe in Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdreifacht. Dieser Trend hat sich auch im laufenden Jahr fortgesetzt: Bis Ende September starben 77 Menschen bei rechtsextremen Anschlägen.

Was die Verfolgung solcher Taten für Ermittler besonders schwierig macht: Im Gegensatz zu Dschihadisten fühlte sich 2018 kein Rechtsterrorist einer Terrorgruppe zugehörig. Sie alle säten auf eigene Faust Tod und Zerstörung – als unberechenbare Einzeltäter.

So wie Neonazi Stephan B., der im Oktober in Halle an der Saale zwei Menschen erschoss. Nur durch Glück entging die jüdische Gemeinde einem Blutbad. Geht es nach den Erkenntnissen der Terror-Forscher, ist der Trend eindeutig: Solche Anschläge könnten wir in Zukunft noch häufiger sehen.