RTL News>News>

Terror in Österreich: Attentäter von Wien handelte allein - Innenminister räumt Fehler ein

Terror-Anschlag in Österreichs Hauptstadt

Attentäter von Wien handelte allein - Innenminister räumt Fehler ein

Wien-Attentäter wurde schon mal verurteilt Pressekonferenz
01:10 min
Pressekonferenz
Wien-Attentäter wurde schon mal verurteilt

30 weitere Videos

Innenminister: Mögliche Pläne des Attentäters offenbar übersehen

Auch zwei Tage nach dem Terroranschlag ist Wien weiterhin im Schockzustand. Am Mittwoch waren kaum Menschen auf den Straßen der österreichischen Hauptstadt zu sehen. Bei vielen ist die Verunsicherung weiterhin groß, auch wenn inzwischen bekannt ist, dass der Attentäter Kujtim F. allein handelte. Das bestätigte Österreichs Innenminister Karl Nehammer in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Der ÖVP-Politiker räumte außerdem ein, dass Hinweise auf mögliche Anschlagspläne des 20-Jährigen übersehen worden sind. Nähere Details zum Attentäter nennt Franz Ruf, Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, im Video.

Neue Details zum Terroranschlag von Wien

04.11.2020, Österreich, Wien: Karl Nehammer, Innenminister von Österreich, trifft zu einer Pressekonferenz zum Thema "Ermittlungen und aktuelle Lage zu Terroranschlag in Wien" ein. Bei dem Anschlag mit vier Todesopfern am Montagabend, den 2. November
"Was gleichzeitig sichtbar wurde, ist, mit welcher Brutalität und Grausamkeit der Täter vorgegangen ist", sagte Innenminister Nehammer.
pz frd, dpa, Hans Punz

Die Einzeltäter-Theorie habe sich bei der Durchsicht von mehr als 20.000 Videos von Augenzeugen und Überwachungskameras von dem Abend bestätigt, teilte Nehammer mit. „Was gleichzeitig sichtbar wurde, ist, mit welcher Brutalität und Grausamkeit der Täter vorgegangen ist.“

In den Stunden nach dem Anschlag wurden 14 Personen aus dem Umfeld des 20-jährigen österreichisch-nordmazedonischen Doppelstaatlers vorläufig festgenommen. Diese seien zwischen 18 und 28 Jahre alt, sie hätten Migrationshintergrund und seien teils nicht-österreichische Staatsbürger, sagte Nehammer weiter.

Kanzler Kurz besucht Anchlagsort Kranz in Wien niedergelegt
00:32 min
Kranz in Wien niedergelegt
Kanzler Kurz besucht Anchlagsort

30 weitere Videos

Attentäter war der slowakischen Polizei aufgefallen

Im Vorfeld des Terroranschlags sind Hinweise auf mögliche Pläne des 20-jährigen Attentäters übersehen worden. Es sei „offensichtlich einiges schief gegangen“, räumte Nehammer ein. Er kündigte die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission an. Konkret war der spätere Attentäter der slowakischen Polizei nach eigenen Angaben bei einem versuchten Munitionskauf aufgefallen.

Die Polizeidirektion in Bratislava schrieb auf Facebook: „Die slowakische Polizei erhielt im Sommer die Information, dass verdächtige Personen aus Österreich versuchten, in der Slowakei Munition zu kaufen. Es gelang ihnen aber nicht, den Kauf zu realisieren.“ Die Information sei unverzüglich der Polizei in Österreich übermittelt worden. Das bestätigte auch der Innenminister.

Die oppositionelle SPÖ forderte nun Aufklärung. „Was ist mit diesen Informationen dann passiert? Wie kann es sein, dass der Innenminister dann nicht sofort tätig wurde?“, fragte der SPÖ-Fraktionschef Jörg Leichtfried.

Wiener Helden retteten Polizisten Terror-Anschlag in Österreich
01:50 min
Terror-Anschlag in Österreich
Wiener Helden retteten Polizisten

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

24-jährige Deutsche unter den Todesopfern

Nehammer ließ am Mittwoch außerdem offen, ob die Wiener Hauptsynagoge, in deren Nähe der Attentäter am Montagabend vier Menschen erschossen und mehr als 20 verletzt hat, überhaupt eine Rolle als Ziel spielte.

Unter den vier Getöteten ist auch eine 24-jährige deutsche Studentin, die als Kellnerin jobbte. Ein weiteres Opfer stammt wie die Familie des Täters aus Nordmazedonien. Der 20-Jährige war gleichfalls Angehöriger der albanischen Minderheit in Nordmazedonien und hatte sein Abitur in Österreich gemacht. Nach Medienberichten hatte er vor einem der Innenstadtlokale eine Zigarette geraucht, als ihn der Attentäter erschoss.

Antonia Rados über die aktuelle Lage in Wien Terror-Anschlag
01:43 min
Terror-Anschlag
Antonia Rados über die aktuelle Lage in Wien

30 weitere Videos

Bereits neun Minuten nach Beginn der Attacke hatten Polizisten den 20-jährigen Angreifer erschossen. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) teilte am Dienstagabend mit, ein „Soldat des Kalifats“ habe den Anschlag verübt.