Terror-Angst in London: Britischer Soldat zerstückelt

Mutmaßliche Täter wohl mit nigerianischem Hintergrund

Kurz vor dem Finale der Champions League herrscht an der Themse Terror-Angst. In London ist ein britischer Soldat bei einem vermutlich politisch motivierten Anschlag getötet worden. Die Täter, die Medienberichten zufolge den muslimischen Ruf "Gott ist groß" ertönen ließen, zerstückelten ihr Opfer am helllichten Tage wohl mit einem Fleischerbeil und Messern. Zwei Angreifer wurden nach der Tat von der Polizei angeschossen, einer der mutmaßlichen Täter soll dabei lebensgefährlich verletzt worden sein. Einen weiteren Verdächtigen nahm die Polizei in der Grafschaft Lincolnshire fest. Am Morgen sei von Scotland Yard ein Haftbefehl durchgesetzt worden, bestätigte ein Sprecher der Polizei.

Terror-Angst in London: Soldat getötet
Kurz vor dem Champions-League-Endspiel herrscht wie aus dem Nichts Terrorangst in London. Offenbar islamistische Fanatiker brachten einen Mann im Stadtteil Woolwich um.
REUTERS, STEFAN WERMUTH

Die beiden Verantwortlichen sollen britische Staatsbürger mit Verbindungen nach Nigeria sein. Das verlautete aus Regierungskreisen. Es soll sich um junge Leute handeln, die zu einer radikalisierten Form des Islam konvertiert sind. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass sie Kontakt zu radikalen, islamistischen Terrorgruppen wie Boko Haram in Nigeria gehabt hätten. Beide sollen noch heute von Anti-Terror-Experten der Polizei verhört werden.

Zuvor strahlte der britische Fernsehsender ITV Amateuraufnahmen mit einem jungen Mann aus, der in seinen blutverschmierten Händen ein Fleischerbeil und ein Messer hielt. "Auge um Auge, Zahn um Zahn", rief der Schwarze und forderte zum Sturz der Regierung auf. Er bedauerte, dass Frauen die Tat ansehen mussten. "Aber in unserem Land müssen unsere Frauen dasselbe ansehen." Später ging der Mann zu der Leiche des Soldaten zurück und sprach mit seinem mutmaßlichen Komplizen.

Der Anschlag wurde im Woolwich im Südosten der britischen Hauptstadt in der Nähe einer Kaserne verübt. Dort war das Opfer wahrscheinlich stationiert. Medienberichten zufolge versuchten die Angreifer auch, den Mann zu enthaupten. Der Soldat habe ein T-Shirt mit Werbung für Kriegsveteranen getragen.

Cameron will entschlossen handeln

Premierminister David Cameron und der Londoner Bürgermeister Boris Johnson gehen von einem terroristischen Hintergrund der Tat aus, die Entsetzen auslöste. Cameron, den die Nachricht von der Tat in Paris ereilte, sprach von einem entsetzlichen Verbrechen. Er wies Innenministerin Theresa May an, den Krisenstab einzuberufen. Der Regierungschef kürzte seinen Frankreich-Besuch ab. "Wir haben in unserem Land schon mehrere derartige Anschläge erlebt und wir werden uns dadurch nicht verbiegen lassen", kündigte Cameron entschlossenes Handeln an. Londons Bürgermeister Johnson sagte, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handele es sich um einen Terroranschlag, wie ihn die Millionenmetropole schon mehrfach erlebt habe.

Die Polizei räumte den Tatort voller Blutlachen weiträumig ab. Über dem Viertel kreisten Hubschrauber. Die Sicherheitsvorkehrungen an Kasernen wurden verschärft. Zuletzt hatten im Juli 2005 vier Selbstmordattentäter in U-Bahnen und Bussen Anschläge verübt. Sei rissen 52 Menschen mit in den Tod und verletzten Hunderte andere Personen.

Terrorismusexperten hatten unlängst vor Anschlägen radikalisierter Einzelpersonen gewarnt. Solche "einsamen Wölfe" stellten ein großes Risiko dar, selbst wenn sie keine direkten Kontakte zur Al-Kaida hätten. Zu diesem Kreis werden auch die Attentäter von Boston vom April gezählt, die bei einem Bombenanschlag auf den Stadt-Marathon drei Menschen töteten und mehr als 250 verletzten.

Die Menschen in Woolwich reagierten entsetzt. "Dass dies in einer lebendigen Großstadt passieren kann, ist schockierend", sagte ein Frau. Ein junger Muslim legte in der Nähe des Tatorts Blumen nieder. "Das hat nichts mit Gott zu tun. Es zerbricht einem das Herz", sagte er.