Brite erträgt die Schmerzen einfach nicht mehr

Tennis-Star Andy Murray bricht in Tränen aus: Karriere schon in ein paar Tagen vorbei?

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11. Januar 2019 - 9:55 Uhr

Bemerkenswerte Pressekonferenz in Melbourne

Als Andy Murray mit brüchiger Stimme das Unausweichliche aussprach, übermannten ihn die Tränen: Der einstige Weltranglistenerste und Olympiasieger muss seine Karriere beenden - und das vielleicht schon in ein paar Tagen. Er erträgt die ständigen Schmerzen an der rechten Hüfte einfach nicht mehr. Das verkündete der 31-Jährige bei einer Pressekonferenz in Melbourne, wo am Montag das erste Grand-Slam-Turnier der neuen Saison beginnt.

Abschied schon in Melbourne "sehr wohl möglich"

So etwas hatten auch die erfahrenen Pressevertreter im Raum noch nicht erlebt. Murray rang bei dem Medientermin von Anfang an um Fassung. "Nicht toll", sagte er auf die erste Frage, wie es ihm gehe. Dann konnte er nicht mehr weiter, verließ sogar kurz den Raum und sprach danach mit belegter Stimme. Mehrfach senkte Murray den Kopf, um sich Tränen aus den Augen zu wischen.

"Ich bin nicht sicher, ob ich noch vier oder fünf Monate unter Schmerzen spielen kann. Ich möchte es bis Wimbledon schaffen und dann aufhören, aber ich bin nicht sicher, ob ich das machen werde", sagte der Schotte in dem Wissen, dass ihm sein letztes Match schon unmittelbar bevorstehen könnte.

In der ersten Runde der Australian Open trifft Murray auf den Spanier Roberto Bautista Agut, der gerade das Turnier in Doha gewann. Der nur noch auf Platz 230 der Weltrangliste geführte Brite will zwar zu der Partie antreten, sieht sich aber nicht mehr in der Lage, auf dem höchsten Niveau zu spielen. Daher sei es "sehr wohl möglich", dass er bereits in Melbourne sein letztes Turnier spiele, so Murray.

Schmerzen selbst im Alltag

LONDON, ENGLAND - JULY 07:  Andy Murray of Great Britain poses with the Gentlemen's Singles Trophy following his victory in the Gentlemen's Singles Final match against Novak Djokovic of Serbia on day thirteen of the Wimbledon Lawn Tennis Championship
Zweimal triumphierte Andy Murray bei seinem "Heim-Slam" in Wimbledon. Heute fällt es ihm sogar schwer, sich die Schuhe anzuziehen
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Murray leidet seit 20 Monaten unter Hüftproblemen und ließ sich deswegen vor einem Jahr operieren. Wegen der fortwährenden Schmerzen erwägt er einen weiteren Eingriff. Er soll ihm zumindest ein schmerzfreies Leben ermöglichen: Derzeit kann sich Murray nicht einmal Schuhe oder Socken ohne Probleme anziehen.

"Ich habe eine Menge Schmerzen - es ist zu viel", klagte er: "Der Schmerz erlaubt mir nicht, Spaß am Training oder Wettkampf zu haben. Ich habe versucht, damit klar zu kommen, ich habe darüber geredet, aber davon geht es meiner Hüfte nicht besser."

Einer der Besten der Tennis-Geschichte

"Wenn das wahr ist, ziehe ich meinen Hut vor Andy Murray", schrieb Andy Roddick bei Twitter und bezeichnete Murray als "absolute Legende". Der ehemalige US-Tennis-Star wünscht Murray einen standesgemäßen Abgang auf dem heiligen Rasen in Wimbledon. "Er ist für die Geschichte von Großbritannien und Wimbledon zu wichtig", so Roddick ehrfürchtig.

Murray gehört zu den erfolgreichsten Tennisspielern der Geschichte. Er gewann zweimal in Wimbledon, war zweimal Olympiasieger, holte den Titel bei den US Open und stand fünfmal im Finale der Australian Open sowie einmal im Endspiel der French Open.