Erster Sieg eines tauben Spielers auf der ATP-Tour

Gehörloser Tennisspieler schreibt Geschichte

© Imago Sportfotodienst

22. August 2019 - 11:43 Uhr

"Wenn du hart kämpfst, kannst du alles erreichen"

Lee Duck Hee hat in Winston-Salem (USA) Tennis-Geschichte geschrieben: Der Südkoreaner gewann als erster Gehörloser ein Spiel im Hauptfeld eines Profi-Turniers. Mit 7:6 und 6:1 schlug der 21-Jährige den Schweizer Henri Laaksonen.

Leute machten sich über Lee lustig

Lee ist seit seiner Geburt gehörlos, mit 15 Jahren wagte er den Schritt und wurde Tennis-Profi. "Im Alter von sechs Jahren habe ich gemerkt, dass ich taub bin", sagte er. "Zuerst war ich geschockt, weil ich anders war."

"Die Leute haben sich wegen meiner Behinderung über mich lustig gemacht. Sie haben mir gesagt, ich sollte nicht spielen", erzählte der Weltranglisten-212. nach seinem Erfolg: "Es war wirklich schwierig, aber meine Freunde und meine Familie haben mir da durchgeholfen. Ich wollte es allen beweisen."

Der Triumph überraschte Lee sogar selbst. "Ich hätte nie gedacht, dass ich in diesem Spiel durchkomme", sagte er, "ich wollte einfach mein Bestes geben und fokussiert bleiben, jetzt bin ich der Sieger."

Konkurrenz beeindruckt

Die Leistung von Lee ist beispiellos. Ohne akustische Wahrnehmung fehlt ihm ein wichtiger Sinn, um sich auf dem Platz zu orientieren. Er hört nicht, wie hart oder mit wie viel Schnitt der Gegner den Ball trifft, ob beim Schlag des Kontrahenten eines Saite reißt und wie die Filzkugel vom Boden abspringt. "Wenn ich mit Kopfhörern spielen müsste, wäre es unglaublich schwierig, das Tempo des Balles einzuschätzen", sagte der zweimalige Olympiasieger Andy Murray: "Wir benutzen unsere Ohren in vielerlei Hinsicht", Lee habe "einen großen Nachteil".

"Vor ein paar Jahren habe ich ihn geschlagen, da kam er nach dem Match mit einem Google-Übersetzer zu mir und fragte: 'Was sind meine Schwächen?'", zeigte sich der Amerikaner Tennys Sandgren beeindruckt. "Das war cool, ich würde sowas nicht machen."

"Ich kann nichts hören"

​Dazu fällt ihm der Austausch mit dem Unparteiischen schwer. "Ich habe eine wirklich harte Zeit auf dem Platz, wenn ich mit dem Schiedsrichter kommunizieren muss", sagte Lee in einem Porträt der ATP-Tour. Als gegen Laaksonen 40:15 auf der Tafel angezeigt wurde, obwohl es 30:15 stand, fragte Lee beim Stuhlschiedsrichter nach. Die Verständigung klappte nicht. Erst als ein Volunteer drei Finger als Zeichen für 30 ausstreckte, war die Sache geklärt. "Ich kann nichts hören", so Lee.

Sein Gegner in der zweiten Runde ist der an Position drei gesetzte Pole Hubert Hurkacz. "Ich werde das Match mit der gleichen Einstellung angehen", kündigte Lee an.

Sein Gegner in der zweiten Runde ist der an Position drei gesetzte Pole Hubert Hurkacz. "Ich werde das Match mit der gleichen Einstellung angehen", kündigte Lee an.