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Teilzeitfalle für junge Eltern: Neues Gesetz soll Rückkehr in Vollzeit erleichtern

Junge Eltern fürchten sich oft vor der "Teilzeitfalle".
Junge Eltern fürchten sich oft vor der "Teilzeitfalle". © iStockphoto

Von Laura Waßermann

Zwischen Babybrei und Geschäftsessen, Windelwechseln und Kundenbetreuung: Frisch gebackene Eltern stehen oft vor der Herausforderung, ihr Familien- und Arbeitsleben unter einen Hut zu bringen. Deshalb reduzieren immer mehr Menschen in Deutschland ihre Arbeitszeit.

SPD-Vorschlag: das "Teilzeit- und Befristungsgesetz" (TzBfG)

Hat sich das Familienleben eingependelt, indem die Kinder beispielsweise in den Kindergarten gehen, wollen viele Teilzeitbeschäftigte in die Vollzeit zurückkehren. Das wird ihnen auf bürokratische Wege oft erschwert. Deshalb hat der Bundestag einen Gesetzesentwurf beschlossen, der eine "Brückenteilzeit", also eine Art Zwischenlösung, ermöglicht. Nicht alle Parteien sind davon überzeugt.

"Dass die Arbeit zum Leben passt", das werde mit dem Brückenteilzeitgesetz erreicht, sagte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Er hat den Gesetzesentwurf maßgelich entwickelt, unter anderem mithilfe seiner Vorgängerin und heutiger SPD-Chefin Andrea Nahles. "Wichtig dabei ist ganz besonders, dass Teilzeit künftig nicht mehr zur Falle wird, zur Einbahnstraße ohne Rückweg. Die Brückenteilzeit schafft Arbeitszeitflexibilität", hieß es am Donnerstag seitens der SPD. Schließlich würden knapp eine Million Beschäftigte laut Mikrozensus ihre Arbeitszeit reduzieren wollen. Aus diesen Gründen sei das Brückenteilzeitgesetz die Lösung für die Probleme vieler Menschen in Deutschland.

Es ist das "Baby" der Sozialdemokraten. Doch was bedeutet das Gesetz überhaupt für Arbeitnehmer und Arbeitgeber? Und wann tritt es in Kraft? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wen betrifft das Gesetz?

18.10.2018, Berlin: Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, spricht im Bundestag zum Qualifizierungschancengesetz. Der Bundestag beschäftigt sich bei seiner Tagung mit Neuregelungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung, dem K
Arbeitsminister Hubertus Heil hat das Gesetz auf den Weg gebracht. © dpa, Jens Büttner, jbu

In Deutschland gibt es rund 37 Millionen Erwerbstätige. Davon arbeiten derzeit knapp fünf Millionen Menschen in Teilzeit, vier Millionen sind Frauen. Die Gründe dafür können neben der Kinderbetreuung auch private Projekte wie Hausbau oder Pflege von Angehörigen sein. 

Diese Menschen sind oft von der sogenannten Teilzeitfalle betroffen. Denn es heißt, einmal in Teilzeit, immer in Teilzeit. Das soll sich nun durch das neue Gesetz ändern. Menschen, die in die Vollzeit zurückkehren wollen - beispielsweise weil ihre Rente durch mehr Arbeitszeit aufstocken möchten - sollen das zukünftig leichter können.

Was bedeutet das Gesetz konkret?

Erwerbstätige sollen in Zukunft ein Recht auf befristete Teilzeit bekommen, um danach in die Vollzeitbeschäftigung zurückzukehren. Die befristete Teilzeit kann zwischen einem Jahr und fünf Jahren dauern - je nach Absprache mit dem Arbeitgeber. Gründe muss der betroffene Arbeitnehmer nicht angeben. Nach der Teilzeit kann der Arbeitnehmer einfach in die vorher vertraglich festgelegte Beschäftigung zurückkehren. So soll die bekannte "Teilzeitfalle" vermieden werden. 

Ab wann tritt es in Kraft?

Das vom Bundestag beschlossene Gesetz soll ab dem 1. Januar 2019 rechtskräftig werden.

Was sind mögliche Nachteile für Arbeitnehmer?

Menschen, die aus der Teilzeit in Vollzeit zurückkehren wollen, haben kein Anspruch auf den gleichen Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber kann ihnen eine "gleichwertige" Arbeit zuweisen, heißt es in dem Gesetzesentwurf. Zudem wird die Dauer der Brückenteilzeit unflexibel geregelt. Sobald der Zeitrahmen festgelegt ist, bleibt es dabei. Die Maximalzeit von fünf Jahren zum Beispiel nachträglich zu verkürzen, ist nicht möglich. 

Ein weiterer Nachteil sei, dass für Menschen, die gerade aus der Brückenteilzeit kommen, ein Jahr Sperrfrist herrsche, sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. "Es gibt kaum noch Alleinverdienerhaushalte. Da hätten wir uns statt dem Brückenteilzeitgesetz ein richtiges Gesetz für die Rückkehr in die Vollzeit gewünscht", sagte Weber weiter. So sieht das auch die Linke. "Ein Brückenteilzeitgesetz, dass 14,4 Millionen Beschäftigten ein Rückkehrecht in Vollzeit verweigert ist ein Placebo", sagte Linken-Politikerin Susanne Ferschl, Mitglied des Bundestags, gegenüber RTL.de: "Gerade in Kleinbetrieben arbeiten sich die einen kaputt, während eine Million unterbeschäftigte Teilzeitkräfte ihre Arbeitszeit lieber heut als morgen aufstocken würden."

Die Grünen sind indes geteilter Meinung. Prinzipiell begrüßten sie die Idee des neuen Gesetzes, hielten es aber nicht für flexibel genug, heißt es auf der Seite des Bundestages: "Ein einziges Arbeitszeitmodell für ein ganzes Erwerbsleben reiche für die Vielzahl unterschiedlicher Bedürfnisse und die sich wandelnden individuellen Lebenssituationen nicht aus."

Was muss der Arbeitgeber beachten?

Bevor jemand in Brückenteilzeit gehen darf, muss sie oder er mindestens sechs Monate bei einem Unternehmen gearbeitet haben. Dabei muss er dem Arbeitgeber eine Vorlaufzeit von drei Monaten geben. Wenn eine Frau nach der Elternzeit zum Beginn des nächsten Jahres in befristete Teilzeit gehen will, muss sie diese also noch vor Oktober beantragen.

Auf Arbeitgeberseite kann die Brückenteilzeit laut Gesetzesentwurf nur gewährleistet werden, wenn dessen Firma mehr als 45 Mitarbeiter beschäftigt. "Betriebe müssen in der Lage sein, das zu händeln", führte Enzo Weber fort. Das Gesetz beinhaltet ebenfalls die Klausel, dass ein Arbeitgeber einen Antrag auf befristete Teilzeit aus betrieblichen Gründen ablehnen kann.

Eine weitere Änderung durch das Gesetz fällt zulasten der Arbeitnehmer. In Zukunft müssen sie stärker darlegen beziehungsweise beweisen, warum ein anderer Bewerber geeigneter für die Position des Brückenteilzeitbeschäftigten sei.

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