Bars und Restaurants müssen schließen

Niederlande verkünden für die nächsten zwei Wochen "Teil-Lockdown"

15. Oktober 2020 - 14:22 Uhr

Holland ergreift drastische Corona-Maßnahmen

Angesichts der dramatisch gestiegenen Infektionszahlen in den letzten Tagen haben die Niederlande einen "Teil-Lockdown" verfügt. Kneipen, Restaurants und Cafés sind abends seit dem 14. Oktober geschlossen.

"Es liegt nun an uns allen selbst"

Es sind drastische Maßnahmen, die Ministerpräsident Mark Rutte verkündete. Was er sagte, erinnerte an den März und April, als die erste Corona-Welle das öffentliche Leben schon einmal drastisch einschränkte.

  • Seit dem 14. Oktober um 22 Uhr werden sämtliche Kneipen, Restaurants und Cafés geschlossen. Essen darf nur noch geliefert oder abgeholt werden.
  • Ab 20 Uhr ist auch der Verkauf von Alkohol verboten.
  • Die bisherige Empfehlung für Masken in sämtlichen öffentlichen Räumen wird in eine allgemeine Pflicht umgewandelt.
  • Auch Versammlungen von mehr als 30 Menschen sind untersagt. Zuhause dürfen nur noch maximal drei Gäste empfangen werden.
  • Busse und Bahnen sollen nur noch in dringenden Fällen genutzt werden.
  • Es wird bis auf weiteres auch kein Mannschaftssport für über 18-Jährige geben. Das dürfte eine Unterbrechung für die gerade erst begonnene Fußball-Saison bedeuten. Erst vor einer Woche war Mario Götze zum PSV Eindhoven gewechselt und hatte auf mehr Spielpraxis als zuletzt in Dortmund gehofft.

Vorerst gilt das alles für zwei Wochen."Es liegt nun an uns allen selbst", sagte Ministerpräsident Mark Rutte in der live im Fernsehen ausgestrahlten Pressekonferenz. "Seien Sie realistische Niederländer und übernehmen Sie Verantwortung." Die Regierung musste reagieren, erläuterte er die Maßnahmen, fast in allen Regionen der Niederlande sei die Lage "alarmierend". In zwei Wochen werde die Regierung die Lage erneut beurteilen.

Mehr als 7.000 Neuinfektionen - Amsterdam und Rotterdam am schlimmsten getroffen

Die Niederlande zählten in der vergangenen Woche zu den Ländern mit den höchsten Zuwachsraten in Europa. Fast 44.000 neue Corona-Infektionen wurden nachgewiesen, ein Anstieg um 60 Prozent innerhalb einer Woche. Am Dienstag wurde mit 7.400 Neu-Infektionen erstmals die 7.000er-Marke überschritten. Die 7-Tage-Inzidenz stieg damit auf den Wert von 252. Die beiden Metropolen Amsterdam und Rotterdam sind am schlimmsten betroffen. Hier stieg die 7-Tage-Inzidenz sogar auf über 400.
 
Parallel dazu ging auch die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen deutlich in die Höhe. Der Vorsitzende des niederländischen Fachärzte-Verbandes, Peter Paul van Benthem warnte vor einem "Patienten-Tsunami", der in den kommenden Monaten auf das Land zurolle.
 
Dabei macht der Regierung nicht nur der Anstieg der Neuinfektionen Sorge, sondern auch der Anteil der positiven Corona-Tests am gesamten Testvolumen. Der liegt im Augenblick bei 13,8 Prozent, Ende August lag der Anteil noch bei 2,5 Prozent.
Laut Weltgesundheitsbehörde WHO ist eine Positivrate von unter fünf Prozent ein Indiz, dass ein Land die Pandemie unter Kontrolle hat. Diese Rate ist den Niederlanden inzwischen deutlich überschritten. In Deutschland lag der Positivanteil am gesamten Testvolumen zuletzt bei 1.64 Prozent. Den Niederlanden stehen nun harte Wochen bevor.

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