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Teheran: Polizistinnen verprügeln Frau weil ihr Kopftuch locker saß

Sittenpolizei im Iran
Sittenpolizei im Iran Video zeigt erschreckende Szenen 00:41

Riesen Empörung im Iran! Sitten-Polizistinnen schlagen junge Frau

Iranische Sitten-Polizistinnen haben eine junge Frau in Teheran auf offener Straße verprügelt. Auslöser für die Ausschreitungen war das Kopftuch der jungen Frau, das nur lose auf ihrem Kopf saß.

Zusammen geschlagen, weil sie Haar zeigte

In Teheran schlagen zwei verschleierte Sitten-Polizistinnen auf eine junge Iranerin ein. Das Kopftuch der jungen Frau sitzt locker, bedeckt ihr Haar nicht komplett, außerdem ist ihr langer geflochtener Zopf sichtbar. In den Augen der Polizistinnen war die junge Frau somit nicht "islamisch" gekleidet. Das Video zeigt, wie brutal und skrupellos die Polizistinnen vorgehen.

Handyvideo sorgt für landesweite Empörung

Der Vorfall wurde von Passanten mit dem Handy gefilmt und in den sozialen Netzwerken veröffentlicht. Das Video zeigt tumultartige Szenen und die ganze Brutalität, mit der die Polizistinnen auf die junge Frau losgehen. Viele Iraner sind konsterniert und fordern harte Strafen für die Sitten-Polizistinnen. Einige schreiben in Kommentaren auf Social Media sogar den Rücktritt vom Polizeichef und Innenminister.

Warum dieser Vorfall besonders ist

Im Iran müssen ab dem Alter von neun Jahren Mädchen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und einen langen, weiten Mantel tragen. Seit Dezember letzten Jahres werden Proteste gegen den Kopftuchzwang laut. Auf Demonstrationen haben Frauen in der Öffentlichkeit ihre Kopftücher abgenommen. Im Rahmen dieser Proteste wurden bereits über 30 Frauen festgenommen. Die Reaktion der Politiker, das konsequente Vorgehen gegen die Polizistinnen, macht deutlich, wie sehr die Regierung den Unmut der Bevölkerung fürchtet.

Persönlicher Kommentar der Redaktion

Frauen in Teheran
In Teheran wurde ein Frau von der Sittenpolizei verprügelt, weil ihr Kopftuch zu locker saß. (Foto: Motivbild) © picture alliance /, R4200

Diese Szenen als Deutsche mit iranischen Wurzeln zu sehen, tut weh, es macht einen wütend. Ich bin in Deutschland geboren – bin dementsprechend Freiheit gewohnt. Freiheit, mich zu kleiden wie ich möchte. Mich mit Freunden in der Öffentlichkeit aufzuhalten, meine Meinung kundgeben zu können. Ohne Konsequenzen zu fürchten. Aber ich bin auch die Tochter zweier Iraner. Und muss deswegen gleichzeitig gestehen: So sehr mir diese Videos wehtun, desto erschreckender ist es, dass ich Videos wie dieses schon viel zu oft in sozialen Netzwerken gesehen habe.

Die Stärke und Härte mit der die Sittenpolizei teilweise vorgeht, ist Iranern bekannt. Sie ist auch mir bekannt. Deshalb finde ich es wichtig, dass durch dieses Video nun viele Menschen außerhalb des Irans aufmerksam gemacht werden.

Der Iran ist seit geraumer Zeit im Wandel. Junge Menschen haben keine Lust mehr auf die Verschleierung, die nicht zu enden scheinenden Verbote und Regeln. Und insbesondere in der Hauptstadt des Irans, Teheran, scheinen viele junge Menschen immer mehr Freiheit zu genießen. Es tut sich etwas. Die Menschen protestieren, gehen auf die Straße. Trotzdem ist die Angst, die Obacht vor der Sittenpolizei allgegenwärtig. Diese Menschen, die sich der Sittenpolizei entgegensetzen, fürchten oft um ihre Gesundheit, teilweise um ihr Leben.

Ich selbst war das letzte Mal vor 13 Jahren im Iran. Zu sehr störte mich die Politik, die Verschleierung, die Unterdrückung der Menschen, als dass ich früher zurückkehren wollte. Auch wenn das für mich bedeutete, die eigene Familie, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins nicht mehr zu sehen. Umso mehr freut es mich, dass den Menschen im Iran immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dass ihre Unterdrückung wahrgenommen wird. Denn wir, außerhalb des Landes, können uns glücklich schätzen, diese Szenen nur als Video zu kennen – und nicht am eigenen Leib miterlebt zu haben.

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