Tausendfache Kurzarbeit durch Corona: Dreyer fordert Geduld

Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz (r). Foto: Thomas Frey/dpa/Archivbild
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31. März 2020 - 17:00 Uhr

In Rheinland-Pfalz zeichnen sich in der Corona-Krise auch wirtschaftlich immer stärker Probleme ab. Darauf deuten aktuelle Zahlen zum Kurzarbeitergeld hin. Die Landesregierung bittet mit Blick auf die Einschränkungen des öffentlichen Lebens um Geduld. Derweil steigt die Zahl der Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 im Bundesland weiter an. Die wichtigsten Themen des Tages im Überblick:

KURZARBEIT - Angesichts starker Beschränkungen wegen der Corona-Krise sind in Rheinland-Pfalz in den vergangenen zwei Wochen rund 19.000 Kurzarbeit-Anzeigen eingegangen. Es handele sich um Betriebe, die - nach eigenen Angaben - die Kurzarbeit infolge der Ausbreitung des Coronavirus angezeigt hätten, teilte die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Saarbrücken mit. Da die Daten wöchentlich ausgezählt würden, bildeten sie den Stand zum 27. März ab, hieß es. Zum Vergleich: Im Januar gab es in Rheinland-Pfalz nur 52 Anzeigen von Kurzarbeit.

VIELE ANTRÄGE - Bei der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) sind in weniger als zwei Tagen 33.000 Anträge auf Zuschüsse in der Corona-Krise eingegangen. Zur Bearbeitung der zahlreichen Anträge habe die landeseigene Förderbank die dafür zuständige Abteilung intern verstärkt, teilte eine Sprecherin am Dienstag mit. Somit könnten die Anträge jetzt von 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bearbeitet werden. "Wir hoffen, ab Anfang kommender Woche die ersten Auszahlungen anweisen zu können."

NEUE ZAHLEN - Die Zahl der Corona-Infektionen in Rheinland-Pfalz ist bis Dienstag um 5,7 Prozent auf 2839 gestiegen, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte. Das ist etwa die gleiche Steigerung wie am Vortag mit 5,5 Prozent. Vor einer Woche war die Zahl der Fälle von Montag auf Dienstag noch um 15,2 Prozent hochgeschnellt. Aussagen über einen längerfristigen Trend können aber erst nach mehreren Tagen getroffen werden. Bisher starben 22 Menschen in Rheinland-Pfalz an der durch das Virus verursachten Krankheit Covid-19, drei mehr als am Vortag gemeldet wurden.

SCHULEN - Das Bildungsministerium hat eine Notbetreuung auch für die Osterferien zugesagt. Die Schulaufsicht der ADD rief Lehr- und pädagogische Fachkräfte auf, sich freiwillig dafür zu melden. "Wir hoffen, dass die Schulen nach den Osterferien wieder öffnen", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. "Zum derzeitigen Zeitpunkt können wir das aber noch nicht sicher sagen."

APP UND MASKEN - Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) rief die Bevölkerung zu Geduld auf. Lockerungen der Einschränkungen seien derzeit nicht angezeigt, sagte sie. Auf einer Pressekonferenz sprach sie sich gegen eine Maskenpflicht und für eine freiwillige Corona-Stopp-App aus. Eine einfache Maske könne ein zusätzlicher Schutz sein und Menschen, die sie nutzen wollten, sollten diese auch kaufen können, sagte Dreyer am Dienstag in Mainz nach einer Sitzung des Ministerrats. Dafür mache sich die Landesregierung bei der Industrie und Ehrenamtlichen stark.

BASTELAKTION - Der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz hat dazu aufgerufen, Karten, Fotos, Bilder oder Briefe in Pflegeheime zu schicken. Mit der Aktion "Pinsel-Post" wolle man Farbe und Gefühl in den Pflege-Alltag bringen. "Kein Besuch von Verwandten, Pflegekräfte am Limit - die Corona-Krise trifft Pflegeheime und ihre Bewohner besonders hart", hieß es in einer Mitteilung. "Die Pflegebedürftigen sind sozial isoliert und vereinsamen." Dagegen solle die Bastelaktion helfen.

TIERPARKS IN NOT - Die geschlossenen Zoos schlagen Alarm: Ihnen fehlen die Einnahmen. Einer der größten in Rheinland-Pfalz, der Zoo Neuwied, teilte mit, dennoch müsse er 1800 Tiere versorgen. Bei einer vierwöchigen Schließung fehlten Direktor Mirko Thiel zufolge rund 400.000 Euro. Gerade die Osterferien gehörten zu den besucherstärksten Zeiten des von einem Förderverein getragenen Zoos.

GRUPPENARBEIT - Die Polizisten in Rheinland-Pfalz häufen nach Darstellung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Corona-Krise noch keine Überstunden an, bauen aber auch keine ab. "Die Dienststellen sind auf eine Mindeststärke heruntergefahren, und alle anderen Kollegen zur Gesundheitserhaltung nach Hause geschickt worden - bei voller Arbeitszeit", sagte die GdP-Landesvorsitzende Sabrina Kunz. Einige dieser Beamten könnten aus dem Home Office arbeiten, die Kollegen aus der Wechselschicht aber nicht. Ziel sei eine Einteilung der Kräfte in Gruppen, die sich im täglichen Dienst nicht begegnen sollten, um die Polizei auf längere Zeit einsatzfähig zu halten.

NOTQUARTIERE - Nach der Einrichtung von Notquartieren für Corona-Patienten in mehreren rheinland-pfälzischen Städten hat Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) die Kommunen um frühzeitige Abstimmung gebeten. Angesichts dramatischer Bilder aus Italien, Spanien oder Frankreich könne sie verstehen, dass einzelne Städte und Kreise nach Möglichkeiten für zusätzliche Unterbringungs- oder Behandlungskapazitäten suchten, sagte sie. Bei einer geplanten Heil- und Krankenbehandlung sollte aber "eine enge Abstimmung mit Krankenhäusern und dem Gesundheitsministerium erfolgen".

Quelle: DPA