Als erstes Land in Asien

Taiwan führt Ehe für alle ein

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17. Mai 2019 - 16:27 Uhr

Taiwan erkennt offiziell gleichgeschlechtliche Paare an

Taiwan hat als erstes Land in Asien die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare erlaubt. Das Parlament in Taipeh stimmte am Freitag für ein entsprechendes Gesetz. Bis zuletzt hatten konservative Politiker dagegen gekämpft.

Rund 16 Jahre dauerte die Debatte um die Ehe für alle

Same-sex marriage supporters celebrate after Taiwan became the first place in Asia to legalize same-sex marriage, outside the Legislative Yuan in Taipei, Taiwan May 17, 2019. REUTERS/Tyrone Siu
Hunderte Paare schwenkten Regenbogenfarben vor dem Parlament in Taipeh.
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Das Verfassungsgericht des Inselstaats hatte bereits im Mai 2017 - nach einer rund 16 Jahre andauernden Diskussion - ein Urteil zugunsten gleichgeschlechtlicher Ehen gefällt. Das Gericht hat der Regierung eine Frist von zwei Jahren gesetzt, um die entsprechenden Gesetzesänderungen vorzunehmen. Die Ehe nur für heterosexuelle Paare zu erlauben, verstoße gegen das in der Verfassung garantierte Eherecht und das Recht auf Gleichbehandlung, urteilte das Gericht damals. Jetzt wurde es vom Parlament durchgewunken.

Das Gesetz sieht vor, dass Paare zunächst einen "dauerhaften exklusiven Bund" eingehen und später die Eintragung als Ehe beantragen können. Taiwans LGBT-Community feiert den historischen Tag. Hunderte Paare schwenkten Regenbogenfarben vor dem Parlament in Taipeh - viele Paare wollen sich direkt registrieren lassen, berichten die Medien des Landes.

"Chance, Geschichte zu schreiben"

Konservative Politiker hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Reform zu verhindern. Sie setzten sich dafür ein, gleichgeschlechtliche Partnerschaften rechtlich nicht gleich zu behandeln. Das Wort "Ehe" tauchte in ihren Gesetzesvorschlägen nicht auf. Zudem führten die LGBT-Gegner im November 2018 ein Referendum durch, in dem 70 Prozent der Wahlberechtigten für eine rein heterosexuelle Definition der Ehe stimmten. Da es aber in Taiwan keinen politischen Umsetzungszwang von Referendumsergebnissen gibt, war es rechtlich nicht bindend.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen erklärte hingegen, die Entscheidung sei "ein großer Schritt hin zu echter Gleichberechtigung". Vor der Abstimmung hatte sie auf Twitter geschrieben: "Heute haben wir die Chance, Geschichte zu schreiben und der Welt zu zeigen, dass fortschrittliche Werte auch in einer ostasiatischen Gesellschaft Wurzeln schlagen können."

Homosexuelle werden in vielen Ländern verfolgt

Same-sex marriage supporters hold umbrellas and rainbow flags as they take part in a rally during a parliament vote on three different draft bills of a same-sex marriage law, outside the Legislative Yuan in Taipei, Taiwan May 17, 2019. REUTERS/Tyrone
Konservative Politiker hatten in den vergangenen Monaten versucht, die Reform zu verhindern.
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In vielen asiatischen Ländern werden Homosexuelle verfolgt. So waren Anfang April im Sultanat Brunei härtere Strafgesetze in Kraft getreten, dort gilt die islamische Scharia-Gesetzgebung. Homosexuellen drohte die Todesstrafe durch Steinigung. Anfang Mai kündigte das Sultanat schließlich an, auf die Vollstreckung der Todesstrafe zu verzichten. Auch in Malaysia, wo der Islam Staatsreligion ist, droht ihnen eine mehrjährige Haftstrafe.