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Tagebau Hambach: Rund 2.000 Aktivisten blockierten über Nacht die Gleise - Proteste gehen weiter

Tagebau Hambach: Rund 2.000 Aktivisten blockierten über Nacht die Gleise - Proteste gehen weiter

Umweltaktivisten protestieren weiter

Das Kapitel Hambacher Forst geht weiter. Nach einer bitterkalten Nacht protestieren auch am Sonntag Tausende Menschen gegen den Braunkohleabbau im Hambacher Tagebau. Bereits am Samstag haben Aktivisten einen Bagger des Energiekonzerns RWE sowie eine Trasse der Hambachbahn besetzt und die Autobahn A4 gestürmt.

Nach Polizeiangaben vom Sonntag sollte die Demonstration von der blockierten Bahn am Tagebau Hambach über die Felder zum verlassenen Tagebauort Morschenich gehen und von dort zum zentralen Stützpunkt von "Ende Gelände" in Düren. Eine Sprecherin des Bündnisses ließ aber offen, ob die Blockade komplett aufgelöst werden soll.

Autobahn A4 zeitweise gesperrt

22.4.2017 - Ende Gelaende Proteste gegen Braunkohleabbau - Mehrere tausend Aktivist*innen versuchten den Kohlebetrieb der RWE lahmzulegen. Nach anfaenglichen versuchen den Tagebau Inden zu blockieren, setzten sich mehrere tausend auf die Schienen der
Mit Wärmedecken versuchten Aktivisten, die Kälte der Nacht abzuhalten.
imago stock&people, imago/Michael Trammer, Michael Trammer

Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hatte sich am Samstag nach eigenen Angaben mit über 6.500 Aktivisten auf den Weg von seinem Camp in Richtung Tagebau Hambach aufgemacht. Es ist die Rede von der bisher größten "Massenaktion zivilen Ungehorsams der Klimagerechtigkeitsbewegung". Rund 2000 junge Leute hatten die kalte Nacht auf den Gleisen verbracht. Hunderte waren aber zuvor der Aufforderung der Polizei gefolgt und hatten die Gleise verlassen.

Die Polizei kam mit einem Großaufgebot. 18 Demonstranten besetzten einen Bagger im Tagebau, den RWE daraufhin aus Sicherheitsgründen abstellte. Der Energiekonzern kündigte an, Straftaten wie Hausfriedensbruch konsequent zur Anzeige zu bringen.

2.500 junge Menschen blockierten nach Polizeiangaben außerdem die Schienen der Transportbahn, die Kohle aus dem rheinischen Tagebau Hambach in die Kraftwerke bringt. Das Ziel: Die Aktivisten wollten die Tagebau-Infrastruktur im Rheinischen Revier lahmlegen. Weil einige eine Polizeikette durchbrachen und über die Autobahn A4 liefen, musste diese mehrere Stunden gesperrt werden. Die Polizei ging mit Wasserwerfern vor.

Auch der Zugverkehr zwischen Düren und Aachen wurde vorübergehend eingestellt.

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"Wir sind nicht zu stoppen, eine andere Welt ist möglich"

Die jungen Leute auf den Schienen der Kohle-Transportbahn von RWE riefen rhythmisch: "We are unstoppable, another world ist possible." (Wir sind nicht zu stoppen, eine andere Welt ist möglich). Fast alle trugen die dünnen weißen Staubanzüge, die für die Massenaktionen vom Aktionsbündnis "Ende Gelände" typisch sind. Es wurde gesungen und gejubelt.

Der Einsatz war eine Frage der Taktik, bei Polizei und Aktivisten. So schien es fast wie eine Art Finte, als zunächst eine Gruppe von 250 Leuten versuchte, in den Tagebau Inden einzudringen. Sie wurden von Einsatzkräften daran gehindert und in Gewahrsam genommen. Die Polizei setzte nach Angaben eines Sprechers auch Pfefferspray und Schlagstöcke ein.

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Lebensgefahr: Polizei warnt davor, in Tagebau einzudringen

Nach Einschätzung von Polizei und RWE war die Lage am Tagebaurand Hambach lebensgefährlich. "Aktuell kommt es zu Erdrutschen an der Tagebaukante in Hambach", warnten Beamte. Die Demonstranten sollten die Tagebaukante verlassen. "Es besteht akute Lebensgefahr", twitterte die Polizei.

Kohleausstieg geht Aktivisten nicht schnell genug

Umweltaktivisten des Aktionsbündnis "Ende Gelände" verlassen in einem Demonstrationszug ihr Lager in Düren in Richtung des Tagebaus Hambach.
Der Demonstrationszug verlässt sein Lager in Düren in Richtung des Tagebaus Hambach.
dy, dpa, David Young

RWE teilte mit, mit seinem Braunkohlefahrplan zur Reduktion der CO2-Emissionen zum Erreichen der nationalen Klimaziele beizutragen. Den meist jungen Aktivisten geht das nicht schnell genug: Sie wollten ein Zeichen setzen für den sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit.